Bundespressekonferenz feiert 60. Geburtstag

Bonner Wurzeln sind nicht vergessen - Lob vom Bundespräsidenten - Beispiel journalistischer Selbstbestimmung

Bonn. Bundespressekonferenz? Unbefangene Zeitgenossen könnten denken, die sei ein Organ des Bundes. Wie so viele andere, die ebenfalls mit Bund anfangen. Zum Beispiel Bundespräsident, -tag und -regierung. Dabei handelt es sich um nicht mehr und nicht weniger als um einen Verein.

Zur Zeit mit Werner Gößling (ZDF) als Vorsitzendem und GA-Korrespondent Thomas Wittke als Vorstandsmitglied. Und das bestätigt ein historisch untermauertes Vorurteil, dass vieles, was bei uns funktioniert, vor allem in Vereinen geschieht. Auch deshalb kommt Bundespräsident Horst Köhler an diesem 8. Oktober 2009 in das Haus der Bundespressekonferenz (BPK) am Schiffbauerdamm in Berlin, um den 60. Geburtstag dieser journalistischen Vereinigung als Beispiel der Selbstbestimmung des Journalismus zu würdigen.

Sie wurde am 11. Oktober vor 60 Jahren in Bonn gegründet. Vereinszweck dieses "Zusammenschlusses deutscher Parlamentskorrespondenten" ist es, "Pressekonferenzen zu veranstalten und seinen Mitgliedern Möglichkeiten einer umfassenden Unterrichtung der Öffentlichkeit zu verschaffen."

Das ist leichter gesagt als getan und selbst in Demokratien nicht selbstverständlich. Denn bei uns ist die BPK Herrin des Verfahrens. Journalisten laden ein und leiten die Konferenzen, nicht die Regierungs- oder Parteisprecher und schon gar kein Berlusconi. Auf einem anderen Blatt steht der Anspruch, "Parlamentskorrespondenten" zu sein. Im Lauf der Geschichte des Bundeshauptstadt- Journalismus in Bonn und Berlin wurden die Journalisten, was ihre Schwerpunkte betrifft, immer mehr zu, wenn auch kritischen, "Regierungs- und Parteien-Korrespondenten."

Die BPK vergisst ihre Bonner Wurzeln nicht. Sie hat hier an ihrem früheren Hauptsitz am Tulpenfeld 7 eine Außenstelle mit Wolfgang Koch (Stuttgarter Zeitung) als Sprecher und Roswitha Pörtner im Sekretariat für 93 von 922 Mitgliedern. Bonn ist ein besonderer Informationsplatz geblieben und auf neuen Feldern geworden. Deshalb wird am 21. Oktober auch "an der Wiege" gefeiert mit Prominenz aus Politik, Sprechern und Journalisten, die hier geblieben oder wieder gekommen sind.

Darunter Gründungsmitglieder wie der ehemalige GA-Korrespondent Wolf J. Bell und frühere Vorsitzende wie Reinhard Appel. Sie alle erinnern daran, dass Bonn zwar nie eine Medien-Großstadt wie Hamburg, Frankfurt oder München war, aber erstens ein besonderer Medienstandort ist, vom GA über den Rheinischen Merkur, den Fernsehsender Phoenix, Radio Bonn/ Rhein Sieg bis zur Deutschen Welle. Und zweitens die Hauptstadt der Selbstregelung des Journalismus war und zum Teil noch ist, von der BPK über den Verein der Auslandpresse, den selbstkritischen Presserat bis hin zu den hier weiter wirkenden Presseclubs und Vereinigungen.