Abschied ohne Wiedersehen für das Hotel-Restaurant Cäcilienhöhe

Auf der Cäcilienhöhe gehen die Lichter aus. Unwiderruflich. Nach 140 Jahren schließen sich die Türen des berühmten Hotel-Restaurants.

Muffendorf. Am kommenden Montag gehen auf der Cäcilienhöhe die Lichter aus. Unwiderruflich. Nach 140 Jahren schließen sich die Türen des berühmten Hotel-Restaurants, in dem zu Hauptstadtzeiten das halbe Kabinett ein- und ausging, für immer. Die zur Erfüllung der Brandschutzauflagen notwendigen Umbauten des Hauses wären so teuer, dass sich der Betrieb kaum rentabel weiter führen ließe, sagt Betreiber Volker Held-Kerp.

Ein "hoher fünfstelliger Betrag" müsste in die Hand genommen werden, um die im September 2007 von der Feuerwehr festgestellten baulichen Mängel zu beheben, sagt Held-Kerp im Gespräch mit dem GA.

"Der einzige Weg, diese großen Probleme zu lösen, wäre eine komplette Umgestaltung des Hauses gewesen." Nach vielen Gesprächen mit der Eigentümergesellschaft Lubig Immobilien Verwaltung kamen beide Parteien zu dem Schluss, dass eine Fortführung des Betriebs keinen Sinn macht.

Die Kosten für die Umgestaltung des Hauses würden anteilig auf die neue Pacht umgelegt. Damit würden die monatlichen Ausgaben der Cäcilienhöhe, die "ohnehin sehr betriebskostenintensiv" sei, weiter steigen.

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Die Geschichte der Cäcilienhöhe. Bereits 1870 wurde auf der Muffendorfer Höhe eine Schankwirtschaft eröffnet. 1937 wurde das Gebäude umgebaut und erweitert. Bundesweit bekannt wurde das Restaurant in den 70er bis 90er Jahren als Promilokal. Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, ungezählte Minister und Staatssekretäre und auch so manches TV-Sternchen gingen beim Wirt Bruno Pierini ein und aus. Nach seinem plötzlichen Tod 1997 gelang es Ehefrau Flora nicht, die Erfolgsgeschichte des Restaurants fortzuschreiben. 1999 musste der Betrieb Insolvenz anmelden.

Von 2001 bis 2004 versuchten Bernd und Astrid Ewert das Traditionshaus neu zu beleben. Nach gut drei Jahren lief das Restaurant gut, doch der Hotelbetrieb verschlang die Gewinne und mehr. Im Juli 2004 meldete der GA, dass die Cäcilienhöhe erneut "im Insolvenzverfahren steckt". Nur drei Monate später übernahmen Volker Held-Kerp und Dirk Twisterling. Unstimmigkeiten der Geschäftspartner führten 2006 zur Trennung des Duos. Volker Held-Kerp gründete eine neue Betreibergesellschaft und führte die Cäcilienhöhe alleine weiter.

Einen Vorwurf macht Volker Held-Kerp der Lubig Immobilien Verwaltung deshalb nicht. Im Gegenteil: "Die Eigentümergemeinschaft verdient hier nichts. Das sind auch Godesberger, die mit Herzblut an dem Haus hängen." Und selbst wenn sie die Sanierung des Hauses in Angriff genommen hätten, wären weitere Auflagen nur eine Frage der Zeit gewesen, fürchtet Held-Kerp. "Es gibt keine Planungssicherheit."

Die Angst vor neuen Vorschriften ist nicht unbegründet. Als Volker Held-Kerp 2004 zusammen mit Dirk Twisterling den Konzessionsantrag zum Betrieb des Hotels und Restaurants stellte, sei keine Rede von Brandschutzauflagen gewesen. "Wenn der Eigentümer damals schon Bescheid gewusst hätte, hätte man sich das überlegt", meint er rückblickend.

Der Stadtverwaltung will er keinen Vorwurf machen, fragt sich jedoch, ob angesichts des Sanierungsstaus öffentlicher Gebäude nicht zuweilen mit zweierlei Maß gemessen werde. Er hat sogar Verständnis für die unnachgiebige Position des Ordnungsamts: "Wenn die Ampel rot ist, ist sie rot, dann darf ich keinen rüberfahren lassen."

Die Nachricht von der Schließung der Cäcilienhöhe wurde bei den Gästen und vor allem beim Personal "sehr emotional" aufgenommen, sagt Held-Kerp. So manche Träne floss, als er seinen Mitarbeitern die traurige Kunde mitteilen musste.

Zum 31. Januar wurde allen Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt. Die beiden Köche Oliver Senftleben und Daniel Schumacher, die langjährige Leiterin des Service, Jana Wilhelm, und ihre Kollegin Sandra Ruth müssen sich wohl oder übel einen neuen Arbeitgeber suchen.

Seit Volker Held-Kerp 2006 alleine die Leitung des Hauses übernahm, arbeiteten sie gemeinsam daran, den Ruf der Cäcilienhöhe aufzupolieren, der zwischenzeitlich nur noch auf der berühmten Vergangenheit beruhte. Für die Mitarbeiter tut es Held-Kerp besonders leid. Sie hätten das Restaurant zu dem gemacht, was es heute ist, meint er.

Der Zusammenhalt, der Einsatz und die Identifikation mit dem Haus seien etwas ganz Besonderes gewesen. "Das habe ich in meinem ganzen Arbeitsleben noch nicht erlebt", sagt er. Am liebsten würde Held-Kerp mit seiner Mannschaft an anderer Stelle weitermachen. Doch die Suche nach einem geeigneten Objekt gestalte sich schwierig.

Würde die Cäcilienhöhe nur einen Tag länger geöffnet bleiben, droht ein Rechtsstreit. Held-Kerp nutzt die eingeräumten Fristen, soweit es geht. Die Gäste sollen bis zuletzt ihren Aufenthalt uneingeschränkt genießen können. Mit der Abwicklung des Betriebs will er erst im Februar beginnen.

Eine Fortsetzung des Hotel- und Restaurantbetriebes mit einem anderen Pächter schließt die Eigentümergemeinschaft aus. Was mit dem Haus und dem Inventar geschieht, ist noch nicht entschieden, erklärt eine Sprecherin der Lubig Immobilien Verwaltung auf Anfrage.

Volker Held-Kerp fürchtet, dass am Ende die Abrissbirne über der Cäcilienhöhe kreisen könnte. Ein Stück Bonner Geschichte würde damit dann dem Erdboden gleichgemacht.