Konzept von CDU und Grünen

Alle Hallenbäder auf der Kippe

BONN.  Ist das der große Wurf im jahrelangen Dauerstreit um die Bonner Schwimmbäder? Die CDU/Grünen-Ratsmehrheit will alle Hallenbäder auf den Prüfstand stellen und die Bürger fragen, welche Nachteile sie lieber in Kauf nehmen wollen. Was meinen Sie?
Das Frankenbad hat zwei 25 Meter-Schwimmerbecken und ist das einzige Hallenbad mit einer Tribüne.
								Foto: Volker Lannert
Das Frankenbad hat zwei 25 Meter-Schwimmerbecken und ist das einzige Hallenbad mit einer Tribüne. Foto: Volker Lannert

Denn zur Auswahl stehen zwei nicht besonders angenehme Alternativen. Die Badegäste sollen in den Hallenbädern künftig entweder spürbar höhere Preise bezahlen oder aber es werden Schwimmhallen geschlossen, so die Kurzform. Im Gegensatz zu den Plänen der Stadtspitze, drei Bäder zuzumachen, wollen CDU/Grüne am Donnerstag  im Sportausschuss beschließen: Die Bonner Freibäder bleiben auf Dauer erhalten. Und bei den Hallenbädern sollen die Bürger sagen, welches Modell sie lieber wollen.

1.) Das Bestandsmodell: Alle Hallenbäder bleiben erhalten, werden saniert und aufgewertet. Aber dafür gibt es dann eine "spürbare" Erhöhung der Eintrittspreise, von CDU/Grünen bezeichnet als "Bäder-Soli". "Den Bestand zu halten bedeutet nicht, dass es das umsonst gibt", so Klaus-Peter Gilles (CDU). Die Eintrittspreise seien in Bonn am unteren Level.

2.) Das Veränderungsmodell: Es werden Bäderstandorte reduziert und die verbleibenden Schwimmhallen aufgewertet. Oder sogar ein neues Hallenbad gebaut, damit die Bürger auf modernstem Stand schwimmen können. Ein einziges Hallenbad zu schließen würde 15 Millionen Euro an Sanierungskosten sparen, bei zweien sei es schon 28 Millionen. Hinzu kämen die jährlich eingesparten Zuschüsse.

Wie stark die Preise steigen sollen, sagten CDU/Grüne am Mittwoch nicht, weil das noch ungeklärt sei. "Die Erhöhung wird aber jenseits der Cent-Grenzen liegen", meinte Rolf Beu (Grüne) bereits. Ähnlich ist das mit Schließungen. Wie viele und welche Bäder zumachen würden, bleibt noch offen. Man habe da bewusst noch keine Standorte genannt, damit die Bürger eine grundsätzliche Entscheidung treffen können, was ihnen lieber ist - entweder bleibt Alles beim Alten und werde teurer oder man schließe mindestens zwei Bäder und baue ein neues Bad. Beides zusammen gehe nicht, so Beu: "Es gibt keine Besitzstandswahrung mehr", sagte er.

Man habe sich entschieden, Frei- und Hallenbäder getrennt zu betrachten. "Wir wollten nicht alles abbauen, sondern Standards erhalten und trotzdem einen Sparbeitrag zum Haushalt leisten", erklärte Klaus-Peter Gilles den Zwiespalt. Nur zu streichen, wie OB Nimptsch es bei den Bädern vorhabe, sei aber "unintelligent". Deshalb werde dieser Vorschlag der Stadtspitze auch im Sportausschuss kassiert, kündigten CDU/Grüne an.

Was aber wollen die Bürger? Welches Vorgehen ist ihnen lieber? Das soll in einer Befragung Anfang 2013 geklärt werden. "Wir sind gespannt auf das Ergebnis", so Beu. Wie die Beteiligung abläuft, regelt der Bürgerausschuss noch im Detail. Basierend auf dem Ergebnis will die Ratsmehrheit dann im Frühjahr eine Grundsatzentscheidung treffen.

Der Projektbeirat Bäderkonzept tagt heute (Donnerstag) um 16 Uhr, danach tritt um 18 Uhr der Sportausschuss zusammen. Beide Sitzungen sind öffentlich und finden im Konferenzraum der Stadtwerke Bonn, Theaterstraße 24, statt.

