Appetit aufs Goldbären-Museum

Noch werfen Kastaniensäcke der jüngsten Tauschaktion Schatten auf das Haribogelände. Entstehen soll hier ein Firmenmuseum.

Noch werfen Kastaniensäcke der jüngsten Tauschaktion Schatten auf das Haribogelände. Entstehen soll hier ein Firmenmuseum.

Die Firma Haribo bereitet an ihrem Standort in Bad Godesberg den Bau eines eigenen Museums vor.

Bonn. Es gibt das Schokoladenmuseum in Köln, das Marzipanmuseum in Lübeck oder auch eine gläserne Bonbonfabrik in Potsdam. Hieraus könnte bald ein verführerischer Vierklang werden. Die Firma Haribo bereitet an ihrem Standort in Bad Godesberg den Bau eines eigenen Museums vor. Mit Abrissarbeiten, die den erforderlichen Platz schaffen sollen, wird in diesen Tagen begonnen werden.

Es geht um einen Teil des 18 000 Quadratmeter umfassenden Areals zwischen Friesdorfer, Weißenburg-, Truchseß- und Pionierstraße. Neben riesigen Freiflächen im hinteren Teil dominieren entlang der Friesdorfer Straße die alten Fabrikgebäude der früheren Godesberger Süßwarenfabrik Kleutgen & Meier die Szenerie. Bei dem Bonbonhersteller hatte der Vater von Haribo-Chef Hans Riegel einst sein süßes Handwerk erlernt und den Schauplatz seiner Lehrjahre später, inzwischen als Weltmarktführer, aufgekauft.

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Bonner kennen die roten Backsteinfassaden vom Vorbeifahren - oder aber von der jährlichen Kastanien-Tauschaktion, die erst vor einer Woche einmal mehr für Furore sorgte. Nun soll sich dieser Kreis in der Familiengeschichte schließen, allerdings zum Preis des Abrisses der sichtlich in die Jahre gekommenen Hallen an der Friesdorfer Straße. "Der nördliche Teil der Gebäudefront wird abgerissen, der südliche Teil in Höhe der Elsässer Straße bleibt erhalten", erklärt Haribo-Sprecher Marco Alfter das anstehende Projekt.

Schon seit einiger Zeit schlummern die Pläne für ein Haribo-Museum in den Schubladen der Geschäftsführung. Wann dieses Vorhaben allerdings in die Tat umgesetzt wird, darüber gibt es laut Alfter auch intern noch keine konkreten Vorstellungen. "Ich kann allerdings klipp und klar sagen: 2012, wie bereits spekuliert wurde, wird daraus sicher noch nichts", betont Alfter, ergänzt allerdings: "An dem Museumsgedanken wird weiter gearbeitet".

Nun allerdings gelte zunächst die ganze Aufmerksamkeit den Abrissarbeiten, die nicht nur um der Flächen Willen erforderlich seien: "Ein Teil der Werksgebäude ist baufällig und teilweise sogar einsturzgefährdet", sagt Marco Alfter. Erhalten bleiben die Bauten im Abschnitt der früheren Tapetenfabrik Fassbender (Ecke Friesdorfer/Weißenburgstraße) sowie der Haribo-Fabrikverkauf.

Letzterer könnte laut Alfter später jedoch in einem Neubau räumlich mit dem Museum verbunden werden. "Aber wie gesagt: So weit sind wir noch nicht", sagt der Sprecher. Während also hinter den Haribo-Mauern noch eifrig getüftelt wird, zeigt sich Bad Godesbergs Bezirksbürgermeisterin begeistert, seit sie von der Idee erfuhr.

Haribo-Chef Hans Riegel hat inzwischen Post von ihr erhalten: In dem Brief dankt Annette Schwolen-Flümann dem 88-jährigen Firmenchef für sein Engagement in Bad Godesberg und sagt ihm ihre Unterstützung zu. "Wer das Weltunternehmen Haribo kennt, ist eigentlich schon jetzt davon überzeugt, dass dies ein tolles Projekt wird", so die Bezirksbürgermeisterin.

Gummibärchen werden an der Friesdorfer Straße schon seit den 60er Jahren nicht mehr produziert, vielmehr nutzt Haribo das Areal als Abstellfläche. Ein Renner ist allerdings der 2003 neu eröffnete Fabrikverkauf an der Weißenburgstraße. Übrigens: Ein kleines Haribo-Museum gibt es bereits, nämlich im südfranzösischen Uzès nahe Avignon. Und damit rund 950 Kilometer vom Stammhaus entfernt.