Bonns erste Hospiz-Ambulanz

<b>Die Autoschlüssel</b> hat Schwester Lancy schon in der Hand. Mit ihr freuen sich Caritas-Direktor Jean-Pierre Schneider, Pfarrer Wolfgang Picken und Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann.

<b>Die Autoschlüssel</b> hat Schwester Lancy schon in der Hand. Mit ihr freuen sich Caritas-Direktor Jean-Pierre Schneider, Pfarrer Wolfgang Picken und Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann.

Ordensfrau Lancy ist auf Initiative der Bürgerstiftung Rheinviertel mit einem roten Caritas-Flitzer unterwegs

Plittersdorf. Die junge Frau blickt zurückhaltend, als sich die Fotografen um sie scharen. Bonns erste Hospizschwester im ambulanten Dienst soll an diesem Morgen im Caritas-Wohnhaus Emmaus vorgestellt werden, eine Palliativschwester also, die auf Wunsch ab sofort zu Sterbenden nach Hause kommt und sie in ihrer letzten Lebensphase begleitet.

"Hallo, Schwester Lancy", wird die ernste junge Frau von einer Bewohnerin begrüßt. Sofort entspannen sich die Gesichtszüge der indischen Ordensschwester. Freudig geht sie auf die alte Dame zu, streichelt ihren Arm, spricht mit ihr.

"Für uns ist es schade, dass wir Schwester Lancy jetzt verlieren", bedauert Emmaus-Leiterin Susanne Littfinsky. Die indische Nonne, die seit zehn Jahren in Deutschland arbeitet, hat hier drei Jahre altenpflegerisch gewirkt und parallel eine Ausbildung in Palliative Care durchlaufen.

Für Bonn wird damit eine neue Form hospizlicher Tätigkeit begonnen, erläutert Pfarrer Wolfgang Picken für den Projektträger Bürgerstiftung Rheinviertel. Erstmals weist die Bundesstadt eine auch medizinisch versierte Sterbebegleitung für Schwerstkranke in ihrem Zuhause auf. "Wir garantieren ambulante Hilfe bei starken Schmerzen und schwerer Pflegebedürftigkeit im Sterbeprozess und nicht zuletzt auch die spirituelle Begleitung einer Ordensfrau. Das ist die goldene Lösung", sagt Picken.

Wer mit Schmerz und Sterbenssymptomen sowie seelsorgerisch mit Menschen umgehen könne, sei also ebenso verlässlicher Partner für die behandelnden Ärzte wie Seelentröster für Angehörige und Patienten. Und zwar als kostenloses Angebot für jedermann. Die Stiftung Rheinviertel stellt diese Hilfe unabhängig von Konfession und Religion zur Verfügung. Sie hat die jährlich 36 000 Euro Personal-, Fortbildungs- und Pkw-Kosten schon mal für drei Jahre sichergestellt.

"Schwester Lancy kann also Engel für alle sein, natürlich nur, soweit die Kapazitäten reichen", betont Picken. Er hat sich deshalb für sein Projekt ein Netzwerk kompetenter Partner an die Seite gestellt. Erst einmal wurden enge Kontakte zu den umliegenden Ärzten geknüpft. Das organisatorische Know-how kommt vom Caritasverband. Dieser neue wertvolle Dienst möge "Signalwirkung im ganzen Stadtgebiet haben", beschwört Caritas-Direktor Jean-Pierre Schneider die Fortführung der Idee.

Das Gros der Menschen wolle doch nicht in Klinken, sondern in ihren eigenen vier Wänden sterben. Mit Kräften wie Schwester Lancy biete sich die Möglichkeit, das zu verwirklichen. Die Caritas ergänzt die Pflege, übernimm das Organisatorische und hilft bei der Abrechnung rein pflegerischer Leistungen, verdeutlicht deren Mitarbeiter Manfred Anton.

Pickens weiterer Kooperationspartner ist der Hospizverein Bonn, der schon am stationärem Hospiz am Waldkrankenhaus mitarbeitet. Sein Vorsitzender Peter von Geyso unterstreicht gerne die Unterstützung für die indische Schwester. "Sie stehen nicht alleine da. Unsere 50 ausgebildeten Hospizhelfer stehen Ihnen zur Seite", verspricht von Geyso.

Dass hier segensreiches Wirken von einer Bad Godesberger Initiative ausgehe, freut wiederum auch Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann. Wenn jetzt auch die von der Bürgerstiftung ausgesandte Schwester Lancy mit einem roten Caritas-Flitzer zu Sterbenden nach Hause eilt, "bekommt unsere Stadt ein noch menschlicheres Gesicht."