Stadt Bonn: Bis zu 15.000 Wohnungen sind in einem schlechtem Zustand | GA-Bonn

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Bis zu 15.000 Wohnungen sind in einem schlechtem Zustand

BONN.  Als die Ordensschwestern Pia und Nicola vor einem guten Jahr zum ersten Mal die Wohnung im Hochhaus an der Oppelner Straße besichtigten, in dem sie ihren Schwesternkonvent Tannenbuch einrichten wollten, fielen sie beinahe aus allen Wolken. "Es war schrecklich, eine Katastrophe, die Wohnung war in desolatem Zustand", berichtet Schwester Nicola. Unter anderem sei der PVC-Boden in ihren Händen zerbröselt.

An der Oppelner Straße: Da viele Mülltonnen nach wie vor nicht eingezäunt sind und es auch oft keine Mülltrennung gibt, zahlen die Mieter oft horrende Müllgebühren. Foto: Barbara Frommann

Die Ordensschwestern kennen unzählige Geschichten von Menschen in der Umgebung, die in verschimmelten Wohnungen leben, Nachbarn, bei denen auch Monate nach dem Einzug noch kein Boden im Kinderzimmer liegt. Geht man über den Waldenburger Ring, Schweidnitzstraße, Lübener Weg, Masurenweg oder die Riesengebirgsstraße und redet mit den Menschen, hört man überall die gleichen Geschichten von Schimmelbefall, Rattenplagen, Mieterhöhungen, falschen Betriebskostenabrechnungen und völlig ergebnislosen Anrufen bei Telefon-Hotlines. "Was wir hier schon erlebt haben, ist sehr schlimm", sagt Ahmed Khalifi, der in einer Wohnung der Deutschen Annington lebt.

In Bonn verfallen bis zu 15.000 Wohnungen und werden offenbar systematisch heruntergewirtschaftet. So lautet zumindest die zugespitzte Interpretation der Linken-Ratsfraktion zu einer Stellungnahme der Stadtverwaltung auf ihre Anfrage zur "Städtischen Wohnungsaufsicht und Bauordnungsaufsicht". In der Stellungnahme liest sich das zurückhaltender, aber doch unmissverständlich deutlich. Demnach gibt es bei den frei finanzierten Wohnungen einen Bestand von bis zu 15 000 Wohnungen, bei denen die Eigentümer die Instandhaltungspflicht nicht ausreichend erfüllen.

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"Besonders dort, wo Wohnanlagen in die Hände von global operierenden Finanzinvestoren geraten sind, ist besonders in den letzten 5 Jahren eine erhebliche Verschlechterung der Bausubstanz zu verzeichnen", schreibt die Verwaltung. Und weiter: "Viele Finanzinvestoren haben die Instandhaltung ihrer Wohnanlagen auf ein Mindestmaß eingeschränkt. Nach inzwischen mehreren Jahren ist der Wohnungsbestand vielerorts nunmehr so weit heruntergekommen, dass die Mieter sich zu Recht Hilfe suchen." Betroffen seien neben Tannenbusch, Medinghoven, Brüser Berg, Auerberg, Buschdorf und Dransdorf. Bis zu 400 Mieter würden sich jährlich an die Wohnungsaufsicht wenden. "Die Zahl der Anfragen ist zuletzt stark steigend."

Fragt man nach, wer denn für die Misere verantwortlich ist, antwortet die Stadt: "Es handelt sich um wesentliche Teile des Wohnungsbestandes von Finanzinvestoren wie Gagfah, Annington und LEG." Was viele ärgert: Das Geld, das diese Unternehmen verdienen, stammt aus der öffentlichen Hand. Denn in den Wohnungen der Finanzinvestoren wohnen vor allem Transferleistungsempfänger.

Das sind aus Sicht der Wohnungseigentümer ideale Mieter, unter anderem, weil die Miete zuverlässig von der Stadt Bonn gezahlt wird. "Jährlich werden Millionenbeträge an Steuergeldern für schlechte Wohnungen ausgegeben. Wenn im großen Stil die Mieten bei schlechten Wohnungen einbehalten werden, ist eine Reaktion zu erwarten", sagt Roman Rudnik, der als langjähriger Sprecher der Initiative Tannenbusch die Situation vor Ort zur Genüge kennt. Die Stadt hat nach eigenen Angaben im Jahr 2011 rund 66 Millionen Euro Unterkunftskosten für Transferleistungsempfänger nach Sozialgesetzbuch II ausgegeben.

Die Linke fordert stärkere Kontrollen der Wohnungsaufsicht. "Es ist nicht hinnehmbar, dass die Mieter in unzumutbaren Wohnverhältnissen allein gelassen werden", sagt der Fraktionsvorsitzende Michael Faber. Auf lange Sicht kommt die Stadt laut dem planungspolitischen Sprecher Holger Schmidt nicht daran vorbei, einen Teil der Immobilien aufzukaufen, die kommunale Wohnungsbaugesellschaft müsse entsprechend ausgestattet werden.

Bei der Gesellschaft sieht man das auch so. Auch wenn die Qualität der Immobilien mäßig sei, könne es "aus Gründen der Wohnraumversorgung angezeigt sein, Teile solcher Bestände zu erwerben". Aufgrund der Haushaltssituation seien die Möglichkeiten, die Vebowag entsprechend auszustatten begrenzt, so die Stadt. "Allerdings ist aus der wohnungswirtschaftlichen Sicht der Ankauf einiger dieser maroden Wohnungsbestände die einzige Chance, die Abwärtsspirale zu stoppen."

Die Stadt steht der Situation nahzu ohnmächtig gegenüber. "Keine Kommune hat von sich aus die Möglichkeiten, global operierenden Finanzunternehmen entgegenzutreten." Die Stadt schöpfe derzeit alle Möglichkeiten aus, verfüge aber nicht über ausreichende personelle Ressourcen. "Wollte man dies in Bonn tun, wären hierfür circa fünf bis sechs neue Stellen erforderlich."

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