Alter Schlachthof: Stadt schließt Gewerbezentrum Ende 2011

Gewerbezentrum Alter Schlachthof: Auch den Lebensmittelgrossisten Valentin Schmitt zieht es ins Bornheimer Gewerbegebiet.

Gewerbezentrum Alter Schlachthof: Auch den Lebensmittelgrossisten Valentin Schmitt zieht es ins Bornheimer Gewerbegebiet.

Dem "Gewerbe- und Gründungszentrum Alter Schlachthof" hat das letzte Stündlein geschlagen. Zum Jahresende müssen die rund 70 Unternehmen das Gelände verlassen haben.

Bonn. Dem "Gewerbe- und Gründungszentrum Alter Schlachthof" an der Immenburgstraße hat das letzte Stündlein geschlagen. Zum Jahresende müssen die rund 70 Unternehmen, darunter Lebensmittelgroßhändler und Existenzgründer, das Gelände zwischen Müllverbrennungsanlage und Eros-Center verlassen haben.

Denn die 19 Millionen Euro für eine dringend notwendige Sanierung der in die Jahre gekommenen Gebäude hat die Stadt nicht. Doch obwohl die Zeit abläuft, habe sich ein Großteil der Betriebe noch nicht entschieden, wohin sie ziehen, sagte Ulrich Ziegenhagen, stellvertretender Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, dem GA auf Anfrage.

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So offen wie damit die Frage ist, wer von den Unternehmen in Bonn bleibt oder die Stadt verlässt, so offen ist auch die Frage, was die Stadt mit ihrem Gelände vorhat. Nicht nur Privatkunden und vor allem Freunde frischer Lebensmittel wissen den innenstadtnahen Standort zu schätzen, auch die Lebensmittelgrossisten, die Restaurants und Hotels in der Region beliefern.

Sie müssen nun nach vielen Jahren, manche gar nach Jahrzehnten das Schlachthofgelände verlassen - "obwohl wir gerne geblieben wären", wie beispielsweise Lebensmittelgroßhändler Willi Baum dem GA sagte. Doch die Politik will das Gewerbezentrum, auf dem laut Presseamt rund 20 Lebensmittelgrossisten, etwa 20 Existenzgründer und zirka 30 Lagerhallenpächter residieren, definitiv zum Jahresende aufgeben, wie der Wirtschaftsausschuss zuletzt noch einmal bekräftigte.

Die Gebäude entsprechen längst nicht mehr den aktuellen Hygiene- und Brandschutzstandards. Was ab kommendem Jahr mit dem Gelände passiert, ist laut Ziegenhagen aber noch unklar - "bis auf dass das Gelände in dieser Gegend auch in Zukunft nur gewerblich genutzt werden kann".

Meldungen, wonach Handwerksbetriebe sich dort ansiedeln werden, bezeichnete Ziegenhagen lediglich als eine Option von mehreren. Alternativen zur Schließung scheint es nicht zu geben. "Die Stadt hätte mindestens 19 Millionen Euro investieren müssen, um das Gelände so zu modernisieren, dass die Gebäude den heutigen Vorschriften entsprechen", schilderte Ziegenhagen das Problem.

Dann aber hätte die Stadt die derzeit günstigen Mieten deutlich erhöhen müssen. Davon abgesehen sei eine Sanierung bei laufendem Betrieb praktisch ausgeschlossen. Deshalb also heißt es nun umziehen. Doch wohin? Die größten Lebensmittelhändler, mit denen der GA sprach, haben sich - sehr zum Leidwesen der Wirtschaftsförderung - gegen Bonn und speziell das Gewerbegebiet Bonn-West in Dransdorf entschieden, das die Stadt den Betrieben so schmackhaft gemacht hatte. Stattdessen ziehen sie nach Bornheim.

"Dort ist die Autobahnanbindung besser, dennoch ist man relativ nah an Bonn", sagt Vassilios Barmbas, Geschäftsführer der gleichnamigen GmbH für griechische und mediterrane Lebensmittel. Zudem seien in Dransdorf die besten Grundstücke in der ersten Reihe schon alle verkauft.

Dass nun mit seinem Betrieb auch andere große Lebensmittelgrossisten wie die Firma Baum, Battermann und Valentin Schmitt mitziehen, liege daran, dass man weiterhin zusammenbleiben und Synergieeffekte nutzen wolle. Zwar findet auch Lebensmittelhändler Toni Perrone, das Dransdorfer Gewerbegebiet sei nicht so attraktiv wie das in Bornheim. Weil aber sein Betrieb nicht nur Restaurants beliefert, sondern auch von vielen Privatkunden für den Einkauf geschätzt wird, konnte er sich aus Gründen der Zentrenschädlichkeit nicht im Bornheimer Gewerbegebiet ansiedeln.

Doch wie es aussieht, hat Perrone einen alternativen Standort in Bonn gefunden, den er noch nicht verraten will.Wie viele der anderen Pächter in Bonn bleiben, wie viele abwandern (müssen), weil es in Bonn keine geeigneten Flächen gibt, konnte Ziegenhagen nicht sagen. "Denn viele Pächter haben noch nicht gekündigt." Man sei bereits seit 2008 mit ihnen im Gespräch, habe gerade die großen intensiv betreut.

Und dennoch: Bislang sei man mit einem mittelgroßen Unternehmen übereingekommen, dass es vom Schlachthof ins Gewerbegebiet Bonn-West umzieht. Auf kritische Fragen der SPD im jüngsten Wirtschaftsausschuss reagierte Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe beschwichtigend: "Die Lage ist nicht dramatisch", sagte sie. Für die nächste Sitzung will die Politik nun von der Stadt Konkreteres erfahren, auch was sie mit dem Schlachthof-Gelände vorhat.