Das ist bei den Freibädern geplant:
Sie sollen erhalten bleiben, wie dies auch die Gutachterin vorgeschlagen hatte. In dem Antrag von CDU/Grünen sind das Ennertbad, das Melbbad, das Römerbad, das Rüngsdorfer und das "Friesi" zum Erhalt erwähnt - das Hardtbergbad jedoch nicht, da es mit seinem Hallentrakt einen Zwitter darstellt.

Man setzt bei den Freibädern auf freiwillige Beiträge der Nutzer, insbesondere der Fördervereine der Freibäder, um die Kosten maßgeblich zu reduzieren. Eine Zielvorgabe, wie hoch dieser "maßgebliche Beitrag zur Kostensenkung" beim Betrieb der Bäder sein soll, ist nicht genannt.

Außerdem könnten Außengelände künftig etwas kleiner werden, denn die Stadtverwaltung soll für sämtliche Bäder zügig prüfen, ob Teile der Grundstücke vermarktbar und bebaubar sind. Dafür kämen vor allem ein Grundstücksareal des "Friesi" oder die Grünfläche des Melbbades an der Trierer Straße in Frage.

Das ist bei den Hallenbädern geplant:
Sobald die Bürger sich für eine der beiden Varianten entschieden haben, soll die Stadtverwaltung untersuchen, wie der Plan umgesetzt wird - also wie hoch genau die Preiserhöhung ausfällt oder aber welche Hallenbäder geschlossen werden bzw. wie die Sanierungen ablaufen.

Damit der Schwimmunterricht weiter stattfinden kann, sollen die fünf Schulschwimmbäder erhalten bleiben und den Vereinen zur Verfügung gestellt werden. Für das Schwimmbad im Sportpark Nord sehen die Pläne vor: Es wird mit den für 2014 im Wirtschaftsplan vorgesehenen Geldern saniert.

Und die Stadt verhandelt mit den SSF Bonn über eine stärkere Nutzung des Beckens durch Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit für den Zeitraum nach der Sanierung. Außerdem bekommt die Stadt den Auftrag, spätestens bis Ende Mai einen Vorschlag zur künftigen Betriebsform der Bäder vorzulegen.

Machen Sie mit! Was meinen Sie? Sind Sie für Schließungen oder eher für höhere Preise? Und wenn Sie höhere Preise befürworten, wo liegt Ihre Schmerzgrenze?

26 Lesermeinungen - Seite 1/4

Bruche mer nich - fott damit

Opernfan | 23.11.2012 13:47

Die Beueler fahren ins Aggua nach Troisdorf. Die Hardtberger fahren ins Monte Mare nach Rheinbach, die Bad Godesberger haben im nahen Rheinland-Pfalz gleich mehrere Bäder zur Auswahl. Alle Familien mit Kindern halten das jetzt schon so. Der Stadtbezirk Bonn hat die Qual der (Anfahrts-)Wahl - oder geht anstatt zu schwimmen in die Oper.

Zumachen!

René | 23.11.2012 11:00

Also von mir aus können die alle diese langweiligen "Badeanstalten" aus den 60er/70er Jahren dichtmachen. Meistens kaltes Wasser in nur einem eckigen Schwimmerbecken, wo man seine Bahnen ziehen kann und das war's. Nee! Ein schönes Spaßbad mit Rutsche, Wasserspielen und einem großen Saunabereich fehlt. Innenstadtlage dürfte schwierig werden, aber an der B9, gut mit der Stadtbahn erreichbar, wäre ideal.

Nothaushalt jetzt!

Quoten-Ossi | 23.11.2012 07:52

Nur ein Nothaushalt wird den Bürgern dieser Stadt endgültig die Augen öffnen. Erst wenn dann alle freiwilligen Leistungen wie Musikschule, VHS, Kita- und Schulzuschüsse, Sportförderung, Sportstätten und Bäder, freie Kultur, Stadtbibliotheken etc. gestrichen wurden, wird man merken, dass diese Dinge einen hohen Stellenwert hatten. Man wird durch harte Zeiten gehen, aber man wird zusammenhalten. Das plötzlich mehr zur Verfügung stehende Haushaltsgeld kann man dann in Besuche der Oper, des Beethovenorchesters und des Kunstmuseums umsetzen.

