Bonner Stadtarchiv erhält 2,5 Millionen Bilder von Star-Fotograf

"Der hat sowieso keinen Film drin", scherzten die Kollegen, wenn Fotograf Camillo Fischer beim Staatsbesuch mal wieder ganz vorne stand. Er fotografierte ohne Blitz, das war sein Markenzeichen. Doch einen Film hatte er sehr wohl drin und drückte je nach Anlass sogar mehr als hundert Mal auf den Auslöser.

Bonn. "Der hat sowieso keinen Film drin", scherzten die Kollegen, wenn Fotograf Camillo Fischer beim Staatsbesuch mal wieder ganz vorne stand. Er fotografierte ohne Blitz, das war sein Markenzeichen. Doch einen Film hatte er sehr wohl drin und drückte je nach Anlass sogar mehr als hundert Mal auf den Auslöser.

Das beweisen 2,5 Millionen Negative, die im Besitz des Bonner Stadtarchivs sind. Der Nachlass des bekannten Fotojournalisten ist jetzt komplett. Mit Unterstützung der Volksbank Bonn Rhein-Sieg, die 6 000 Euro zur Verfügung stellte, konnte das Archiv auch die nach 1990 entstandenen Bilder kaufen.

Rund zwei Millionen Negative waren bereits im Besitz der Stadt, nachdem der Rat 1990 beschlossen hatte, dem Fotografen dafür eine Rente zu zahlen. Am 2. November 2009 starb Camillo Fischer, der zuletzt mit seiner Frau in Straubing lebte, im Alter von 89 Jahren. "Wenn er raus ging, hatte er immer die Kamera dabei", berichtet Jochen Scheduikat, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Stadtarchiv.

So sind nach 1990 weitere 500 000 Aufnahmen von rund 7 000 Ereignissen entstanden. Camillo Fischer war ein Künstler, und er hat auch sein Archiv kreativ geführt. Mehrere Jahre hat es gedauert, den ersten Teil des Nachlasses in eine Ordnung zu bringen und die vielen darin verborgenen Schätze zu dokumentieren.

Beim zweiten Teil hat die Frau des Fotografen wichtige Vorarbeit geleistet. Elf Kisten mit 94 Aktenordnern voller Negative hat das Stadtarchiv übernommen, doch auch die müssen jetzt gesichtet und zugeordnet werden. "Camillo Fischer hat nie ein Fotobuch mit Terminen und Daten geführt", sagt Scheduikat.

Der Vorstandssprecher der Volksbank, Jürgen Pütz, sah sich am Mittwoch im Stadtarchiv alte Fotos von Prominenten und Politikern an. Auf dem Tisch lagen nur einige der insgesamt 70 000 Abzüge, die Camillo Fischer hinterlassen hat. Für die Archivare sind die Negative wichtiger, weil sie das ganze Schaffen dokumentieren. "Bei den Abzügen weiß man nie, für wen sie bestimmt waren und ob es sich tatsächlich um das beste Motiv handelt", sagt der Leiter des Stadtarchivs, Norbert Schloßmacher.

Camillo Fischer war ein Bonner Original. Er verblüffte so manchen Protokollchef, indem er bei offiziellen Anlässen zum Mikrofon griff und ein Plädoyer für den sibirischen Tiger hielt, der ihm besonders am Herzen lag. Ungewöhnlich ist auch die große Menge der Bilder, die Fischer hinterlasen hat.

"Er fällt aus dem Rahmen, denn er hat erst mit 40 Jahren angefangen. Trotzdem reicht sein Nachlass für mehrere Fotografenleben", sagt Scheduikat. Im November ist im Volksbankhaus die nächste Ausstellung geplant - angesichts von 2,5 Millionen Negativen wieder nur ein winziger Ausschnitt des Werks von Camillo Fischer.