MediNetz

Bonner Verein hilft kranken Menschen ohne Papiere

BONN.  Für den Mann aus einem afrikanischen Land war es ein doppelter Horror. Nicht nur, dass er bei Reparaturarbeiten auf dem Dach ausrutschte, stürzte und sich schwer verletzte. Als er aus dem Koma aufwachte, stand bereits die Polizei an seinem Bett - bereit ihn in Abschiebehaft zu nehmen.

Allein für die Stadt Bonn schätzt der Verein Medinetz die Zahl der Menschen ohne Aufenthaltsstatus auf rund 4000, "illegal", ohne Papiere, ohne Aufenthaltserlaubnis. Davon sind mindestens 400 Kinder betroffen. "Krankheit wird für diese Menschen zu einem Sicherheitsrisiko und zu einer privaten Katastrophe, denn sie können keine Krankenversicherung abschließen, und jeder behördliche Kontakt ist mit einer Überprüfung der Personalien verbunden und hat eine Abschiebung zur Folge", so Mechthild Greten vom Caritasverband.

"Wer kann sich schon vorstellen, wie das ist, jede Sekunde Angst zu haben, erwischt und dann abgeschoben zu werden? Was heißt es, nicht existieren zu dürfen?", so Greten weiter. Die gesundheitliche Versorgung dieser Menschen ist ein großes Problem, daher wurde in Bonn im Sommer 2003 die Menschenrechtsinitiative MediNetz Bonn gegründet, die von den beiden großen christlichen Kirchen unterstützt wird.

Greten sagt: "Diese Menschen leben ohne Krankenversicherung, ohne ein sicheres soziales Netz und ohne Gesundheitsvorsorge. Die meisten Familien können notwenige Schutzimpfungen gegen Diphterie, Tuberkulose oder Kinderlähmung nicht vornehmen, weil ihnen dafür das Geld fehlt. Vorsorge- und Therapiemöglichkeiten bleiben diesen Kindern oft verschlossen."

Der unabhängige Verein MediNetzBonn hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, Flüchtlingen ohne Krankenversicherung einen gefahrlosen anonymen Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen. Neben kostenlosen Sprechzeiten bieten die ehrenamtlichen Mitarbeiter von MediNetz Bonn die Weitervermittlung an kostenlos behandelnde Ärzte an.

Der Verein übernimmt zudem die Kosten für Medikamente, Laboruntersuchungen, Operationen und Geburten. Dabei ist der Verein auf Spenden angewiesen. MediNetz Bonn hat seit der Gründung fast 4.000 Menschen medizinisch betreut, davon waren 70 Prozent Frauen und 14 Prozent Kinder. Stadtdechant Monsignore Wilfried Schumacher und Eckart Wüster, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Bonn, sowie Caritas und die Diakonie haben deshalb zu Spenden aufgerufen.

Mehr Informationen zum Verein gibt es im Internet unter www.medinetzbonn.de.

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