Dreharbeiten zu TV-Zweiteiler über Leben von Udo Jürgens in Rüngsdorf

Dreharbeiten zu TV-Zweiteiler über das Leben von Udo Jürgens in der ehemaligen britischen Residenz

Rüngsdorf. Der junge Udo Jürgen Bockelmann besucht seinen Onkel in dessen prachtvoller Villa am Hamburger Elbufer. Bockelmann ist Generaldirektor der BP Deutschland, Jung-Udo noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt.

Das wird sich in den folgenden Jahren ändern. Schnitt. David Rott unterhält sich mit Herbert Knaup auf der Terrasse der ehemaligen britischen Residenz. Rott ist Udo Jürgens, Knaup ist Erwin Bockelmann - und der Rhein die Elbe. Klappe. Eine weitere Szene des ARD-Zweiteilers "Der Mann mit dem Fagott" ist im Kasten.

Mittwochabend gingen die Dreharbeiten an diesem Schauplatz zu Ende. Bis dahin hat das 50-köpfige Produktionsteam der Berliner Ziegler Film GmbH&Co. KG den Rheinufer-Abschnitt zwischen Rheinhotel Dreesen und Heisterbachstraße zwei Tage lang fest in der Hand. Jogger und Spaziergänger laufen vorbei an einer langen Fahrzeug-Kolonne. Zwei Doppeldeckerbusse, mehrere zur Schauspieler-Garderobe umfunktionierte Mini-Transporter und ein Catering-Thekenwagen stehen wie an einer Perlenschnur gezogen auf der Promenade.

Im Hof der ehemaligen Botschaftsresidenz parken Lkws, vollgestopft mit Technik und Requisiten. Und drinnen geben die Schauspieler und Statisten alles. Fast ohne Pause. Zeit ist Geld im Filmgeschäft. Ungeladene Beobachter sind unerwünscht und stören nur.

Im September haben die Dreharbeiten zu dem Zweiteiler in Wien begonnen. In den vergangenen sechs Wochen war das gesamte Team in Tschechien. Udo Jürgens, inzwischen 76 Jahre alt, war keineswegs "niemals in New York". Das trifft auch auf Bonn zu. Zuletzt war er 2002 zu einem Konzert auf dem Museumsplatz zu Gast. Zu den Dreharbeiten kommt er jetzt allerdings nicht.

Er wird erst Anfang Dezember in Köln vor der Kamera stehen. Vorlage für den Zweiteiler ist der 2004 erschienene autobiografische Roman "Der Mann mit dem Fagott", in dem Udo Jürgens, gemeinsam mit Co-Autorin Michaela Moritz, die Geschichte der Familie Bockelmann und die seines eigenen Lebens erzählt.

Dabei spannt sich der Bogen vom Glanz der Zarenzeit über die Russische Revolution und die beiden Weltkriege bis hin zum Kalten Krieg und dessen Ende mit dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989. Regie führt Miguel Alexandre, zur Besetzung gehören neben Rott und Knaup noch Christian Berkel, Ulrich Noethen und Valerie Niehaus. Die Ausstrahlung der Familiensage ist für Herbst 2011 im Ersten und im ORF geplant.

Familientreffen. Die Rhein-Terrasse ist mit Lichtergirlanden geschmückt. Fünf Grad Außentemperatur. Schauspieler und Filmcrew kämpfen gegen die Kälte. Atemschwaden. Bei einer Sommerparty? Das geht gar nicht. Für diesen Fall hat die Requisite ein bewährtes Hausmittel im Gepäck. Producer Mark Müller-Kaldenberg nennt es "das Letzte". Eiswürfel. Die Schauspieler lutschen sie. Der Atem ist nicht zu sehen.