Segelclub Bonn

Auf dem Rurstausee setzen Mitglieder die Segel

Leinen los und Segel gesetzt: Der Rursee ist auch das Revier des Segelclubs Bonn.

BONN. Auf dem Wasser des Rurstausees, der sich wie eine Schlange nordwestlich der Stadt Gemünd durch einen Teil der Nordeifel schlängelt, schaukelt still und behäbig das offene Kielboot von Regina Feußner dahin. Hier ist die 69-Jährige in ihrem Element, wenn sie bei leichtem Wind und Sonnenschein ihr 7,20 Meter langes Kielboot der Bootsklasse Dyas besteigt.

Sind die Leinen gelöst, wriggt Feußner das Boot mit der Pinne ihres Ruders zehn Meter hinaus aufs Wasser, stellt ihr Dyas in den Wind und hisst Groß- und Vorsegel. Dann nimmt die Seglerin aus Alfter Fahrt auf, und für die nächsten Stunden taucht Feußner ein in eine Welt, in der die Zeit für sie stehenbleibt.

"Es ist wie ein Rausch", sagt sie, "wenn die Sonne scheint, tanzende Boote auf dem See und diese Sucht, vom Wind aufs Wasser gezogen zu werden. Da bekomme ich richtige Glücksgefühle." Feußner ist Mitglied beim Segel-Club Bonn, der am Rursee einen Bootssteg und eine Vereinswohnung unterhält.

Knapp 80 Mitglieder zählt der Verein, der am Wochenende sein 40-jähriges Bestehen gefeiert hat; vor dem Regierungsumzug waren es noch doppelt so viele Mitglieder. Heute gehören dem Verein zehn Boote. Vier Boote für Kinder stehen dem Segelnachwuchs zur Verfügung. Hinzu kommen an die 30 private Boote der Vereinsmitglieder. Die kommen vor allem aus dem Bonner Raum, aber auch aus dem Bergischen Land und der Eifel.

Seit nunmehr 38 Jahren hält auch die 78-Jährige Inga Rauen dem Segelclub die Treue. "Wir sind ein sehr bescheidener Verein", so Rauen, der man ihr Alter wirklich nicht t. "Wir kennen auch andere Clubs wie in Vancouver und Sydney, die haben viel Geld und oft die Nase oben." Schon als junges Mädchen hat die geborene Hamburgerin das Segeln lieben gelernt.

Damals an der Elbe, als Zahnmediziner aus Norwegen an ihrer Uni zu Besuch waren. "Diese Burschen hatten ein wunderschönes, großes Boot und sahen gut aus, groß und mit blauen Augen", erinnert sich Rauen. Die Faszination von damals hält an, mindestens 20 Mal im Jahr zieht es Ina Rauen hinaus aufs Wasser.

Der Verein, 1973 hervorgegangen aus einer Betriebssportgemeinschaft der Bundeswehr, ist für jedermann zugänglich. Die Mitglieder bezahlen einen Vereinsbeitrag und eine Steggebühr. "Segler sollten schon ein bisschen sportlich sein, in jedem Fall schwimmen können und außerdem gesellig sein", sagt Holger Nicolai, stellvertretender Vorsitzender. Letzteres ist ihm besonders wichtig, denn abgesehen vom Wassersport legt der Bonner Verein Wert auf ein reges Vereinsleben. Dazu gehören etwa eine jährliche Regatta für Kinder, gemeinsame Grillabende und eine Winterwanderung. Um selbst ein Boot über den Rursee zu steuern, bedarf es neben der Begeisterung für das Segeln außerdem eines Sportbootführerscheins Binnen.

Auf dem Rursee können die Bonner Segler dafür ihr ganzes Können unter Beweis stellen, denn der See ist durchaus anspruchsvoll. Das liegt etwa daran, dass immer wieder Fallwinde von den angrenzenden Bergen auf das Wasser schießen. Das macht den Wind, der die Boote über den See bläst, manchmal unberechenbar. "Wer am Rursee segeln kann, kann überall segeln", so Nicolai.

Während einer Regatta im Jahr 1986 traf eine Böe eines der Clubboote gar derart stark, dass die beiden Insassen es nicht mehr aufzurichten vermochten. Die Segler blieben zwar unversehrt, doch das Boot versank auf den Grund des Sees, der bis zu 65 Meter tief ist. Trotz intensiver Suche durch Taucher und Technisches Hilfswerk gab der See das Boot erst 2011 zufällig wieder frei, die Segel waren immer noch gehisst.

Weiter Infos und Kontakt auf www.segel-club-bonn.de.