Festivals in Bonn

Der Klang von Stadt und Welt

Bonn. Die nächsten Festivals in Bonn: Bei den Stadtgartenkonzerten und der Stadtmusik gibt es Rock, Pop und Blues. Es mischen sich auch afrikanische Klänge darunter. In Bonn ist nichts los? Von wegen.

Nach dem KunstRasen- und noch während der laufenden Sommerfestival-Saison in den Rheinauen steht nun mit den kostenfreien Stadtgartenkonzerten am Alten Zoll das nächste Festival in den Startlöchern. Vom 8. August bis 5. September bestimmt es das musikalische Profil der Bundesstadt. An elf Tagen wird dort vor allem jungen, eher unbekannten Künstlern eine Plattform geboten.

Nachdem der Kulturausschuss im April die wegen der Spardiskussion eingefrorenen Gelder freigegeben und sich einstimmig für die Fortführung der Veranstaltungsreihe ausgesprochen hatte, hat der Bonner Rock- und Pop-Beauftragte Hans-Joachim Over in Kooperation mit verschiedenen Partnern ein Programm auf die Beine gestellt, das vielseitiger kaum sein kann. Alle Stilarten sind vertreten: Rock, Pop und Chanson ebenso wie Gypsy-Hardcore, irischer Folk und westafrikanischer Ngoni-Blues.

Insbesondere der Auftritt von Bassekou Kouyaté am 22. August gilt als einer der Höhepunkte. Der Mann aus Mali, der als Meister der Langhals-Spießlaute Ngoni und als Modernisierer der traditionellen Musik seiner Heimat gilt, verschmilzt diese Klänge mit Rock und Blues und hat dabei einen beträchtlichen Erfolg. Fatboy Slim, Dee Dee Bridgewater und Taj Mahal loben ihn in den höchsten Tönen, gleiches gilt für die Kritiker, die von dem innovativen Ansatz Kouyatés sehr angetan sind. Statt üblicherweise drei oder vier Saiten nutzt er bis zu sieben, die zudem unterschiedlich gestimmt werden.

Für die malische Griot-Musik, in der die Ngoni seit Jahrhunderten ihren Platz hat, ist dies eine Revolution. Aber eine, die funktioniert: Seinen Plan, die afrikanische Musik und Kultur dem größtmöglichen Publikum näherzubringen, hat Bassekou Kouyaté in diesem Jahr bereits mit einer recht erfolgreichen Europa-Tournee in die Tat umgesetzt. Nun kommen er und seine Band dank der Förderung durch das Institut français also zum Alten Zoll. "Er ist momentan unheimlich gefragt", sagte Francoise Rétif vom Institut français, das das Konzert unterstützt, "aber er war auch sehr daran interessiert, hier in Bonn aufzutreten."

Stadtgartenkonzerten  und der Stadtmusik

Ohnehin ist die Internationalität ein nicht zu unterschätzender Faktor bei den diesjährigen Stadtgartenkonzerten: Frankie Gavin, seit 2010 der schnellste Fiddle-Spieler der Welt und Mitbegründer der Irish-Folk-Gruppe De Danann, kommt zusammen mit dem Gitarristen Colm O' Caoimh ebenso nach Bonn wie die Schottenrocker von Break the Butterfly um den Red Hot Chili Piper Cameron Barnes.

Dazu stoßen deutsche Bands, die Einflüsse aus der Weltmusik erkennen lassen, etwa die Formation Banda Senderos, die Cumbia und Reggae miteinander verschmilzt, oder die zehnköpfige Gypsy-Hardcore-Band Skurilli, die in der Regel mit einem eigenen Tanzbären auftritt.

Auch beim Straßenmusikfest, das am 15. August an mehreren Orten in der Bonner Innenstadt stattfinden soll, sind mit dem faszinierenden türkischen Indie-Folk von Kent Coda oder dem rumänischen Jazz von Bukarest Bohème ungewohnte, aber zugleich äußerst reizvolle Klänge zu vernehmen. "Das wird auf jeden Fall ein sehr spannender und abwechslungsreicher Tag", sagt Organisator Over. "Die Jazztube spielt in den U-Bahn-Stationen Universität/Markt und Hauptbahnhof/Thomas-Mann-Straße. Die Musikstation präsentiert junge Bands im Klanggrund, und auch an Bottlerplatz und Markt wird gespielt. Abends geht es dann in den Stadtgarten. Und wer danach immer noch nicht genug hat, kann auf der MS Beethoven die After-Show-Party besuchen."

