Otto-Kühne-Schule Bad Godesberg

Das Päda-Internat schließt nach 128 Jahren

Villenviertel. Ende einer Bad Godesberger Institution: Mit Ende des Schuljahres verlassen die letzten Schüler die Wohnhäuser des Privatgymnasiums.

Jetzt ist es so weit. Eine Godesberger Institution muss mit Ende dieses Schuljahrs ihre Pforten schließen. Das vor 128 Jahren gegründete Internat am Otto-Kühne-Platz wird von den Gesellschaftern der Pädagogium Godesberg GmbH aufgegeben. Die letzten Internatsschüler verlassen ihre Häuser.

Der Einschnitt in der Schulgeschichte geschehe "aus wirtschaftlichen Gründen", hatte Internatsleiter Klaus Otto Kühne im Jubiläumsjahr 2008 erklärt. Das Godesberger Internatsmodell sei einfach nicht mehr genügend nachgefragt gewesen, ergänzte damals sein Bruder Christian Otto. Die Schülerzahlen für die drei Internatshäuser seien in den vergangenen Jahren unerwartet eingebrochen.

Laut Homepage des Verbands Deutscher Privatschulen (VDP) hielt das Päda-Internat 80 Plätze vor. Derzeit wollen sich die Gesellschafter zur Internatsschließung jedoch nicht äußern. Nach GA-Informationen gibt es schulintern Unmut über diverse Kündigungen. Die Schließung betreffe aber ausdrücklich nicht die Schule Päda, betonten damals die Nachfahren des ersten Schulträgers Professor Otto Kühne. Man konzentriere alle Kräfte auf die Weiterentwicklung der bewährten pädagogischen Ziele.

Zur Geschichte: Schon in seinen Anfängen war das Päda ein Internats-"Schülchen". Godesbergs legendärer evangelischer Pfarrer Julius Axenfeld hatte sich 1883 mit vier Schülern in das pädagogische Abenteuer aufgemacht. 1887 stieß mit vielen neuen Ideen Otto Kühne hinzu und übernahm zwei Jahre später auch die Trägerschaft.

Da gab es schon zwei Internatshäuser, in denen sich auch der Unterricht für 39 Interne und Externe abspielte. Von da an entwickelte sich auch das Internat trotz einiger Schwankungen in den Bewohnerzahlen zum Erfolgsmodell.

1957 konnte man stolz auf 250 Internatsschüler am Otto-Kühne-Platz sein, denen man eine zweite Heimat gab. Es galt die Leitlinie, in den von Hauseltern geführten Häusern das Prinzip Familie zu leben: Lehrerehepaare wohnten mit ihren eigenen Kindern und maximal 25 Schülern in eigenständigen Gemeinschaften.

Doch die Traumzahlen ließen sich in den zum Schluss drei Häusern Constantia, Trotzendorff und Hessenhaus auf Dauer nicht halten. Das entsprach auch einem bundesweiten Trend zu Ungunsten traditioneller Internate. "Wir wollten aber kein anderes Modell fahren und ziehen die Konsequenzen", sagte Klaus Otto Kühne 2008 dem GA.

Alle Internate bekommen den demografischen Wandel zu spüren. Wie berichtet, öffnete die ehemalige Jungenschule Aloisiuskolleg 2006 aus wirtschaftlichen Gründen ihr Internat auch für Mädchen und verzeichnete anschließend wieder steigende Zahlen. Das Rheinbacher Vinzenz-Pallotti-Kolleg sah 2009 keine Alternative mehr, als sein Internat abzuspecken.

Die Internatsgebäude des Päda mitten im Villenviertel sollen nicht leer stehen. Die Pädagogium Godesberg GmbH führt die Immobilien, wie berichtet, im Rahmen eines großen Wohnungsbauprojekts auf ihrem Gelände einer neuen Nutzung zu.