Ein Schrank für ausgesetzte Bücher

Die Bürgerstiftung Bonn eröffnet in den kommenden Tagen zwei weitere Freiluft-Bibliotheken

Bonn. Im offenen Bücherschrank standen am MIttwoch Johannes Mario Simmels "Die Antwort kennt nur der Wind", Fantasy-Romane und ein Straßenatlas aus dem Jahr 1974 friedlich nebeneinander. Oben auf einem Stapel "Spiegel"-Hefte prangte der zeitlose Titel "Wohlstand Adé!", die Zeitschrift selbst war von 1993. Heute kann es hinter den gläsernen Schranktüren an der Poppelsdorfer Allee schon ganz anders aussehen.

Jeder darf herausnehmen und hineinstellen, war ihm gefällt. "Ich finde, das ist eine grandiose Idee, weil es mir leid tut, die Bücher wegzuschmeißen", sagte Maria Lautenbach. Sie bringt eher hin, andere kommen vor allem, um Bücher mitzunehmen. "Der Schrank ist wirklich klasse", findet auch Eva Duckwitz. Sie hält Ausschau nach Kochbüchern und ist auch schon fündig geworden.

Die Bürgerstiftung Bonn Die Bürgerstiftung Bonn wurde Ende 2001 auf Initiative der Sparkasse gegründet. Sie bündelt das private finanzielle Engagement vieler Bürger und leitet es gezielt in Projekte, die für das Gemeinwohl eine Lücke schließen - nach dem Motto "von Bonnern für Bonner". Engagieren kann man sich nicht nur mit Geld, sondern auch mit Zeit und Ideen. Mehr, unter anderem Informationen für Stifter, gibt es im Internet auf www.buergerstiftung-bonn.de.

Vor fünf Jahren wurde an der Poppelsdorfer Allee auf Initiative der Bürgerstiftung Bonn der erste offene Bücherschrank enthüllt. Seither ist das "Gemeinschaftsmöbel" jeden Tag gut frequentiert. So ist auch das signierte Buch "Unverzagt und unverblümt", das Norbert Blüm bei der Eröffnung reinstellte, längt mit unbekanntem Ziel verschwunden.

Die Bürgerstiftung hatte seinerzeit einen Ideenwettbewerb veranstaltete: Die Einsendung von "Ideenstifterin" Trixy Royeck belegte einen zweiten Platz. Bereits an drei Stellen in der Stadt hat das Buch inzwischen seinen öffentlichen Auftritt, nämlich auch in der Bücherstube auf den Godesberger City-Terrassen und am Beueler Rheinufer. An diesem Freitag wird der nächste Bücherschrank auf dem Gelände der ehemaligen Zementfabrik an der Rohmühle in Beuel eingeweiht. Eine Woche später bekommt der Stadtbezirk Hardtberg einen, mitten in Duisdorf am Schickshof.

"Wir haben damals festgestellt, dass es keine Schränke für draußen gibt", berichtet Jürgen Reske, Geschäftsführer der Bürgerstiftung Bonn. Pionierarbeit war gefragt. Beim ersten Modell schlug der Wind leicht die Türen auf, und die Böden konnten reißen. Hans-Jürgen Greve, Möbelbauer, Architekt und Designer in Düsseldorf, hat deshalb die Bonner Bücherschrankidee weiterentwickelt. "Die Türen sind jetzt sehr viel stabiler und schließen selbst", erklärt Greve.

Kannten hat er so versetzt, dass Kinder sich nicht die Finger quetschen können. Die neuen Regalböden sind aus Einscheibensicherheitsglas, das Temperaturen von bis zu 400 Grad aushält und biegefest ist. Als Greve von dem Bonner Projekt erfuhr, war er sofort begeistert: "Auf Plätzen kann so etwas wie ein Magnet wirken. Das ist städtebaulich sehr spannend."

Die Idee Bücherschrank verbreitet sich inzwischen bundesweit. Fast jede Woche erreicht die Bürgerstiftung ein Anruf von jemandem, der das Projekt in seiner Stadt starten will. Die beiden Schränke, die jetzt aufgestellt werden, sollen in Bonn nicht die letzten sein. Die Bürgerstiftung plant laut Reske, auch im ehemaligen Regierungsviertel und in der Altstadt solche Treffpunkte für Bücherfreunde zu schaffen.

Zunächst lädt die Bürgerstiftung aber alle ein, an diesem Freitag um 15 Uhr mit einem Buch zur Rohmühle zu kommen, um es zur Eröffnung in den neuen Schrank zu stellen. Ob Simmel oder Goethe, bleibt jedem selbst überlassen.