Eckiger Tisch fordert Rücktritt Schneiders

BAD GODESBERG. Kontroverse zwischen von Missbrauch Betroffenen und dem ehemaligen Rektor des Bad Godesberger Aloisiuskollegs, Pater Theo Schneider.

Der Eckige Tisch, die bundesweite Gruppe von Missbrauchsopfern an Jesuiteneinrichtungen, fordert den Rücktritt von Pater Theo Schneider von seinem neuen Amt des Jesuitenoberen in Göttingen. Der 64-jährige Jesuit war bis 2010 über lange Jahre Internatsleiter und Rektor am von Übergriffsfällen erschütterten Aloisiuskolleg (Ako) gewesen.

In einer Pressemeldung zieht Gruppensprecher Matthias Katsch nun die jüngsten Äußerungen Schneiders in Zweifel. Der Pater habe bei Amtsantritt erwähnt, in Diskussionsveranstaltungen eigene Fehler im Zusammenhang mit Missbrauchsfällen am Ako eingeräumt zu haben. Er habe gesagt, die Betroffenen immer wieder um Verzeihung gebeten zu haben. Es sei ein gravierender Fehler von ihm gewesen, nicht früher, lauter und rigoroser eingeschritten zu sein, so Schneider in Göttingen.

Der Pater suggeriere hier, sich im Austausch mit Betroffenen zu befinden, dabei halte er genau das für überflüssig, kritisiert Katsch. Es habe keine Treffen gegeben. Auch von Diskussionsveranstaltungen sei der Gruppe nichts bekannt. Es sei auch eine Falschaussage, dass Schneider bezüglich der Missbrauchstaten durch seinen Ordensbruder am Ako in irgendeiner Weise eingeschritten sei.

Warum ziehe weder der Orden noch der Pater selbst die Konsequenz aus seinem jahrzehntelangen Versagen als Führungskraft? Die Jesuiten würden das falsche Signal in die Öffentlichkeit senden. "Als hätte es keinerlei Folgen, wenn das Herabwürdigen und Missbrauchen von Kindern von einem Verantwortlichen übersehen oder stillschweigend geduldet wird", so Katsch.

Pater Theo Schneider selbst nennt die Stellungnahme der Opfergruppe auf Anfrage "teilweise falsch, jedenfalls unvollständig und in der Bewertung tendenziös". Er und auch der Orden hätten zum Sachverhalt und zu entsprechenden Interpretationen in der Vergangenheit wiederholt Stellung genommen. "Eine weitere Stellungnahme erübrigt sich", meint der heutige Göttinger Jesuitensuperior.

 Ohnehin könnten seine Äußerungen bei Amtsantritt in Göttingen vor fünf Wochen "nicht mehr als aktuell bezeichnet werden." Eine aktuelle Einschätzung gibt Pater Schneider in seiner Antwort dem GA gegenüber aber wiederum nicht. Er habe seinen Aussagen "nichts hinzuzufügen".