Rhein

Das Chinaschiff vom Rhein sitzt auf Grund

Beuel. Wegen des tiefen Rheinpegels kann die Wasserschutzpolizei ihren Steg nicht anfahren. Die Rheinnixe hat sich längst aus Beuel verzogen.

Huan Fu Zhang hat die Ruhe weg. Während er seine Suppe isst, hat er den Steg fest im Blick. denn der neigt sich schon ziemlich steil zum Chinaschiff. Sogar der Ponton liegt höher als das China-Restaurant auf dem Rhein. Kein Wunder: Das Schiff liegt längst auf Grund.

"Zum Glück ist der Boden relativ weich, so dass das für das Schiff nicht schädlich ist", meint der Geschäftsführer des "Ocean Paradise". Abgelegt habe das Schiff schon lange nicht mehr: "Zum Fahren brauchen wir einen Pegel von 2,60 Meter."

Am Freitag lag der Bonner Pegel bei 1,10 Meter. "2003 ist nichts passiert, da wird dieses Mal auch nichts passieren", hofft Zhang. Tatsächlich lag der Bonner Pegel damals bei 89 Zentimetern. Während das Chinaschiff also an seinem angestammten Platz an der Kennedybrücke auf bessere Zeiten wartet, hat sich die "Rheinnixe" längst verzogen.

Die Fähre, die normalerweise zwischen Beuel in Höhe der Steinergasse und Bonn in Höhe der Ersten Fährgasse verkehrt, kann auf der Beueler Seite nicht mehr anlegen. "Die äußere Krümmung der Flüsse ist immer tiefer, weil dort mehr Strömung ist", erklärt Mike Betke, Dienststellenleiter der Wasserschutzpolizei Bonn, die für den Rheinabschnitt zwischen Bad Honnef und Köln-Sürth zuständig ist.

Auch die Ordnungshüter auf dem Rhein können mit ihrem Streifenboot derzeit nicht in Beuel anlegen. Das ist daher derzeit im Mondorfer Hafen festgezurrt. "Dort beginnt und endet derzeit der Streifendienst", erklärt Betke. "Probleme hat derzeit vor allem die Schifffahrt", sagt er und richtet den Blick aus dem Fenster auf ein vorbeifahrendes Schiff, das Container geladen hat.

Sein geübter Blick sagt ihm, dass der Kapt'n höchstens die Hälfte der üblichen Fracht geladen hat. Mindestens 20 Zentimeter Wasser müssen die Schiffe unterm Kiel haben. Gerichtsfest sei gar 30 Zentimeter Flottwasser ratsam. "Aber letztlich ist es das unternehmerische Risiko, ob die das einhalten", meint Betke. Was die Wasserschutzpolizei interessiert, das sind die in den Eichscheinen festgehaltenen Tiefgangsanzeigen.

"Wenn was passiert oder sie zu viel geladen haben, dann müssen sie die Konsequenzen tragen und am nächsten Hafen Teile ihrer Ladung löschen." Wenn der Bonner Pegel, so wie am Freitag, bei 1,10 Meter liegt, dann heißt das nicht, dass der Rhein auch nur so tief ist. Der sogenannte Null-Pegel liegt in Bonn bei 1,05 Meter.

Das Wasser in der Fahrrinne ist also 2,15 Meter tief. Die Schiffe könnten also bis zu einer Abladetiefe von 1,85 Meter laden, dann haben sie noch 30 Zentimeter "Luft". "Die Messlatte beispielsweise in Maxau ist mittlerweile so tief im Grund, dass dort ein Pegel von 3,40 Meter angezeigt wird. Tatsächlich ist der Wasserstand dort aber sogar niedriger als in Bonn", so Betke.