Bayern verkauft seine Landesvertretung

Zwei Bonner erwerben das Denkmal und bauen es zu einem Bürohaus um

Bonn. Der Freistaat Bayern war das letzte Bundesland, das nach dem Umzug von Bonn nach Berlin seine Vertretung am Rhein nicht verkauft bekam. Jetzt, neun Jahre später, ist es so weit: Das Münchner Finanzministerium schloss mit zwei Bonner Investoren einen Kaufvertrag ab.

Bis zum kommenden Herbst soll das unter Denkmalschutz stehende Gebäude in der Schlegelstraße 1 zu einem Bürogebäude umgebaut werden. Bonns oberster Denkmalschützer, Franz-Josef Talbot, begrüßt die Pläne. "Wir sind mit dieser Lösung sehr zufrieden", sagte er am Donnerstag dem GA.

Die Käufer, die namentlich nicht genannt werden wollen, haben sich in den vergangenen Jahren einen guten Ruf erworben, wenn's um die Sanierung von Denkmälern ging. Nach ihren Angaben verhandeln sie derzeit mit zwei potenziellen Mietern - einer Stiftung und einer Bundesbehörde: "Die würden beide gut dort ins Viertel passen."

Mehr als 50 Interessenten hatten seit 2001 auf das 1955 errichtete Gebäude, das über eine Nutzfläche von rund 2 000 Quadratmetern verfügt, ein Auge geworfen. Doch die Verhandlungen scheiterten allesamt; entweder entsprachen sie nicht den Anforderungen der Denkmalschützer, oder die angestrebte Nutzung wie Schönheitsklinik oder Wellnesspark stieß in der Stadtverwaltung auf Ablehnung.

Talbot wies darauf hin, dass die Landesvertretung von Sep Ruf entworfen wurde - jenem bekannten Architekten, der auch den kürzlich wieder eröffneten Kanzler-Bungalow neben der Villa Hammerschmidt gebaut hat: "Das Objekt ist bedeutend für die Geschichte als Zeugnis für den Ausbau der Stadt Bonn zur provisorischen Hauptstadt in der Nachkriegszeit Deutschlands."

Mit einer ähnlichen Begründung stellte Talbot übrigens auch die drei ehemaligen Abgeordneten-Wohnhäuser eine Ecke weiter, Heussallee/Görresstraße, unter Schutz. Die Gebäude, die an das World Conference Center Bonn (WCCB) anschließen, werden in Kürze saniert und dann wieder zu Wohnzwecken genutzt.

Die meisten Landesvertretungen im ehemaligen Parlaments- und Regierungsviertel hat in den vergangenen Jahren der Bonner Immobilienkaufmann Marc Asbeck erworben und mustergültig saniert - so die Bonn-Dependancen von Hessen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, dem Saarland und Rheinland-Pfalz. Um das Viertel zu beleben, will die Stadt dort jetzt auch Läden genehmigen.