12. Bonner Mediationstag

Ein Konflikt, zwei Gewinner

Seit 2013 bietet Iris Ollech Streitenden Hilfe an. FOTO: FROMMANN

Seit 2013 bietet Iris Ollech Streitenden Hilfe an.

BONN. Beim 12. Bonner Mediationstag mit Vorträgen und Workshops geht es um Spielregeln für den Streitfall.

Stunk am Gartenzaun: Vom Komposthaufen aus weht tagtäglich ein faulig-muffiger Geruch herüber - und das stinkt den Nachbarn ganz gewaltig. "Unerträglich" schimpft er und verlangt, dass das übel riechende Ärgernis verschwindet. Ein Wort gibt das andere, schnell hat sich ein handfester Streit daraus entwickelt. Zwar kann man solch einen Konflikt vor Gericht austragen, doch "dann gibt es immer einen Gewinner und einen Verlierer", weiß Iris Ollech nur allzu gut. Und: "Es wird meist ziemlich teuer."

Seit 2013 bietet sie als Mediatorin Hilfe in Streitfällen an. "Ich will erreichen, dass die Beteiligten persönlich in Kontakt bleiben und sich wieder in die Augen sehen", erklärt die Pädagogin und Journalistin. Denn die Mediation strebe einen Interessenausgleich an, bei dem sich beide Parteien im besten Fall als Gewinner sehen. Unter dem Motto "Mediation konkret" trafen sich jetzt die Mitglieder der Regionalgruppe Bonn/Rhein-Sieg zum Gedankenaustausch. Anhand von Vorträgen und Workshops wurde beim 12. Bonner Mediationstag gezeigt, wie man konstruktiv mit Problemen umgeht.

Zank und Zoff gehören zum täglichen Leben dazu. Sie können manchmal aber auch Impulse für notwendige Veränderungen geben. Leichter gelöst werden Kontroversen allerdings, wenn ein unbeteiligter Dritter eingebunden wird. Doch Iris Ollech bietet keine Lösung an. "Wir geben den Parteien lediglich den Raum, ihren Standpunkt darzulegen. Es hilft oft schon, den anderen einfach ausreden zu lassen, um eine neue Sicht auf das Problem zu bekommen", so die Mediatorin. Sie legt am Anfang nur die "Spielregeln" für das Gespräch fest, eine Lösung müssen die beiden "Streithähne" selbst finden.

Dabei darf sie sich jedoch nicht von dem Konflikt berühren lassen. "Ein Mediator muss allparteilich sein. Er wendet sich beiden Seiten gleichermaßen zu", so Ollech. Allerdings sei ein Mediator auch kein Psychotherapeut. Denn wenn der Ärger zu lange geschwelt hat und die gegenseitigen Verletzungen zu tief sitzen, dann gelingt eine Vermittlung nicht. Schwierig wird es zudem, wenn Druck auf eine Person ausgeübt wurde und sie nicht freiwillig gekommen ist.

Mediatoren bieten ihre Hilfe in fast allen Fällen an: bei Ehe- und Familienstreitigkeiten, Problemen im Schulumfeld, bei Nachbarschaftskonflikten oder Ärger am Arbeitsplatz. Zwar muss Iris Ollech bei ihrer Arbeit neutral bleiben, aber: "Es wäre für mich schwer, unparteiisch zu bleiben, wenn es um ein Familienproblem geht, bei dem Gewalt im Spiel ist", so die Pädagogin.

Nicht jeder kann sich allerdings Mediator nennen. In einem berufsbegleitenden Fernstudium oder einer zertifizierten Ausbildung über mehrere Monate hinweg müssen sich die Interessenten für diese Arbeit qualifizieren. Und die Erfolgsquote ist beachtlich: In 70 bis 80 Prozent der Fälle einigen sich die Parteien.

Da es keine feste Gebührenordnung gibt, wird per Stundensatz abgerechnet. Bei einem typischen Nachbarschaftsstreit reichen zwei bis vier Sitzungen bei Stundensätzen zwischen 80 und 150 Euro. Die Kosten werden von beiden Beteiligten getragen. Aber, und das ist Iris Ollech ganz wichtig: "Die Kontrahenten müssen eine Lösungen selbst entwickeln."

Netzwerk Mediation Bonn/Rhein-Sieg

Seit 2002 bietet die Regionalgruppe Mediation Bonn/Rhein-Sieg Ratsuchenden ein Netzwerk von Mediatoren aus unterschiedlichen Berufsbereichen, zum Beispiel Juristen, Psychologen, Pädagogen, Ärzten, Ingenieuren und Ökonomen.

Durch ihre unterschiedlichen Kompetenzen bieten sie Mediationen in vielen verschiedenen Lebensbereichen an. Von anfangs vier Mitgliedern ist die Regionalgruppe Bonn/Rhein-Sieg auf mittlerweile fast 90 angewachsen. Unter www.bonn-mediation.de können Interessierte Kontakt zu einem Mediator in der Nähe aufnehmen.