Bonner Integrationspreis für Medinetz

Der Integrationsrat der Stadt vergibt Auszeichnungen für ehrenamtliches Engagement für Ausländer ohne Papiere. Weitere Preisträger sind der Verein Ausbildung statt Abschiebung und der Diplom-Volkswirt Saico Baldé.

Bonn. Menschen ohne Papiere gibt es in Bonn ungezählte. Fachleute schätzen die Zahl der Ausländer ohne legalen Aufenthaltsstatus auf 4 000. Werden sie krank, hätten sie wegen ihres illegalen Aufenthalts große Schwierigkeiten, sich medizinisch behandeln zu lassen - wenn es Medinetz nicht gäbe.

Seit 2003 gibt es dieses Netz von Ärzten und anderen Heilberuflern; mittlerweile sind es allein 70 Mediziner, die den Menschen ohne Papiere unbürokratisch helfen. Für dieses Engagement erhält der Verein in diesem Jahr den zum zweiten Mal vergebenen und mit 1 600 Euro dotierten Integrationspreis des Integrationsrats der Stadt Bonn. Die achtköpfige Jury mit Safiye Temizel, Vorsitzende des Integrationsrats, an der Spitze, gab gestern diesen und die beiden anderen Preisträger bekannt.

Diese sind der Verein Ausbildung statt Abschiebung, der von Abschiebung bedrohten Jugendlichen eine berufliche Perspektive bietet, und der 53 Jahre alte Diplom-Volkswirt Saico Baldé, der sich als Einzelperson seit vielen Jahren ehrenamtlich für ein friedliches, interkulturelles und soziales Miteinander engagiert, wie die Integrationsbeauftragte Coletta Manemann als Jurymitglied sagte.

Der erste Preisträger erhält 800 Euro, die beiden Zweiten erhalten jeweils 400 Euro. "Verliehen wird der Integrationspreis beim interkulturellen Kultur- und Begegnungsfest am Samstag, 4. September, um 15 Uhr in der Rheinaue", sagte Temizel. Sie, Manemann und die anderen Jurymitglieder hatten die nach eigenen Angaben schwierige Aufgabe, unter 30 Bewerbungen die Preisträger zu ermitteln.

Es habe so viele spannende Bewerbungen gegeben und eigentlich habe man keinen von den engagierten Privatpersonen, Organisationen und Gruppen frustrieren wollen. "Doch wir mussten uns am Ende entscheiden", so Manemann. Sie und Temizel dankten allen, die sich mit Projekten und Aktivitäten beworben hatten, den Preis aber dieses Mal nicht bekommen haben: "Auch ihren Einsatz erkennen wir ausdrücklich an."

Dass die erste Wahl auf den Verein Medinetz fiel, der bereits im Juli die Sebastian-Dani-Medaille verliehen bekam, begründete die Jury damit, dass Menschen ohne Papiere ohne die unbürokratische Hilfe von Ärzten, Hebammen, Logopäden und anderen Heilberuflern in noch schwierigeren Umständen leben müssten, als sie es ohnehin tun. Gewürdigt wurde von der Jury, dass Medinetz nicht nur kostenlose medizinische, psychologische und zahnmedizinische Hilfe leistet, sondern auch in Zusammenarbeit mit Juristen Wege aus der Illegalität heraus ermöglicht.

Der Verein Ausbildung statt Abschiebung gründete sich 2001. Zurzeit betreuen 33 Ehrenamtliche 100 Jugendliche aus den verschiedensten Ländern, von denen viele als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Bonn kamen. "Mit Blick auf den allgemeinen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften kann man sagen: Der Verein tut etwas dagegen", sagte Peter J. Croll, Direktor des Bonn International Center for Conversion und Jurymitglied. Denn mit seiner Arbeit erhöhe der Verein nicht nur die Chancen jedes betreuten Jugendlichen auf eine gute berufliche Perspektive, sondern stelle dem Arbeitsmarkt auch mittelfristig qualifiziertes Personal zur Verfügung.

Saico Baldé baut laut Jury "mit seinem Engagement Brücken zwischen Einheimischen und Zugewanderten, er trägt dazu bei, dass Vorurteile abgebaut werden und unterstützt Integration in Bonn". Baldé beteilige sich mit zahlreichen eigenen Initiativen an der kulturellen Arbeit in Schulen, Kindergärten, Jugendhäusern und der Volkshochschule.

Zudem engagiert er sich in der Evangelischen Studierendenarbeit und arbeitet im Vorstand des Deutsch-Afrikanischen Zentrums. Bekannt ist er vielen Bonnern auch als Gründer und Mitglied der Musikgruppe "Bonn Afrika", die im Mai ein Benfizkonzert für die Erdbebenopfer in Haiti gegeben hat.