Ein Priester, der Arzt werden wollte

Bei der offiziellen Amtseinführung von Pater Innocent ist auch Dechant Wolfgang Picken (rechts) dabei.

BAD GODESBERG. Ursprünglich wollte Pater Innocent Lyimo eigentlich etwas ganz anderes werden. Arzt stand auf seiner Berufswunschliste ganz oben. "Ich wollte Menschen helfen. Und ich habe gedacht, dass das als Arzt sehr gut funktioniert", sagt der 49-Jährige. Dann allerdings kam etwas dazwischen: die Angst vor Spritzen. Und operieren wollte er eigentlich auch nicht. "Also habe ich mir überlegt, wie ich sonst meinen Mitmenschen helfen kann." Die Antwort: als Missionar.

Seine Gemeindemitglieder werden froh sein, dass er sich schließlich für diesen Weg entschieden hat. Einige Jahre lang wirkte er im Seelsorgebereich Am Ennert, seit dem 1. Dezember ist die Gemeinde Sankt Marien und Sankt Servatius seine neue Heimat.

Pater Innocent ist viel herumgekommen: Geboren in Tansania ("Ich habe nicht so viele Geschwister, »nur« neun."), besuchte er dort und in Kenia die Universität. "Ich habe viele Sachen studiert." Philosophie und Theologie waren seine Steckenpferde. 1992 in Tansania zum Priester geweiht, ging es in die USA, nach Holland und nach Tschechien. Vor sieben Jahren dann zog er nach Deutschland. Die erste Station war Troisdorf.

In Deutschland wollte er promovieren, weshalb die halbe Stelle Am Ennert genau richtig kam. Doch dann wurde Pfarrer Kurt Padberg krank und starb. "Ich bin eingesprungen. Das habe ich sehr gerne gemacht", sagt Pater Innocent. Aber die Dissertation lag erst mal auf Eis.

Das soll sich jetzt ändern. "Das Erzbistum und Dechant Picken unterstützen mich sehr darin." Wie berichtet, ist die Versetzung von Pater Innocent nach Bad Godesberg Teil der Personalrochade des Erzbistums. Es gab Unruhe, denn die Beueler Gläubigen wollten nicht auf ihren Pater verzichten.

Er habe sehr gerne in Beuel gearbeitet, freue sich aber sehr auf seine neuen Aufgaben. "Es ist jetzt ein neuer Ort. Ich habe keine Angst. Ich bin bereit." Natürlich habe er die Gemeindemitglieder Am Ennert ins Herz geschlossen.

"Aber ich darf nicht egoistisch sein. Ich habe keinen Grund zu sagen, dass ich traurig bin. Man findet fast überall ein Zuhause. Und ich fühle mich hier sehr gut aufgenommen." Was ihn beruhige, sei, dass seine Beueler Schäfchen mit den indischen Patres glücklich seien. "Das schenkt mir Freude. Da kann ich beruhigt gehen."

Und seine Hobbys kann er auch in Godesberg ausleben. Lesen zum Beispiel. Pater Innocent liest alles - von der wissenschaftlichen Arbeit bis zum Roman. Am liebsten aber sind ihm philosophische Arbeiten. Sport steht auf seiner Liste auch ganz weit oben. Joggen zum Beispiel. "Ich bin begeisterter Marathonläufer."

Seine Bestzeit kann sich sehen lassen: 2 Stunden und 29 Minuten. "Ich habe ja nur eine kleine Kapelle, keine große Kathedrale", sagt Pater Innocent und klopft lächelnd auf seinen flachen Bauch. Neben Marathon ist Fußball seine sportliche Leidenschaft. Eine Lieblingsmannschaft hat er zwar nicht. Aber eins gilt: "Wenn deutsche Mannschaften international spielen, dann drücke ich ihnen die Daumen."