Norbert Weidner

Ex-Neonazi wehrt sich vor Gericht

BONN. Der Konflikt innerhalb der deutschen Burschenszene eskaliert. Nach einem heftigen Streit auf dem Burschentag in Eisenach vor knapp vier Wochen wird die Auseinandersetzung zwischen mutmaßlich rechtsextremen und liberalen Burschenschaftern nun auch die Bonner Justiz beschäftigen.

Im Zentrum steht dabei Norbert Weidner, der umstrittene Chefredakteur der Burschenschaftlichen Blätter, der Zeitschrift des Dachverbandes Deutsche Burschenschaft.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AP wehrt sich Weidner vor dem Landgericht dagegen, von einen anderem Mitglied seiner Studentenverbindung, der Raczeks zu Bonn, mit rechtsextremen Umtrieben in Verbindung gebracht zu werden.

Aus vorliegenden Dokumenten gehe hervor, dass Weidner versuche, eine Unterlassungserklärung gegen den Hamburger Christian Becker zu erwirken, meldet AP - einen Raczek, der Mitglied der Initiative "Burschenschafter gegen Neonazis" ist, die unter anderem den Blog Quovadisbuxe betreibt.

Seine Vorwürfe könne er anhand einer Vielzahl von Fakten, die die Initiative zusammengetragen habe, belegen. Das mache die "Sprengkraft dieses Verfahrens" aus, glaubt Becker. Da er Weidners Vorwurf einräume, müsse das Landgericht aus seiner Sicht darüber entscheiden, ob diese Aussage der Wahrheit entspreche.

Weidner steht schon seit längerem im Fokus der Kritik von liberalen Burschenschaftern. Auch auf dem diesjährigen Burschentag war er eine Reizfigur für viele von ihnen. Weidner war massiv in die Kritik geraten, weil er den NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer als Landesverräter bezeichnet haben soll. In dieser Sache ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachtes der Verunglimpfung Verstorbener.

Dass ausgerechnet Weidner in Eisenach als sogenannter Schriftleiter der Burschenschaftlichen Blätter wiedergewählt wurde, war für liberale Mitglieder der wertkonservativen Verbindungen ein weiterer Beleg dafür, wie sehr die Burschenszene von rechtsextremen Gedankengut unterwandert sei. Zu dem Rechtsstreit mit Becker wollten sich weder Weidner auf AP-Anfrage noch Vertreter der Deutschen Burschenschaft äußern. Auch für den GA war Weidner bisher nicht zu erreichen.

Der ehemalige Funktionär der 1995 verbotenen neonazistischen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP), beschäftigt auch die Bonner FDP. Er ist Mitglied der Partei, die nach Bekanntwerden der Vorwürfe im April ein Ausschlussverfahren gegen den 39-Jährigen, der schon mit 15 der rechtsextremen Wiking-Jugend beitrat, einleitete. Das Verfahren läuft noch.