Fähre schippert in ruhigeres Fahrwasser

Anzahl der Passagiere steigt - Gesellschafter erwägt Kauf eines neuen Schiffs - Ab Juli moderate Preiserhöhungen

Bad Godesberg. Nach stürmischen Zeiten, die gekennzeichnet waren durch schlagzeilenträchtige Unterschlagungsvorwürfe gegen ehemalige Fährführer und Kassierer, kommt die Autoschnellfähre Bad Godesberg-Niederdollendorf (ASF) jetzt offenbar wieder in ruhigeres Fahrwasser.

Wie die jüngste Statistik des Unternehmens belegt, stabilisieren sich die Zahlen der Überfahrten: Nach ihrem Höchststand von über 90 000 vor zehn Jahren und einem Tiefststand von weniger als 68 000 im Jahr 2006 absolvierte die ASF im Geschäftsjahr 2008 wieder knapp 70 000 Rheinquerungen - Tendenz steigend.

Noch erfreulicher ist die Entwicklung bei den Beförderungen. Ging die Zahl der beförderten Personen seit dem Jahr 2000 von 610 000 bis 2005 auf etwa 490 000 kontinuierlich zurück, so ist sie inzwischen wieder auf 630 000 angewachsen.

Die Anzahl der transportierten Fahrräder war mit über 89 000 sogar noch nie so hoch wie im vergangenen Jahr. Und schließlich scheint auch der ständige Rückgang der übersetzenden Kraftfahrzeuge - von 345 000 im Jahr 1999 auf 178 000 im Jahr 2007 - gestoppt zu sein. 2008 wurden bereits wieder 187 000 Kfz mit der ASF über den Rhein geschippert.

Aus dieser Entwicklung ergibt sich die gute Nachricht: Mit den zunehmenden Beförderungen steigen auch die Einnahmen der Gesellschaft. Die reichen allerdings nicht aus, um die ebenfalls anziehenden Kosten für den Fährbetrieb komplett auszugleichen. Dazu zählen nicht nur die rapide gestiegenen Energiepreise, sondern in zunehmendem Maße auch die Reparaturkosten für die beiden inzwischen über 40 Jahre alten Fährschiffe "Christophorus" und "Konrad Adenauer".

Anlass genug für die Gesellschafter - die Stadt Bonn hält 75 Prozent der Anteile, die Stadt Königswinter 25 Prozent -, sich über die Anschaffung einer neuen, das heißt moderneren, schnelleren sowie energie- und damit umweltfreundlicheren Fähre Gedanken zu machen.

Das wiederum - und das ist die schlechte Nachricht - macht eine moderate Erhöhung der Fahrpreise erforderlich. Ein entsprechender Beschluss wurde bereits in der jüngsten Gesellschafterversammlung gefasst. Demnach werden ab 1. Juli die Einzelfahrscheine für Fußgänger (ab zehn Jahre) und Beifahrer um zehn Cent auf 1,10 Euro erhöht, Fahrräder zahlen dann 1,40 statt 1,30 Euro. Das Kombi-Ticket mit 40 Abschnitten verteuert sich von 15 auf 16 Euro und die Monatskarte für Fahrräder von 31 auf 33 Euro.

Die Ticketpreise für Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren bleiben hingegen stabil bei 40 Cent - als "familienfreundliche Komponente". Und auch die Fahrpreise für Kraftfahrzeuge (2,50 Euro) werden nicht angehoben. Damit soll verhindert werden, dass mehr Autofahrer als bisher den Umweg über die Konrad-Adenauer-Brücke nehmen. Im Übrigen weist die ASF darauf hin, dass sie sich mit der nun beschlossenen Tariferhöhung lediglich dem Preisniveau der konkurrierenden Rheinfähre Königswinter anpasse.

Von der Tariferhöhung erwartet die Geschäftsführung für die zweite Jahreshälfte 2009 einen Mehrertrag in Höhe von 14 000 Euro und, falls nicht noch unvorhergesehene Reparaturen anfallen, ein positives Jahresergebnis. Bei diesen Aussichten fällt den Gesellschaftern das Bekenntnis zum Weiterbetrieb der ASF, die jahrelang ums wirtschaftliche Überleben gekämpft hat, nicht mehr schwer.

Die Fährschiffe

Die ASF verfügt über zwei Schiffe, die "St. Christophorus" und die "Konrad Adenauer", beide Baujahr 1966/67. Ihre Kapazität liegt bei jeweils 250 Personen. Sie queren den Rhein im Fährverkehr innerhalb von fünf Minuten, sie können aber auch für private Feiern, Betriebsausflüge, Filmaufnahmen, Ausstellungen oder sportliche Veranstaltungen gemietet werden.

Kontakt: mo-do 8-16.30 Uhr, fr. 8-12.30 Uhr unter Telefon (02 28) 36 22 37 oder per E-Mail asfgmbh@web.de.