Röttgen und der Wahlkreis

"Bonn war und ist meine Heimat"

Unterwegs in heimatlichen Gefilden: Norbert Röttgen besuchte am Freitag die Europaschule in Bornheim.

BORNHEIM/BONN. Norbert Röttgen zu seinem Landtagswahlkreis. Über Rückfahrkarten nach Berlin redet er nicht. Viel lieber redet Röttgen über die Energiewende, und dass jeder etwas dafür tun könne.

Freitagmittag, 12.38 Uhr, die Limousine des Bundesumweltministers fährt vor der Europaschule in Bornheim vor. Norbert Röttgen kommt, um hier einen "Datenlogger" und eine Anzeigetafel in Betrieb zu nehmen. Damit kann die Schule darstellen, wie viel Energie sie mit ihrer Photovoltaikanlage produziert. Eigentlich ein Routinetermin des Ministers.

Seit Mittwoch, seit der Auflösung des Landtags und der Ausrufung der Neuwahl in NRW ist für den 46-Jährigen allerdings nichts mehr Routine. "Dies ist eine besondere Woche für mich", wird er gleich in seiner Rede den Schülern, Lehrern und Eltern sagen.

Vor der Schultür aber gibt er sich wortkarg. "Hier geht es um die Solarenergie", sagt er nur kurz den Journalisten, die von ihm wissen wollen, ob er, der Spitzenkandidat der NRW-CDU, auch bei einer Wahlniederlage am 13. Mai ins Düsseldorfer Parlament einzieht und dort Oppositionsführer wird.

"Da bin ich pedantisch"

Viel lieber redet Röttgen über die Energiewende, und dass jeder etwas dafür tun könne. "Was tun Sie denn persönlich?", fragt Veronika Lantenhammer aus der Politik-AG. "Meine Familie hat sich entschieden, das Dach des Hauses, das aus den 70er Jahren stammt, energetisch sanieren zu lassen", formuliert er etwas umständlich. Außerdem sage er seinen drei Kindern immer wieder: "Wenn man das Zimmer verlässt, besteht die Möglichkeit, das Licht auszumachen. Da bin ich pedantisch."

Auf dem kurzen Fußweg zum Auto will er immer noch nicht über das Thema Rückfahrkarte nach Berlin reden. Natürlich hat er am Morgen im Radio gehört, dass Parteifreunde wie Unionsfraktionsvize Michael Fuchs aus Koblenz und CSU-Chef Horst Seehofer ihm geraten haben, sich für eine Aufgabe zu entscheiden - sie meinen: für jene in Düsseldorf.

Bevor er ins Auto einsteigt, nur noch ein Satz des Umweltministers: "Hier geht es um Nordrhein-Westfalen." Sagt´s und lässt die Journalisten ratlos zurück. In der Tag, es geht um NRW und Röttgens Zukunft im bevölkerungsreichsten Land.

20 Minuten später sitzt er in der Oberkasseler Rohmühle und präsentiert sich gemeinsam mit Benedikt Hauser, der für die CDU in Godesberg, Hardtberg und den südlichen Bonner Stadtteilen zum zweiten Mal antritt, als Wahlkreiskandidat der Bonner CDU. Röttgen sei "aufs Engste mit der Bundesstadt verbunden", sagt Kreisparteichef Philipp Lerch.

Am Mittwoch waren beide aufeinander zugegangen. Lerch hatte Röttgen angerufen, um ihn zu fragen, ob er bereit sein könnte, in Bonn anzutreten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Röttgen bereits auf Lerchs Mailbox gesprochen und bei ihm vorgefühlt, ob sich die Bonner CDU vorstellen könnte, dass er in der Bundesstadt kandidiere. Die Rhein-Sieg-CDU, Röttgens Heimat-Kreisverband, spielte bei diesen Überlegungen keine Rolle.

Frage nach der Rückfahrkarte holt Röttgen ein

Röttgen ist zwar in Meckenheim geboren, in Rheinbach aufgewachsen, dort zur Schule gegangen und wohnt seit Jahren in Königswinter. An diesem Mittag aber hebt er anderes hervor: "Bonn war und ist meine Heimat", sagt er, "ich habe in Bonn studiert, hatte meine Bude hier, habe hier meine Examina gemacht, bin hier Referendar gewesen, meine Frau ist hier Anwältin, unsere Kinder sind hier geboren, und wo wir wohnen, in Stieldorf, sind die Grenzen sowieso fließend."

Jetzt tritt er gegen Bernhard "Felix" von Grünberg an, der den Wahlkreis Bonn-Innenstadt/Beuel vor zwei Jahren mit sechs Prozentpunkten Vorsprung für die SPD geholt hatte.

Doch das Thema des Tages, die Frage um die Rückfahrkarte, holt Röttgen auch hier ein. "Wir setzen auf Sieg. Und ich glaube, dass der drin ist", sagt er und fügt hinzu, "wenn es anders ausgegangen sein sollte, werden wir auch die nächsten Schritte gemeinsam entscheiden." Er glaube nicht, dass das eine wichtige Frage für die Bürger sei. Und zu Seehofer und Fuchs: "Wir entscheiden in Nordrhein-Westfalen. Ich gebe auch keine Ratschläge an die Bayern oder die Rheinland-Pfälzer."

Für Röttgen ist das Thema damit durch. Für eine allerdings offenbar noch nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte gestern in München, sie werde mit Röttgen besprechen, wie er seine Rolle als Spitzenkandidat "am allerbesten ausfüllen kann".