Bonner Muslime schließen sich zusammen

Ein entsprechender Rat soll die islamischen Gruppierungen besser vernetzen und nach außen deren Interessen vertreten - Absage an Diskrimierung und Fanatismus - Ziel ist die mentale Integration

Bislang einzigartig in Deutschland hat sich jetzt ein Rat der Muslime in Bonn gegründet. Neun Moscheen - darunter fünf arabische, drei türkische und eine bosnische -, die Deutsche Muslim-Liga, die Islamische Hochschulvereinigung und der Muslimische Sozialbund bilden eine auf regelmäßigen Treffen basierende Plattform, die die Interessen der Muslime bündeln und gegenüber der Verwaltung sowie anderen öffentlichen und privaten Einrichtungen vertreten soll.

Sprecher dieses Rats ist der 40-jährige Haluk Yildiz, der die Zahl der in Bonn lebenden Moslems auf 28 000 schätzt. "Es geht uns darum, die islamische Identität zu bewahren", gleichzeitig bekenne man sich zur Demokratie. "Alle Mitglieder des Rats müssen das Grundgesetz beachten", sagte Yildiz. Die Mitglieder des Rats lehnen jede Art von Diskriminierung, Fanatismus, Antisemitismus und Terrorismus ab.

"Wer das Gesetz bricht, der wird von uns untersucht", stellte Yildiz fest. Immerhin standen zwei Mitglieder - unter anderem die Moschee in der Maxstraße wegen ihrer früheren Zugehörigkeit zum Verein Milli Görüs - einst unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. Die von der Polizei beobachtete Fahd-Akademie gehört nicht dem Rat der Muslime an.

Anlass der Gründung des Rats war laut Yildiz der Karikaturenstreit: "Es macht Sinn, dass die Muslime in Bonn einheitlich agieren." Man könne nicht länger warten, auf die Herausforderungen in Bonn zu reagieren, zu überregionalen Zusammenschlüssen wolle der Rat keine Konkurrenz sein. Die Notwendigkeit der sprachlichen Integration sei unbestritten, "wir brauchen aber auch eine mentale Integration.

Der Ali der vierten Generation soll nicht länger als Ali aus der Türkei gesehen werden, sondern als Ali aus der Altstadt", so Yildiz, der von Beruf Unternehmensberater, Vorsitzender der islamischen Hochschulgemeinde und seit 17 Jahren mit einer Bonner Journalistin verheiratet ist.

Der Rat will einerseits den Kontakt unter den islamischen Gruppierungen, andererseits die Beziehungen zur Gesellschaft, zur Verwaltung, Polizei oder auch kirchlichen Organisationen fördern. Gesellschaftliche Anerkennung unter Bewahrung der religiösen Identität, lautet das Ziel.

So will sich der Rat für Islamunterricht an Bonner Schulen einsetzen. Thematisiert werden sollen nach innen wie nach außen so unterschiedliche Fragen wie die Bekleidung im Sportunterricht, die Diskriminierung am Arbeitsplatz oder die Stellung der Frau im Islam.

Auch soll ein besonderes Augenmerk auf die Seelsorge der Bonner Muslime gelegt werden. Die Imame werden sich in einem eigenen Beirat zusammenschließen, ein Rechtsbeirat wird juristische Fragen klären. Verschiedene Kommissionen mit Experten sollen die Arbeit des Rats unterstützen.