Archäologen legen Teile der alten Gertrudiskapelle frei

Das Areal hat eine bewegte Geschichte: Hier, auf dem Grundstück vor dem ehemaligen Hotel Beethoven, wo zurzeit eine Sondierungsgrabung stattfindet, lag auch die eigentliche historische Altstadt.

Bonn. Das Areal, auf dem die Archäologen zurzeit graben, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, war es doch schon in vorrömischer Zeit besiedelt. Hier, nahe dem Alten Zoll, wo auf dem Grundstück vor dem ehemaligen Hotel Beethoven zurzeit eine Sondierungsgrabung des Rheinischen Amts für Bodendenkmalpflege stattfindet, lag auch die eigentliche historische Altstadt.

Alte Fotos zeigen, wie die schmalen Gassen, die vom Hochwasser gefährdet waren, vor dem Zweiten Weltkrieg aussahen: Der schlanke Turm der Gertrudiskapelle ragt neben dem Restaurant "Vater Arndt" empor.

Die Bomben trafen im Krieg nicht nur die alte Rheinbrücke, sondern auch die Altstadt. Beim Wiederaufbau wurde das Areal mit Trümmern aufgeschüttet. Niemand weiß deshalb genau, was noch unter den Bauten aus den 50er und 60er Jahren schlummert.

Die historische Altstadt Die Bombardements des Zweiten Weltkriegs und der anschließende Neuaufbau bedeuteten das Ende der eigentlichen Bonner Altstadt in dem Gebiet zwischen Altem Zoll und Beethovenhalle. In der "Kuhl" stand bis zum Krieg auch das Haus Rheingasse 7, in dem die Familie Beethoven von 1776 bis 1785 mit Unterbrechung wohnte, und das Palais Boeselagerhof. Die Gertrudiskapelle wird erstmals 1258 erwähnt. Zerstört und wiederaufgebaut, existierte sie bis 1944 und galt als beliebte Gebetsstätte.

Bisher haben die Archäologen am Brassertufer nichts Unerwartetes gefunden: Sie haben die Stützbögen der Kapelle und ein Stück vom Pflaster der alten Giergasse freigelegt.

"Bisher ist nichts Bedeutendes zutage gekommen", berichtete LVR-Archäologe Michael Gechter.

"Wir haben nicht einmal richtiges Mittelalter gefunden, sondern vor allem Bauschutt aus dem Zweiten Weltkrieg." Der kleine Bagger buddelt, bis die Arbeiter auf die "Befundfreie Zone" aus Schwemmsand und Kies stoßen. Die Probegrabung dient dazu, das Ausmaß der späteren großen Grabung auf dem gesamten Grundstück abzuschätzen.

Entsprechend neugierig sind die Passanten. Ein Bauzaun und das Schild "Betreten verboten" halten sie nicht ab. Immer wieder tauchen Zuschauer am Rand der Baugrube auf, und bringen sich selbst und die Arbeiter unten in Gefahr, weil die Böschung leicht abrutschen kann. Die Mitarbeiter des Landschaftsverbandes bitten ausdrücklich darum, das Verbot zu beachten und die Grabungsstätte nicht zu betreten.

Schätze verbergen sich im Schutt nicht. Doch die Archäologen hoffen, auf Reste der Stadtmauer zu stoßen. "Die historischen Pläne sind nicht maßstabsgetreu", erklärte Grabungstechnikerin Silke Junick. Deshalb könne jedes Stück Stadtmauer neue Erkenntnisse über das mittelalterliche Bonn liefern.

Auch das Hotel Beethoven ist bald Geschichte. Von hinten fressen sich bereits Greifbagger ins Gebäude und machen den Blick in die alten Hotelzimmer frei. Die Nord-Süd Hausbau wird auf dem Grundstück die Rheinlogen errichten, einen modernen Neubau mit Luxus-Eigentumswohnungen und Gastronomie.