Begegnungsfest in der Rheinaue: Tänze aus Ecuador und indisches Bier

Ihre Eltern kamen 1970 aus der Türkei als Gastarbeiter nach Deutschland. Hülya Dogan ist Stadtverordnete und Vorsitzende des Vereins "FIBEr" (Fraueninitiative für Bildung und Erziehung), der am Samstag auf dem Internationalen und interkulturellen Kultur- und Begegnungsfest in der Rheinaue den Integrationspreis 2011 verliehen bekam.

Bonn. Ihre Eltern kamen 1970 aus der Türkei als Gastarbeiter nach Deutschland. Hülya Dogan ist Stadtverordnete und Vorsitzende des Vereins "FIBEr" (Fraueninitiative für Bildung und Erziehung), der am Samstag auf dem Internationalen und interkulturellen Kultur- und Begegnungsfest in der Rheinaue den Integrationspreis 2011 verliehen bekam.

Schon Anfang Juni standen die Preisträger fest, neben dem Verein sind dies der ehemalige Pfarrer Ulrich Thomas und die Leiterin der Domhof-Schule, Anni Kawka-Wegmann. "Für uns ist das eine Motivation, weiter zu machen", sagte Dogan.

Das Begegnungsfest fand in Bonn zum zweiten Mal statt, Ziel ist es, dass sich die verschiedenen Kulturen kennenlernen. "Die Vielfalt der Stadt ist hier in ganz besonderer Weise wahrnehmbar", sagte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch.

Rund 100 Stände von Migrationsorganisationen und interkulturellen Vereinen stellten sich vor, es gab Tänze aus Ecuador zu sehen, indisches Bier, russisches Essen oder Schmuck aus Indonesien.

Um Begegnung im kleineren Sinne ging es auch beim Betriebsfest der Stadtwerke Bonn (SWB), das zur gleichen Zeit ebenfalls in der Rheinaue stattfand. "Die Menschen, die in verschiedenen Tätigkeiten arbeiten, sollen die Möglichkeit haben, sich kennenzulernen", so Werner Schui, Leiter Konzernkommunikation der SWB.

Auf dem Fest gab es neben viel Musik auch eine Karatevorstellung eines Mitarbeiters. Ähnlich wie die Gäste der Betriebsfeier, mussten sich die Besucher des Begegnungsfestes mit jeder Menge Regen abfinden. Dementsprechend war der Andrang nicht so groß wie noch im vergangenen Jahr: Es kamen laut Veranstalter nur knapp halb so viele Menschen wie 2010.

Zwar finde sie diese Veranstaltung wichtig, so Hülya Dogan. Um Vorteile auszuräumen, sei das Begegnungsfest aber zu wenig. "Die, die man erreichen möchte, erreicht man nicht." Es müsse viel mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Dogan weiß, wovon sie spricht. Obwohl sie in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, war es für sie längst nicht immer leicht, Anschluss zu finden.

"Es gab Menschen, die sehr vorurteilsbelastet waren, das hat man als Kind gespürt", erinnerte sie sich. Ihre Schwester habe sich dadurch enorm zurückgezogen, erzählte sie. Für Dogan ist das keine Option, als Vorsitzende von "FIBEr" ist sie ständig aktiv und setzt sich dafür ein, dass Vorurteile beseitigt werden.

Mit ihrem Verein versucht sie, Themen wie Erziehung und Bildung an Frauen mit und ohne Migrationshintergrund zu vermitteln. "Ziel ist es, dass unsere nächste Generation nicht die gleichen Erfahrungen macht, die wir gemacht haben."

Ständig werde man aufgrund der Religion in eine Schublade gesteckt, sagte sie. "Wenn man ein Kopftuch trägt, ist man gleich zwangsverheiratet, unterdrückt und kann kein Deutsch." Sie trage es aber gerne, fügte sie hinzu. "Vorurteile entstehen durch Unwissenheit, wenn man keinen Austausch hat."

Das Begegnungsfest ist zwar nur ein kleiner Beitrag zur Integrationsarbeit in Bonn, Austausch schafft es aber allemal. Denn der entsteht von selbst, wenn Menschen aus China, Ghana oder Rumänien auf einer Wiese bei Regen zu brasilianischer Musik tanzen.