"Zwangsurlaub" bei der Stadt

Arbeiten, wenn (fast) alle frei haben

BONN.  Stadtpläne, Eintrittskarten sowie sämtliche Informationen zum kulturellen Leben in und um Bonn gibt es bei Xenia Backe. Auch zwischen Weihnachten und Neujahr sitzt die 46-Jährige am Schalter der Bonn-Information in der Windeckstraße. Damit gehört sie zu den rund 1000 Mitarbeitern der Bonner Stadtverwaltung, die trotz "Zwangsurlaub" arbeiten gehen.
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Andreas Thelen arbeitet zwischen den Jahren. Er nimmt Proben und sorgt dafür, dass in der Godesberger Kläranlage alles reibungslos läuft.
												Foto: Ariane Fries

Andreas Thelen arbeitet zwischen den Jahren. Er nimmt Proben und sorgt dafür, dass in der Godesberger Kläranlage alles reibungslos läuft. Foto: Ariane Fries

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch hatte die dienstliche Auszeit verordnet, um unter anderem Kosten zu sparen. Alleine im Stadthaus, wo die Heizung bis Neujahr nur auf Sparflamme läuft, spart das laut Stadt 10.000 Euro.

An manchen Stellen geht es aber eben doch nicht ohne Personal. "Mir macht das nichts aus, zwischen den Jahren zu arbeiten", versichert Backe. "Ich habe mich freiwillig gemeldet." Generell sei das bei der Bonn-Info so geregelt, dass keiner der festen Mitarbeiter zwischen Heiligabend und Silvester arbeiten müsse. "Das was wir an Arbeitskräften brauchen stocken wir gegebenenfalls mit Aushilfen auf."

Gerade Studenten seien froh, wenn sie einspringen und so ihr Stundenkonto noch ein wenig auffüllen könnten. Backe selbst kommt die Abwechslung ganz gelegen: "Nach Weihnachten ist das wieder ein Stück Normalität." Vor allem Familien würden den Donnerstag und Freitag nutzen, um mit ihren Kindern etwas zu unternehmen. "Dass berufstätige Eltern unter der Woche nachmittags Zeit für ein kulturelles Programm mit ihrem Nachwuchs haben, ist ja doch eher selten", sagt Backe.

Zeit für die Familie ist auch für Holger Rak trotz Arbeitseinsatzes möglich. Der Fachmann für Abwassertechnik arbeitet in der Bad Godesberger Kläranlage. Der vierfache Familienvater muss zwischen Heiligabend und dem 1. Januar täglich für vier Stunden auf dem Gelände in den Rheinauen Dienst schieben. "Zudem habe ich Bereitschaftsdienst."

Das heißt: Rak wacht von zu Hause aus per Notebook über den Betrieb der Kläranlage. Werden Störfälle gemeldet, muss er nicht gleich in die Anlage hetzen, sondern überprüft am Bildschirm, was nicht glatt läuft. Sogar kleinere "Reparaturen" könne er von dort aus regeln. "Zum Beispiel, wenn ein Aggregat nicht richtig läuft, kann ich über das Notebook auf ein anderes ausweichen, ohne dass ich vor Ort bin", erklärt der 46-Jährige.

Auch sein Kollege Andreas Thelen gehört zu den Mitarbeitern, die gestern, heute und an Silvester trotz "von oben" verordnetem Urlaub arbeiten. "Unser Chef muss uns aber nicht zwingen zu kommen. Wir sprechen die Einsätze zwischen den Jahren und an den Feiertagen unter uns gut ab", erläutert der 34-Jährige. Der Arbeitsalltag unterscheide sich indes nicht großartig von anderen. "Wir kontrollieren die Anlage, machen einen Rundgang über das Gelände und ziehen Proben von dem Wasser." Eben so wie jeden Tag.

Routiniert gestaltet sich auch der Arbeitstag von Frank Eßer. Er arbeitet als Kassierer im Kunstmuseum. Einzig die Besucher seien noch fröhlicher und freundlicher als sie es sonst schon seien. "Meine Kollegin Esther und ich wechseln uns mit unseren Einsätzen ab. Ich habe über Weihnachten gearbeitet, und sie wird Neujahr übernehmen", erklärt der 48-Jährige. Im kommenden Jahr würden die beiden ihre Dienste vermutlich tauschen.

Eßers Lebensgefährte arbeitet als Altenpfleger und müsse jeden Tag zur Arbeit. "In anderen Branchen ist es durchaus normal, dass zwischen den Feiertagen gearbeitet wird", stellt Eßer fest. "Warum also nicht auch im städtischen Betrieb."

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