Bund behält Petersberg

Staatssekretär: Privatisierung wird nicht mehr verfolgt - Großes Lob für "Deutsches Camp David"

Bonn/Königswinter. Auf diese Zusage aus dem Bundesfinanzministerium hat die Region lange gewartet. "Die Privatisierung des Petersberges wird von uns nicht mehr verfolgt", sagte Staatssekretär Werner Gatzer (SPD) nach Angaben des Bonner SPD-Bundstagsabgeordneten Ulrich Kelber. Damit ist wohl ein Thema vom Tisch, das in der Vergangenheit für Unmut in der Region gesorgt hatte.

Kelber freute sich denn auch über die Zusage des 50-jährigen Politikers. "Ein derartiges geschichtsträchtiges Gästehaus des Bundes muss im öffentlichen Besitz bleiben; ich bin froh, dass sich unser Kampf um den Petersberg gelohnt hat", sagte er dem GA.

Bereits in den neunziger Jahren, nach dem Berlin/Bonn-Beschluss, hatte der Bund versucht, sein Gästehaus zu veräußern. Doch vergeblich. So warf 1997 ein Hamburger Bankhaus das Handtuch, nachdem es einen entsprechenden Maklerauftrag des Auswärtigen Amtes nicht hatte erfüllen können.

Später wurden zwar Kaufinteressenten vorstellig, die aber allesamt absprangen. Und im Bericht zur "Verringerung von Beteiligungen des Bundes - Fortschreibung 2006" des Bundesfinanzministeriums ist zu lesen, eine vollständige Trennung des Bundes vom Gästehaus Petersberg werde "beabsichtigt bzw. geprüft".

Nun also bleibt der Bund Herr im eigenen Haus. Nach Angaben von Kelber decken die Einnahmen aus dem Hotel, das laut Vertrag bis 2019 vom Steigenberger-Konzern betrieben wird, die Ausgaben für die Unterhaltung des Gästehauses, in dem unter anderem auch die beiden Afghanistan-Konferenzen (2001 und 2002) stattfanden; ausländische Journalisten lobten den Tagungsort als "Deutsches Camp David".

Übrigens: Einige Jahre zuvor, 1995, hatte der mehrmalige Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher in der Kapelle des Petersberges seine Frau Corinna geheiratet. Und nicht überliefert sind die Erinnerungen, die Leonid Breschnew an den Petersberg hatte. Der starke Mann der Sowjetunion fuhr 1973 dort das Gastgeschenk der Bundesrepublik, einen Mercedes-Benz, bei der ersten Probefahrt zu Schrott: Totalschaden.

1978 hatte der Bund das Gebäude samt angrenzendem Wald für 18,5 Millionen Mark (etwa 9,5 Millionen Euro) von der 4711-Dynastie Mülhens gekauft. Nach aufwendigen Umbauten wurde es 1990 als "Gästehaus der Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland" in Betrieb genommen. Zuvor hatte der Bund das Hotel für Staatsgäste gemietet; ebenso das Schloss Gymnich.

Aus dem Gästebuch
1954: Haile Selassie, Kaiser von Äthiopien.
1955: Reza Pahlavi, Schah von Persien, mit Gemahlin Soraya.
1965/1992: Queen Elizabeth II.
1967: Reza Pahlavi mit Farah Diba.
1973: Leonid Breschnew, Generalsekretär der KPdSU.
1990: Michael Gorbatschow, Präsident der Sowjetunion.

1993: Jassir Arafat, Palästinenserführer.

1994: Bill Clinton, US-Präsident, mit Frau Hillary.

1998: Hussein, König von Jordanien.

2005: Michael Gorbatschow, ehemaliger Präsident der Sowjetunion.