4€ für diese Bäder sind Wucher

Oliver | 23.11.2012 00:43

In der Kleinstadt, aus der ich komme (Kevelaer), zahle ich als Student 1,50 € fürs Einzelticket. Kaufe ich 12 auf einmal, kostet ein Besuch nicht mal 0,60 €. Das Bad bietet zwar bis auf ein Becken und 2 Sprungbretter so ziemlich nichts, ist aber auch vor wenigen Jahren saniert worden... 2,50€ für Kinder als untere Grenze zu benennen, ist schon dreist.

Opernkarte 10 Euro teurer, Bad 2 Euro günstiger

Christian Laue | 22.11.2012 23:50

Geht und ist bezahlbar, tut keinem weh und löst die Probleme. Es würden ja wohl kaum weniger Leute in die Oper gehen. Ich glaube an einen Zuwachs durch Charity plus Oper- quasi Opa plus. Ist doch auch schöner, mit gutem Gewissen objektiv gesehen übertrieben stark subventionierte Hochkultur zu genießen als die Grundidee von Kultur mit dem Wissen um maßlosen Raubbau am Sozialleben der bürgerlichen Gesellschaft zu konterkarieren.

Schwache Entscheidung

Joe Little | 22.11.2012 22:08

Entweder oder - aber das "Augen zu und durch-Prinzip" kann doch wohl nicht mehr wahr sein! Aber die Aktion mit der "Befragung" ist doch wohl wieder der größte "Bock"! Zum einen wird das wieder mehr Kosten verursachen und zum anderen wird doch nur wieder der "schwarze Peter" hin- und-her geschoben. Anstatt die Politiker, die "Volksvertreter" endlich!!! EINE Entscheidung treffen, wird wieder nach dem Motto gehandelt: "Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis" oder: befrage die Bevölkerung. Die wissen doch schon heute, dass das Ergebnis weder repräsentativ sein wird noch zu einer klaren Entscheidung führen wird. ! Armes Bonn, wer solche "Entscheidungsträger" hat!

modern oder gar nicht?

Carsten | 22.11.2012 22:06

Muss denn alles immer auf MODERN gemacht und teuer saniert werden? Wenn ich schon lese, dass man auf "modernstem Stand" schwimmen soll... Sorry, aber Wasser ist Wasser. In den 60ern waren oder in Osteuropa sind die öffentlichen Bäder oft auch nicht auf so einem modernen Stand, und trotzdem haben die Leute da Spaß. Aber damit wollen wir uns im reichen Deutschland ja nicht vergleichen, hier heißt es entweder teure Sanierung oder Schließung. Daran, mal von dem hohen Standard runterzukommen, denkt keiner, auch wenn wir ihn uns nicht leisten können.

Schluss mit umsonst

Unbekannt | 22.11.2012 19:27

Keiner ist bereit "Opfer" zu bringen. Statt dessen werden eigene Standpunkte vertreten, ohne dass es der Sache dienlich ist. Die einen fordern dieses und die anderen fordern was anderes. Auch der Vergleich mit anderen Städten ist wenig hilfreich. Denn wer für 1,60 € ins Schwimmbad kann, muss dies entweder durch höhere kommunale Abgaben auffangen, oder die Stadt wird handlungsunfähig. Es sollte das oberste Ziel sein zu verhindern, dass Bonn unter das Diktat der Bezirksregierung fällt. Denn dann ist erst recht Schluss mit lustig. Dann entscheidet ein Dritter, was geschlossen werden muss oder nicht. Die nehmen keine Rücksicht auf einzelne Interessen. Für die ist alleine wichtig, dass der Haushalt saniert wird. Ich halte höhere Eintrittspreise für Sporteinrichtungen und Kultureinrichtungen für vertretbar, wenn gleichzeitig besonderen Personenkreisen eine Vergünstigung eingeräumt wird, damit auch diese die Einrichtungen benutzen können.

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