Aber auch abseits dieses Festtages spielen die lokalen, regionalen und nationalen Nachwuchskünstler bei der Veranstaltungsreihe eine große Rolle. Kein Wunder, immerhin gibt es mit dem den Toys2Masters-Bandcontest ausrichtenden Musiknetzwerk sowie dem Popcamp des Deutschen Musikrats zwei Organisationen als Partner, die auf einen immensen Pool an aufstrebenden Bands zurückgreifen können.

Peanutbutterspiritlover überzeugten bei Wettbewerben

Dazu gehören etwa Peanutbutterspiritlover aus Königswinter, die in den vergangenen drei Jahren mit ihren poetischen deutschen Texten und dem schönen Indie-Gitarren-Pop nicht nur bei Toys2Masters, sondern auch bei anderen Wettbewerben überzeugen konnten. Oder die Punkrocker der Taubengang, die früher als The Pigeons firmierten und von sich selbst sagen, dass sie vielleicht nicht die besten Musiker sind, dafür aber jede Menge Spaß haben.

Auch Singer-Songwriter Tilman Ringer, der im vergangenen Jahr den Toys2Masters-Wettbewerb gewonnen hat, ist mit dabei und freut sich schon sehr auf sein Konzert am Alten Zoll. "Die Kulisse wirkt einfach sehr entspannend, und ich hoffe, dass alle Künstler das genießen können", sagt der 21-jährige Bad Hönninger. Zumal jeder Auftritt bei der Weiterentwicklung hilft. "Ich bin inzwischen viel vertrauter mit der Bühne geworden und kann daher versuchen, immer mehr Leute mit meiner Musik-Euphorie anzustecken und sie in die Show zu integrieren."

Auch zwei Theatertage sind eingeplant

Zusammen mit der von Konstantin Wecker geförderten Cynthia Nikschas wird Ringer den Abschluss der Stadtgartenkonzerte zelebrieren: "Das wird super. Cynthia kenne ich noch nicht persönlich, aber was ich bisher gehört habe, finde ich äußerst geistreich und belebend."

Erstmals besteht das Programm übrigens nicht nur aus Musik-Acts - auch zwei Theatertage sind eingeplant. An dem einen spielen Studierende und Absolventen der Alanus-Hochschule eine Satire über einen in einem Desaster mündenden Abend, an dem anderen findet am Alten Zoll die bekannte offene Bühne "Kunst gegen Bares" statt.

Diese Öffnung des Konzepts ist ein interessantes Experiment. Bleibt nur zu hoffen, dass dabei wie auch an allen anderen Tagen sowohl Wetter als auch Publikum mitspielen. Tolle Musik, umsonst und draußen, das sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen.

Das Programm der Stadtgartenkonzerte und Stadtmusik

Sa, 8. August

  • 19 Uhr Skurilli
  • 20 Uhr Banda Senderos

So, 9. August

  • 15 bis 20 Uhr Beats auf Rädern (1. Mobile Soundsystem Festival)

Fr, 14. August

  • 19 Uhr Van Holzen
  • 20.30 Uhr Blackout Problems

Sa, 15. August

  • ab 14 Uhr Straßenmusik-Fest (Klanggrund, Bottlerplatz, Markt)
  • 19 Uhr Trio Coucou
  • 20.30 Uhr Strandlichter

Fr, 21. August

  • 19 Uhr Break the Butterfly
  • 20.30 Uhr Frankie Gavin & Colm O'Caoimh

Sa, 22. August

  • 19 Uhr Beathoven
  • 20 Uhr Bassekou Kouyaté

Mi, 26. August

  • 18 Uhr Theater am Mittwoch: Benefiz (Alanus Hochschule)

Fr, 28. August

  • 19 Uhr Do Something Projekt
  • 20 Uhr Memories of July
  • 21 Uhr Heldenviertel

Sa, 29. August

  • 18.30 Uhr Ju & Me
  • 19.25 Uhr Peanutspiritlover
  • 20.20 Uhr Taubengang
  • 21.15 Uhr Godswill

Mi, 2. September

  • 18 Uhr Kunst gegen Bares

Fr, 4. September

  • 19 Uhr Toi et Moi
  • 20 Uhr Antiquariat

Sa, 5. September

  • 19 Uhr Tilmann Ringer
  • 20 Uhr Cynthia Nikschas & Friends