Ein geistliches Gasthaus für alle Bonner

29.12.2011 BONN. Bischof Matthias Ring weiht an Neujahr den neuen Altar und die Glocken der renovierten Namen-Jesu-Kirche.

Gotik, Barock und Romantik: Die Namen-Jesu-Kirche an der Bonngasse zählt im Rheinland zu den schönsten Gotteshäusern. Und die vielschichtige Architektur zog schon viele Besucher in ihren Bann. Doch seit mehr als zwei Jahren sind die schweren Kirchentüren verschlossen. Nur Handwerkern, Architekten und einigen wenigen Gemeindemitgliedern ist der Zutritt erlaubt. Der Grund für die Schließung: 2009 entschied das Land NRW, die Namen-Jesu-Kirche für 5,7 Millionen Euro von Grund auf zu sanieren.

In einem halben Jahr wird das Gotteshaus als Kathedralkirche und Bischofssitz dem Bistum der Alt-Katholiken dienen. Doch bevor die Namen-Jesu-Kirche am 2. Juni offiziell eröffnet wird, muss noch im Inneren Hand angelegt werden. Fassade, Dach, Türme, Kanzel und Altäre erstrahlen bereits in neuem Glanz, auch das Innere der Kirche zeigt sich in frischen Farben: Blau, Weiß und Gold. Aber es gibt noch viele Kleinigkeiten, die zu erledigen sind. Nach Abschluss der Arbeiten will Pfarrerin Henriette Crüwell das Gebäude vor der Eröffnung zur Ruhe kommen lassen und den Betrieb ganz langsam wieder aufnehmen.

"Es ist eine spannende Zeit. Unser Projekt 'Gastfreundliche Kirche' muss jetzt nach und nach mit Leben erfüllt werden. Die Kirche in der Mitte Bonns soll sich nämlich zu einem geistlichen Gasthaus an den Wegen der Menschen entwickeln", sagt Crüwell. Ein Begegnungscafé ist im "Hof des Lebens" geplant.

Dort wollen die Alt-Katholiken mit jungen Menschen und Familien ins Gespräch kommen. Zum Thema Bestattung bieten die Alt-Katholiken auch etwas Neues an: Im Tonnengewölbe unter der Kirche können sich demnächst Bonner aller Konfessionen mitten in der City bestatten lassen. Die Gruft bietet Platz für 1000 Urnen.

Eine erste Bewährungsprobe steht der Namen-Jesu-Kirche diesen Sonntag bevor. Am Neujahrstag wird Bischof Matthias Ring ab 12 Uhr die drei neuen Kirchenglocken des Südturms und den neuen Altar weihen. Im Anschluss an das Pontifikalamt gibt es für alle Kirchenbesucher Glühwein.

Den Altar hat der aus Bad Godesberg stammende Bildhauer Klaus Simon aus der "Dicken Eiche" geformt. Bonns bekanntester Baum war im vergangenen Winter unter der Eis- und Schneelast plötzlich zusammen gebrochen.

Simon schnitt ein 1,50 Meter breites Holzstück aus dem etwa 300 Jahre alten Stamm und schnitzte daraus in seinem Waldatelier am Röttgener Jägerhäuschen einen Altar, einen Ambo, einen Osterleuchter, acht Sedilien (Hocker), eine Kathedra (Bischofssitz), drei Schalen und einen Gabentisch (Kredenz). Diese sakralen Teile aus heimischem Holz gestalten demnächst den Freiraum vor den Stufen im Inneren der Kirche. Ab 1. März will Pfarrerin Crüwell die Namen-Jesu-Kirche täglich von 11 bis 14 Uhr für die Bonner öffnen. In dieser Zeit soll immer von 12 bis 13 Uhr ein Gebet der Stille stattfinden.

Die Stiftung Namen-Jesu-Kirche, die den Unterhalt der Kirche künftig finanziert, lädt für den 2. Juni zur offiziellen Wiedereröffnung des Gotteshauses ein. "In Zeiten, in denen Kirchengebäude eher verkauft werden, ist es uns eine große Freude, die renovierte Namen-Jesu-Kirche den Bonnern zurück zu geben", erklärt Crüwell.

Im Anschluss an den Festgottesdienst (Beginn 11 Uhr) wird eine große Festtafel aufgebaut, die vom Kircheninneren bis in die Bonngasse reichen wird. "Wir laden dort die Bürger zu einer Brotzeit ein", so die Pfarrerin. Abgerundet werden die Feierlichkeiten mit einer Podiumsdiskussion zum Thema "Gastfreundliche Kirche", an der auch die Bonner Gastronomin Sonja Reul teilnehmen wird. (Holger Willcke)