Afghanistan-Konferenz: Ein bisschen wie früher

Außenminister Guido Westerwelle begrüßt den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai auf dem Flughafen Köln/Bonn.

BONN. Es wird enger in der einstigen Bundeshauptstadt, es wird ernst - und es ist ein bisschen wie früher. Noch zwei Tage bis zum offiziellen Beginn der Afghanistan-Konferenz. Die Zahl der Parkplätze schrumpft, Sperren und Kontrollen nehmen zu, die Hektik steigt, aber das Warten hat (noch) kein Ende.

Freitagabend Flughafen Köln/Bonn, militärischer Teil, adventlich geschmückt mit Styropor-Sternen und weißen Weihnachtssternen im Topf, dazwischen ein paar Palmen. Der wichtigste Mann der Afghanistan-Konferenz lässt auf sich warten. Hamid Karsai, der Präsident aus Kabul, ist noch in der Luft. Aus 12.50 Uhr Ankunft wird 15.30, aus 15.30 17.15. Polizisten stehen sich die Beine in den Bauch, Fahrzeugkolonnen, so lang, wie sie Bonn lange nicht gesehen hat, rollen über das Rollfeld. Vor-Konferenz-Hektik.

Dann ist es dunkel und er ist endlich da. Der von der Türkei geleaste Airbus der Ariana Afghan Airlines rollt aus, Karsai entsteigt der Maschine wie gewohnt im grünen Mantel mit blauen Streifen. Im Dunkel des Vorfelds bilden 26 Soldaten das Ehrenspalier, und der deutsche Außenminister begrüßt seinen Gast zweisprachig - in deutsch und englisch.

Er spricht von einer wichtigen Konferenz, die bevorstehe, und der Botschaft, die von ihr ausgehen solle: dass Afghanistan auch langfristig mit Unterstützung der Staatengemeinschaft rechnen könne. Karsai dankt für die große Unterstützung Deutschlands im Aufbauprozess und ab geht's auf den Petersberg (und von dort gleich wieder runter in die Villa Hammerschmidt zum abendlichen Treffen mit Westerwelle). Der Petersberg wird in den Radiohinweisen, die vor der bevorstehenden Sperrung der Autobahn warnen (als die Leute schon kilometerlang im Stau stehen) mal eben zu einer Konferenz "in Petersburg bei Bonn". Aber sonst nimmt alles den geplanten Verlauf.

Fast. Denn mit der Absage Pakistans ist der Konferenzerfolg gefährdet, noch ehe sie begonnen hat. Zwar arbeitet man auf allen Ebenen daran, die Delegation aus Islamabad doch noch an den Rhein zu holen, aber die Chancen stehen nach dem US-Schlag schlecht, sehr schlecht. Ohne Pakistan aber, dem Bindeglied zu Taliban, wird es keine Verständigung über die künftige Entwicklung geben. Michael Steiner, der Beauftragte der Bundesregierung für Afghanistan, versucht derweil und seit Tagen auf dem Petersberg zu retten, was zu retten ist.

Abstimmungsrunde auf Abstimmungsrunde folgt in der Afghanistan-Kontaktgruppe. Berlins Botschafter in Kabul, Rüdiger König (übrigens ein Bonner), ist mit dabei wie auch Afghanistans Außenminister Zalmai Rassoul. Es geht um das Abschlussdokument. Und das will fertig sein, jedenfalls so gut wie, ehe die Konferenz am Montag beginnt. Auch hier gilt: Es wird ernst und es wird eng.