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Ratssitzung in Bonn
Eklat um Jürgen Nimptschs Opern-Solo
Von Lisa Inhoffen und Thomas Kliemann
BONN. Für eine heftige Debatte im Bonner Stadtrat sorgte Donnerstagabend der Vorstoß von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch und seinem Kölner Amtskollegen Jürgen Roters für eine Opernfusion. Die Ratsmehrheit zeigte Nimptsch die rote Karte und forderte ihn auf, seine Unterschrift unter dem Prüfauftrag zurückzunehmen.
Erhielt in der Ratssitzung die Rote Karte: OB Jürgen Nimptsch.
Sie hätte so friedlich wie selten in dieser Ratsperiode enden können: Die letzte Sitzung 2012 des Bonner Stadtrates am Donnerstagabend. Doch der erneute Vorstoß von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD), eine Fusion mit der Oper Köln prüfen zu lassen, hatte in den Fraktionen für helle Aufruhr gesorgt. CDU, Grüne und FDP reagierten umgehend mit einem Dringlichkeitsantrag und pfiffen den OB zurück.
Sie forderten Nimptsch auf, seine Unterschrift unter den gemeinsam mit dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) unterschriebenen Auftrag für eine Machbarkeitsstudie zur Fusion der Opern von Köln und Bonn zurückzuziehen. Nimptsch solle seine "Alleingänge" zukünftig nicht mehr mit dem Amt des Oberbürgermeisters verknüpfen. Entscheidungen zur Zukunft der Bonner Kultur würden stattdessen auf der Grundlage des Kulturkonzeptes getroffen. Dem Antrag wurde mit Mehrheit zugestimmt.
"Wenn der Oberbürgermeister sich lächerlich machen will, ist das sein gutes Recht", sagte Dorothee Paß-Weingartz (Grüne). Aber er solle es sein lassen, das Ansehen der Stadt zu schädigen. Ins gleiche Horn stießen Klaus-Peter Gilles (CDU) und Werner Hümmrich (FDP): "Wir wollen den OB mit unserem Antrag wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen", erklärte Gilles.
Mit seinem erneuten Vorstoß zur Opernfusion konterkariere Nimptsch den runden Tisch, der sich mit dem Kulturkonzept befasse. Die SPD kritisierte zwar die Form des Antrags als "unverschämt". Inhaltlich war allerdings auch sie mit dem Vorgehen Nimptschs nicht einverstanden. "Wir möchten, dass der OB derzeit keine Gespräche mehr über eine Opernfusion führen soll", sagte Ratsherr Wolfgang Hürter.
Nimptsch verteidigte seinen Vorstoß. "Ich schlage Ihnen den Einstieg in die Prüfung eines Einsparvorschlags vor. Warum Sie ihn rundweg ablehnen, erschließt sich mir nicht", sagte er und machte deutlich, dass er sich keinen Maulkorb umhängen lasse.
Während in Bonn die Wellen hochschlugen, fiel in Köln das Projekt Opernfusion wie ein Kartenhaus zusammen. OB Jürgen Roters ruderte zurück. "Die ganze Sache war wohl nicht so gut kommuniziert", räumte er ein und fügte hinzu: "Der Impuls, der Druck kam aus Bonn." Und weiter: "Von einer Machbarkeitsstudie kann überhaupt keine Rede sein. Ich bin allerdings der Auffassung, dass bei einem so komplexen Thema der Expertenrat so früh wie möglich den Verantwortlichen zur Verfügung stehen sollte."
Der Experte für die Fusions-Prüfung, Philharmonie-Intendant Louwrens Langevoort, ging auf Distanz. Langevoort nannte das Ganze wörtlich ein "Mistverständnis" und meinte: "So wie das ganze Vorhaben formuliert ist, stehe auch ich nicht zur Verfügung. Man soll ohnehin nicht fusionieren, sondern die Vielfalt erhalten." Stephen Harrison habe schon abgesagt, berichtete Langevoort. Harrison, Düsseldorfs Operndirektor, wurde als zweiter Fusions-Experte von Nimptsch nominiert.
Auch das zweite Problemfeld dieser Tage, die Kontroverse zwischen Vertretern des Sports und der Initiative Pro-Sportstadt-Bonn (PSB) auf der einen Seite und Vertretern der Kultur auf der anderen Seite, beschäftigte Rat und Stadtspitze. Der aufgeheizten Stimmung begegnete Nimptsch zunächst per Pressemitteilung mit einem Appell zur Sachlichkeit in der Diskussion um die Förderung von Kultur und Sport.
In der Ratssitzung griff er die "Hochkultur" scharf an und warnte sie, den Sport "in die braune Ecke zu stellen". Dann sei "Schluss mit lustig" und ein Bürgerentscheid werde über die Zukunft der Oper hinwegrauschen, sagte er. "Sie wollen nicht nur die Fusion, sondern auch die Eskalation", konterte Gilles (weitere Stellungnahmen der Ratsmitglieder siehe "Im O-Ton").
Artikel vom 14.12.2012
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