Bonner Stadthaus: Abrisspläne sind wohl vom Tisch

In die Jahre gekommen ist das Stadthaus am Berliner Platz. Die Verwaltung empfiehlt der Politik, das Gebäude mit den drei Türmen sanieren zu lassen.

BONN. Abriss und Neubau oder Sanierung? Das ist beim Stadthaus schon seit geraumer Zeit die Frage. Jetzt kristallisiert sich heraus: Das Städtische Gebäudemanagement (SGB) favorisiert offensichtlich eine Komplettsanierung des in den 70er Jahren errichteten Verwaltungsbaus mit drei Bürotürmen.

Die Kosten sollen bei rund 120 Millionen Euro liegen. Eine Mitteilungsvorlage soll dem Vernehmen nach dem Betriebsausschuss in seiner Sitzung am 15. Dezember präsentiert werden. Eine ursprünglich für den 13. Dezember geplante Sitzung des Projektbeirats Stadthaus fällt nach Auskunft der Stadt aus. Ein Grund wurde nicht genannt.

Bereits im Sommer hatte das SGB der Politik ein Papier präsentiert, nach dem eine Sanierung des Stadthauses samt Keller und Parkdecks deutlich preiswerter wäre als Abriss und Neubau. Für einen Neubau müsste die Stadt mehr als 200 Millionen Euro berappen. "Dabei handelt es sich nur um reine Baukosten", hatte SGB-Chef Bruno Lossau damals erklärt.

Und auch nach weiter gehenden Prüfungen sei das SGB zuversichtlich, die Summe nicht zu überschreiten, wenn von einer Sanierung mit sparsamsten Mitteln unter Beibehaltung der heutigen Nutzungsstrukturen, also auch der Großraumbüros ausgegangen werde, hat Projektbeirats-Vorsitzender Reinhard Limbach (CDU) erfahren. Elke Palm vom städtischen Presseamt wollte sich noch nicht dazu äußern: "Die Mitteilungsvorlage muss noch intern abgestimmt werden", sagte sie.

Neben den Büros steht außerdem die Sanierung der Vorhängefassade, des Daches, der Parkdecks und der Technik auf dem Programm. Dabei soll das Stadthaus zum Berliner Platz einen attraktiven Eingang erhalten. In die Pläne einbezogen werden soll auch das Areal entlang der Max-, Weiherstraße, Franz- und Oxfordstraße. "Wir stellen uns vor, dass in diesen Randbereichen und der ersten Parkdeckebene zusätzliche Flächen für Einzelhandel geschaffen werden können", so Limbach.

Die schwarz-grüne Ratsmehrheit jedenfalls befürworte die Sanierung. Grünen-Beiratsmitglied Hardy Lohmeyer monierte allerdings, dass das SGB immer noch keine entsprechende Beschlussvorlage vorlegen könne.

Für CDU und Grüne kommt auch aus einem anderen Grund ein Abriss nicht in Frage: "Der Buchwert des Gebäudes müsste abgeschrieben werden. Dadurch gerieten wir in den Nothaushalt", erklärte Limbach. Etwas anderes wäre ein Verkauf des Areals, "dafür steht aber niemand mehr zur Verfügung", so der CDU-Ratsherr.

Und was ist mit Unternehmer, der der Stadt einst angeboten hatte, das Areal zu erwerben und auf dem Gelände des einstigen Landesbehördenhauses ein neues Verwaltungsgebäude zu bauen, um es dann wieder an die Stadt zu vermieten? "Daraus wohl nichts", weiß Limbach. Nicht zuletzt sei es auch eine Frage der Miethöhe gewesen.

Jener Unternehmer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagte dem GA auf Nachfrage, er könne wohl aus Altersgründen seine einstigen Stadthauspläne nicht mehr realisieren. Er rate aber dringend von einer Sanierung des Stadthauses ab. Nach seiner Einschätzung koste sie mindestens 250 Millionen, wenn nicht sogar 300 Millionen Euro.

Die SPD teilt diese Bedenken. "Wir trauen den Zahlen des SGB nicht", sagte Fraktionsgeschäftsführer Dieter Schaper. Die SPD verstehe nicht, dass die schwarz-grüne Ratsmehrheit das Anliegen der SPD ablehnt, eine externe gutachterliche Untersuchung in Auftrag zu geben, welche Varianten die für die Stadt sinnvollste Lösung sei. Schaper: "Wir haben beim WCCB im Vorfeld auf Expertenrat verzichtet. Das kommt uns heute teuer zu stehen." Limbach sieht das anders: "Das ist eine Untersuchung, die das SGB mit eigenen Kräften leisten kann."

Wer weiß, vielleicht erweisen sich die Entwürfe von Architekturstudenten als nützlich, die sie zurzeit im Rahmen eines Wettbewerbs des Architekten- und Ingenieurvereins Bonn/Köln (AIV) erarbeiten. Bei diesem Wettbewerb, den der AIV mit der Fachhochschule Köln und der Stadt Bonn ausgelobt hat, geht es nämlich ums Stadthaus. Die Aufgabenstellung: Ein Abriss ist tabu, ansonsten ist viel Fantasie gefragt. Im Februar soll eine Jury, der auch Stadtbaurat Werner Wingenfeld angehört, den Siegerentwurf ermitteln.

Einen Zeitplan für die realen Stadthauspläne kennt Limbach dagegen noch nicht. Aber auf die lange Bank schieben könne man sie nicht: "Das teuerste Sparen ist, wenn wir die Instandhaltung unterlassen."

Das Stadthaus: Das Stadthaus am Berliner Platz wurde zwischen 1974 und 1977 erbaut und 1978 vom damaligen Oberbürgermeister Hans Daniels eingeweiht. Es besteht aus drei Bürotürmen, von denen der höchste 72 Meter misst. Die Gesamtfläche beträgt rund 98.000 Quadratmeter. Das Gebäude bietet rund 1500 Mitarbeitern einen Arbeitsplatz. Es verfügt über zwei Parkdecks, 22 Aufzüge und eine Aktenförderanlage. Im Keller ist das Gedächtnis der Stadt Bonn untergebracht: das Stadtarchiv. Durch eine zusätzliche Bebauung der Randbereiche könnten nach derzeitigem Stand der Untersuchungen rund 17.000 Quadratmeter Nutzfläche zusätzlich entstehen.