Bonns "oberste Denkmalschützerin" ist tot

Als der Streit um das Festspielhaus entbrannte, stand Olga Sonntag wieder in erster Reihe. Sichtlich gezeichnet von Alter und Krankheit zwar. Aber mit ungebrochenem Willen, für den Erhalt der Beethovenhalle zu kämpfen.

Bonn. (lis) Als der Streit um das Festspielhaus entbrannte, stand Olga Sonntag wieder in erster Reihe. Sichtlich gezeichnet von Alter und Krankheit zwar. Aber mit ungebrochenem Willen, für den Erhalt der Beethovenhalle zu kämpfen. Das ist ihr geglückt. Am vorigen Dienstag ist die promovierte Kunsthistorikerin und Bonns "oberste Denkmalschützerin" im Alter von 86 Jahren gestorben.

Den einen galt sie als ewig Gestrige. Für die anderen war sie eine kluge und überaus kompetente Kämpferin für das historische Bonn und den Erhalt seiner Denkmäler. "Sie war die Seele des Arbeitskreises für den Erhalt des historischen Stadtgefüges", sagt Arbeitskreismitglied Manfred Borschdorf über seine langjährige Vorsitzende.

Der Name Olga Sonntag hat Jahrzehnte lang so manchen Investoren erschreckt. Nicht verhindern konnte sie das Stadthaus oder die Südüberbauung vor dem Hauptbahnhof, für Sonntag städtebauliche Todsünden schlechthin. Dafür aber den geplanten Ungers-Bau am Bahnhof. Auch gegen den Posttower trat die stets so zerbrechlich wirkende, aber unglaublich zähe alte Dame an.

Er störe die Sichtachse zum Siebengebirge empfindlich, hatte sie dem damaligen Postchef Klaus Zumwinkel entgegengehalten. Sie hat sich nie als Blockiererin gesehen. Sie sah sich als Bewahrerin gewachsener Strukturen, war aber auch aufgeschlossen für die Moderne, etwa für die Museumsmeile.

1949 kam die gebürtige Hagenerin zum Studium nach Bonn. Mit ihrem Mann, der bereits vor einigen Jahren starb, lebte sie - wie sollte es auch anders sein - bis zu ihrem Tod in einem Denkmal, einer verwunschenen Villa in der Südstadt. Sonntag wird am Mittwoch, 2. Juni, um 13.30 Uhr auf dem Südfriedhof beigesetzt.