Bundesbank sucht Käufer für ihren Glaspalast

Die Bonner Dependance steht seit einem halben Jahr leer - Die meisten Mitarbeiter fanden einen neuen Job in anderen Filialen - Wer D-Mark umtauschen will, muss jetzt nach Köln fahren

Bonn. Es gehört zu den markanten Gebäuden an der B 9 - der Glasbau in der Friedrich-Ebert-Allee 37, in dem bis September vergangenen Jahres die Bonner Filiale der Deutschen Bundesbank untergebracht war. Seitdem steht das Haus leer und soll verkauft werden.

"Unser Angebot hat am Markt Interesse geweckt; ein Kaufvertrag konnte aber noch nicht abgeschlossen werden", sagte ein Sprecher der Bundesbank-Zentrale in Frankfurt/Main dem GA auf Anfrage. Das Festmahl aus Anlass der Eröffnung einer Reichsbank-Nebenstelle in Bonn fand am 3. Oktober 1892 im Bonner Hotel Royal (heute: Königshof) statt.

Die Schließung der - wie sie später hieß - Bundesbank-Filiale ging knapp 115 Jahre später geräuschlos über die Bühne. Im Rahmen einer Strukturreform hatte die Bundesbank 80 von bis dahin 127 Filialen geschlossen - darunter eben auch Bonn.

Der Bankensprecher sagte weiter, der Großteil der zuletzt 74 in Bonn beschäftigten Mitarbeiter sei zu anderen Filialen versetzt worden; die meisten nach Köln. Einige Beschäftigte hätten die Bank im Rahmen von Vorruhestandregelungen und Auflösungsverträgen verlassen, "und vereinzelnd konnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu anderen Arbeitgebern im öffentlichen Dienst vermittelt werden". Er versicherte: "Im Zusammenhang mit der Schließung hat es weder juristische noch anderweitige Klagen gegeben."

Die Bundesbank sieht sich als "Bank der Banken". Diese bringen dort das eingenommene Bargeld hin oder leihen sich Geld. Seit gut einem halben Jahr müssen die hiesigen Banken nach Köln fahren, um derartige Geschäfte abzuwickeln; ebenso die Bürger aus der Region Bonn, die bisher in der Friedrich-Ebert-Allee D-Mark gegen Euro umtauschen konnten.

Der Sprecher betonte, dass der Umtausch von D-Mark weiterhin bei allen Filialen der Deutschen Bundesbank möglich ist. Zudem bestehe die Möglichkeit, unter Angabe einer Bankverbindung DM-Bargeld auf eigenes Risiko an die Hauptverwaltung in 55122 Mainz, Hegelstraße 65, zu senden: "Der Gegenwert wird bei inländischen Kunden dem angegebenen Konto gutgeschrieben."

Die Banker hatten 1905 erstmals ein eigenes Haus in der Fritz-Tillmann-Straße bezogen, das während eines Luftangriffs am 28. Oktober 1944 bis auf den Tresor völlig zerstört und dann aber wieder aufgebaut wurde. Seit 1977 befand sich die Filiale in dem "Glaspalast" an der Regierungsallee. Wer dort künftig arbeiten wird, wollte der Sprecher nicht sagen: "Aus grundsätzlichen Erwägungen erteilen wir keine Auskünfte über den Stand der Verhandlungen und Verhandlungspartner."

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