Beueler Buchhandlung Schmitz-Reinhard schließt nach 60 Jahren

<b>Zwei Generationen</b> im Buchhandel: Marianne und Martin Schmitz-Reinhard.

<b>Zwei Generationen</b> im Buchhandel: Marianne und Martin Schmitz-Reinhard.

"Wir haben keine Perspektive mehr gesehen"

Beuel. Die Beueler Geschäftswelt verliert eine Institution, und die Beueler verlieren eine lieb gewonnene Anlaufstelle. Die Buchhandlung Schmitz-Reinhard am Konrad-Adenauer-Platz schließt am Montag endgültig ihre Ladentür.

In dem Familienbetrieb standen drei Generationen hinter dem Verkaufstresen, gaben Lesetipps, berieten, nahmen Bestellungen entgegen und besorgten seltene Restexemplare über die Verlagshäuser. Und was für viele Stammkunden ein unverwechselbares Merkmal war: Drei Generationen Schmitz-Reinhard hatten stets Zeit und offene Ohren für ein Klääfchen, in dem es auch einmal nicht um Literatur ging. Jetzt das Ende: 60 Jahre nach Gründung der Buchhandlung ist Schluss.

"Die Kunden kaufen ihre Bücher mehr und mehr im Internet", erklärt Martin Schmitz-Reinhard die Gründe für die Schließung. "Wir haben keine Perspektive mehr gesehen." Gemeinsam mit seiner Mutter Marianne Schmitz-Reinhard bildete der 42-Jährige viele Jahre lang ein vertrautes, sympathisches und immer freundliches Gespann in dem Traditionsgeschäft.

Als weiteren Grund für die negative Entwicklung nennt Schmitz-Reinhard das ungleiche Duell zwischen einem kleinen Buchladen mit rund 60 Quadratmeter Verkaufsfläche und den großen Buchhandlungen mit mehreren Etagen, Lounge-Sofas und Kinderspielecke. "Wenn Sie Urlaub in Ägypten machen wollen und einen Reiseführer suchen, zeigen wir Ihnen drei oder vier entsprechende Reiseführer, die wir auch hier im Laden stehen haben", gibt der 42-Jährige ein Beispiel.

"In der großen Buchhandlung finden Sie zu Ägypten zwei Regalreihen voller Nachschlagewerke - und können auch noch eine Tasse Kaffee in dem Geschäft trinken." Was Mutter und Sohn Schmitz-Reinhard am meisten vermissen werden, wissen die beiden sofort: "Die persönlichen, familiären Gespräche mit unseren Kunden werden mir fehlen", sagt Marianne Schmitz-Reinhard.

Es kamen Kunden, die sie noch als Kinder vor sich im Geschäft hatte stehen sehen, dann mit ihrem eigenen Nachwuchs im mittlerweile lesefähigen Alter. Auch der Autor dieses Artikels erhielt seine ersten Bücher für die Schwarzrheindorfer Grundschule bei den Schmitz-Reinhards. "Wir hatten durch die Bank sehr, sehr nette Kunden", ergänzt Martin Schmitz-Reinhard. "Das macht uns den Abschied auch so schwer." Den Laden wollen sie vermieten.

So hatte alles angefangen: Nach Ende des Zweiten Weltkriegs eröffnete Martins Großvater Johann Ignatz Schmitz-Reinhard, früherer Lokalredakteur beim Bonner General-Anzeiger, Mitbegründer des Beueler Heimat- und Geschichtsvereins und anerkannter Beueler Heimatforscher, mit seiner Ehefrau Paula einen Zeitungskiosk neben der Filmbühne.

1948 zog das Geschäft an den heutigen Konrad-Adenauer-Platz um und wurde vergrößert: Neben dem Verkauf von Büchern befand sich dort die erste Beueler GA-Agentur.

1956 fand der Laden nur einige Meter weiter östlich am Konrad-Adenauer-Platz sein neues Zuhause. 1972 übernahm Raimund Schmitz-Reinhard das Geschäft von seinem Vater Johann Ignatz und baute es zu einer reinen Buchhandlung aus. Der Beitritt zum Börsenverein, dem Dachverband des deutschen Buchhandels, erfolgte im gleichen Jahr.

Nach dem Tod des Vaters und Großvaters 1993 leitete Martin Schmitz-Reinhard zusammen mit seiner Mutter Marianne die Buchhandlung. Die Buchhandlung, die so viel mehr war als nur ein Verkaufsort von Büchern. Sie war ein Stück Beueler Identität.