Bronzemodell zerstört

Bonner Münster gestohlen

BONN. Bislang unbekannte Täter haben vermutlich in der Nacht zu Samstag das Bronzemodell auf dem Münsterplatz, das die Stadt Bonn als kurfürstliche Residenzstadt zum Ende des 18. Jahrhunderts zeigt, schwer beschädigt. Der oder die Täter haben offensichtlich mit roher Gewalt die Nachbildung des Münsters aus dem Modell herausgebrochen. An der Stelle klaffen jetzt zwei Löcher.

Hermann Schäfer, ehemaliger Direktor des Hauses der Geschichte, ist fassungslos. Er und andere Mitglieder seines Rotary-Clubs Bonn Süd - Bad Godesberg hatten das Modell erst im vorigen November der Stadt Bonn gestiftet und auf dem Münsterplatz im Beisein von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch aufstellen lassen.

Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Rotary-Clubs waren Spenden für das Modell gesammelt worden, das Schäfer zufolge einen Wert von rund 50.000 Euro hat. Der Bonner Künstler Friedemann Sander hat es in enger Zusammenarbeit mit dem Historiker Professor Gisbert Knopp entworfen und in Bronze gegossen.

"Das ist einfach skandalös", sagte Schäfer am Sonntag dem GA, "wir hatten geglaubt, das Modell ist so fest verankert, dass so etwas nicht passieren könne." Der Club werde alles daran setzen, das Modell schnellstens wieder im Originalzustand herzustellen. "Welche Art von Gewalt braucht es, um so etwas zu tun?", fragen sich Schäfer und Knopp, beide noch immer sichtlich erschüttert. Selbstverständlich habe man umgehend Anzeige erstattet.

Doch bisher liegen laut Polizei noch keine Erkenntnisse über den Tathergang oder über die Täter vor. "Die Ermittlungen laufen noch", hieß es. Für Schäfer hat das Modell auch einen ganz besonderen historischen Wert. "Es ist kein Modell, dass nach einem bestimmten Muster gegossen wurde. Hier ist jedes Gebäude entsprechend der Archivunterlagen individuell rekonstruiert worden", erklärte er.

Das Münster, so der Historiker Knopp, sei bei der Arbeit mit Sander stets sein Orientierungspunkt gewesen. Denn lediglich von der im 11. Jahrhundert erbauten Kirche gab es Maße und Zeichnungen, durch die es möglich war, die städtischen Größenverhältnisse im Maßstab 1:500 wiederzugeben.

Sockel und Bronzemodell wiegen zusammen gut anderthalb Tonnen. "Da war es für uns unvorstellbar, dass das jemand stehlen oder gar zerstören könnte", sagte Schäfer. Jetzt müsse mit der Stadt überlegt werden, wie es in Zukunft besser geschützt werden könne. "Vielleicht hilft eine bessere Beleuchtung oder es muss sogar eine Kamera installiert werden", meinte er.

Entsetzt zeigte sich auch Reinhard Sentis, Sprecher des Bonner Münsters. "Wir haben leider in der Innenstadt öfters solche Fälle von Vandalismus", bedauerte er.