Abschied vom Standort Bonn

Arbeiterwohlfahrt (AWO) zieht 2008 nach Berlin: Einigung mit Mitarbeiter vor Gericht

Bonn. Rund 50 Mitarbeiter sind bereits nach Berlin umgezogen, etwa 80 sind noch im einstigen Hauptsitz der Bundesgeschäftsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Tannenbusch an der Oppelner Straße beschäftigt.

Im Laufe des nächsten Jahres, so Geschäftsführer Rainer Brückers, soll das ständige Hin und Her ein Ende haben und der Bonner Standort der Vergangenheit angehören.

Immerhin rund 200 000 bis 250 000 Euro müsse der Verband seit dem Regierungsumzug pro Jahr allein für die Reisekosten aufbringen, das sei nicht länger zu vertreten. "Wir haben mit Rücksicht auf unsere Mitarbeiter den Umzug gestreckt", erklärte er.

Doch seitdem der AWO-Bundesverband im Heinrich-Albertz-Haus in Berlin eine neue Adresse habe, sei allen klar gewesen, dass spätestens im nächsten Jahr das Bonner Marie-Juchacz-Haus aufgegeben werde.

Etwa die Hälfte der Beschäftigten in Bonn, so schätzt Brückers, werden wohl mit nach Berlin umziehen. Für die Mitarbeiter, für die ein Umzug nicht in Frage komme, sei ein Sozialplan vereinbart worden.

Mit einem Mitarbeiter, mit dem vorherigen Pressesprecher des Bundesverbands, hat sich die AWO am Donnerstag vor dem Arbeitsgericht Bonn geeinigt: Der Mann hatte gegen eine Änderungskündigung geklagt, weil er nunmehr nur noch Pressereferent sein solle, die Funktion des Sprechers indes ein bereits nach Berlin umgezogener Kollege innehat.

Nach dem nun getroffenen Vergleich bleibt dem 60-Jährigen, der eine pflegebedürftige Mutter und ein schulpflichtiges Kind zu versorgen hat, der Umzug an die Spree erspart. Die AWO bietet ihm eine Altersteilzeitregelung nach dem Blockmodell an, nach dem er ab Ende 2008 freigestellt wird. Er wird künftig von Bonn aus federführend die AWO-Mitgliederzeitung betreuen und seinen Kollegen in Berlin bei Ausfallzeiten vertreten.

Wenn der Verband wie vorgesehen im September 2008 umzieht, kann er die restlichen drei Monate der Arbeitsphase von Zuhause aus seinen Job verrichten. Obendrein erhält er eine Abfindung von 30 000 Euro.

Dem AWO-Bundesverband gehören nach eigenen Angaben 29 Landes- und Bezirksverbände an. Er zählt rund 480 000 Mitglieder, die in Ortsvereinen organisiert sind. Neben rund 140 000 hauptamtlich beschäftigten Mitarbeitern engagieren sich noch einmal rund 100 000 ehrenamtliche Kräfte in dem Wohlfahrtsverband.