Beethovenhallen-Gelände

Denkmalamt drängt auf Entscheidung der Stadt

Auf welchem Teil der Außenanlagen ein Festspielhaus gebaut werden könnte, ist derzeit noch völlig unklar.

BONN. Das Amt für Denkmalpflege im Rheinland will es wissen: Innerhalb der nächsten Wochen erwartet Landeskonservatorin Andrea Pufke eine Entscheidung der Stadt Bonn darüber, ob das Außengelände der Beethovenhalle unter Denkmalschutz gestellt wird.

"Wir haben die Stadt jetzt noch einmal aufgefordert, sich dazu zu äußern", sagte sie. Wird das Gelände in die Baudenkmalliste aufgenommen, hat das starken Einfluss auf die Diskussion um ein mögliches Festspielhaus neben der Beethovenhalle.

Schon vor knapp drei Jahren hatte Pufkes Behörde, die zum Landschaftsverband Rheinland gehört, einen entsprechenden Antrag gestellt: Alle Flächen zwischen Rheinufer, Theaterstraße, Welschnonnenstraße und Wachsbleiche sollen Baudenkmal werden - also Wiesen, Parkplatz und die "vorgelagerte Rheinufergestaltung".

Die Außenanlagen waren vom Beethovenhallen-Architekten Siegfried Wolske konzipiert und von dem renommierten Gartenarchitekten Heinrich Raderschall planerisch umgesetzt worden. "Die Gestaltung ist typisch für die späten 50er Jahre, und die Außenanlagen bilden eine Einheit mit der denkmalgeschützten Beethovenhalle", betont die Landeskonservatorin.

Die Untere Denkmalbehörde in Bonn sieht das offenbar genauso: Die nötigen Schritte für den Eintrag in die Denkmalliste seien eingeleitet, hatte das städtische Presseamt diese Woche mitgeteilt. Ob der Denkmalschutzstatus einen Festspielhaus-Neubau auf dem Außengelände überhaupt zulassen würde, will Landeskonservatorin Pufke noch nicht bewerten. Es lägen ja noch keine konkreten Planungen vor. "Denkmalschutz schließt jedenfalls nicht aus, einen Antrag zu stellen. Ob dieser denkmalgerecht ist, wird man dann sehen", erklärte Pufke.

Sie sei optimistisch, dass gemeinsam mit der Stadt Bonn eine Lösung gefunden werden könne. Dass Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch sie am Montag telefonisch über die neuen Festspielhaus-Pläne informiert hat, wertet die Landeskonservatorin als "positives Signal". Gemeinsam mit der Deutschen Post DHL hatte Nimptsch vorgeschlagen, als Alternativstandort zur Rheinaue einen Festspielhaus-Neubau neben der Beethovenhalle zu prüfen - auf welchem Teil des Geländes, lassen beide Seiten noch offen.

Die Post stellt in Aussicht, einen Architektenwettbewerb auszuloben. Nachdem der Stadtrat den Vorstoß bereits einhellig begrüßt hat, wollen CDU und Grüne das Thema nächste Woche im Kulturausschuss diskutieren. Die Koalition will eine "schnelle Abklärung denkmalschutzrechtlicher Fragen".

Die Stadtverwaltung soll außerdem einen Zeitplan für das Festspielhaus-Projekt aufstellen. Unabhängig davon sollen die Vorbereitungen für die geplante Beethovenhallen-Sanierung vorangetrieben werden, fordern CDU und Grüne. Unterdessen meldete sich auch die neue Beethovenfest-Intendantin in der Festspielhaus-Debatte zu Wort.

"Ich finde den Standort Beethovenhalle großartig, aber wir müssen eine ästhetisch überzeugende und finanziell machbare Lösung finden", erklärte Nike Wagner gestern. "Ohne einen First-Class-Kammermusiksaal für etwa 600 Zuhörer geht jedoch gar nichts."

Nach Einschätzung des Postkonzerns wäre ein Festspielhaus neben der Beethovenhalle deutlich preiswerter zu errichten als im "Blindengarten" in der Rheinaue.

Denkmalschutz

Die Untere Denkmalbehörde (Stadt) und das Amt für Denkmalpflege (LVR) setzen sich über die Eintragung in die Denkmalliste "ins Benehmen", wie es im Amtsdeutsch heißt. Werden sie sich nicht einig - etwa im Fall des Beethovenhallen-Geländes - kann der LVR versuchen, sich mit Hilfe der Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde durchzusetzen. Denkmalschutz kann auch aufgehoben werden: durch den NRW-Bauminister.