24 Botschaften sind noch zu haben

BONN. Der Keller ist feucht, die Wände von Schimmel befallen, der Putz bröckelt von den Wänden: sie ist wahrlich keine Zierde, die ehemalige Iranische Botschaft an der Godesberger Allee. Viele Länder tun sich schwer damit, ihre Bonner Immobilien zu verkaufen - Oder sie lassen sie vergammeln.

Seit nunmehr neun Jahren steht die ehemalige Iranische Botschaft leer, "und der Zustand verschlechtert sich zusehend", sagt Wieland Münch, Geschäftsführer des Bonner Maklerbüros R. Dieter Limbach. Die Immobilie gehört zu jenen Botschaften, die in der Branche "Ladenhüter" heißen.

In einer Mitteilung der Stadtverwaltung an den Planungs- und an den Wirtschaftsausschuss heißt es, dass in Bonn derzeit noch 31 Botschaften "aktiv oder mit unterschiedlichen Abteilungen" vertreten sind.

Insgesamt 187 Gebäude, die bis zum Umzug von Parlament und Teilen der Regierung durch Botschaften oder andere exterritoriale Funktionen genutzt wurden, seien inzwischen verkauft worden und würden jetzt anders genutzt.

So ist der Telekom-Neubau an der B9 zum Teil auf dem Grundstück der ehemaligen Britischen Botschaft entstanden, wurde die frühere Südkoreanische Botschaft zu einem Seniorenwohnheim umgebaut und hat sich im ehemaligen Botschaftsgebäude von Katar in der Brunnenallee die siCAT GmbH, die aus der Stiftung Caesar hervorgegangen ist, angesiedelt.

Und in der ehemaligen kanadischen Botschaft, einem Denkmal, das der Architekt Frank Piotrowski geschickt umgebaut und erweitert hat, haben sich das Institut für angewandte Sozialwissenschaften "infas" sowie Abteilungen der Deutschen Post AG niedergelassen.

24 exterritoriale Liegenschaften stehen derzeit allerdings noch leer - wobei in 19 Fällen "Vermarktungsbemühungen von deutscher Seite bekannt sind, überhöhte Kaufpreiserwartungen des Eigentümerlandes den Verkauf aber hemmen", heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Und dem Verkauf von fünf weiteren ehemaligen Botschaften, Residenzen oder Kanzleien stünden politische Gründe entgegen: "So ist zum Beispiel bislang nicht geklärt, wohin ein Erlös aus dem Verkauf der ehemaligen Jugoslawischen Botschaft fließen sollte."

Schwierig sei zudem die Situation in puncto Kongo wegen des Bürgerkrieges in dem afrikanischen Land. Und die Thailänder hätten sich noch nicht entschieden, wer wie ihre Liegenschaften am Rhein nutzen soll.

Die Einschätzung der Stadt teilt Bernhard Hoffmann, Pressereferent des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) West e.V. "Grund für das Tohuwabohu ist oftmals, dass es in dem Land, das Eigentümer der Bonner Liegenschaften ist, Rangeleien zwischen Botschaft, Finanz- und Außenministerium um die Frage gibt, ob und zu welchem Preis die ehemalige Botschaft verkauft werden soll; nicht selten werden die leerstehenden Gebäude auch schlicht vernachlässigt", sagte er dem GA.

In diesem Sinne äußert sich auch Münch und nennt ein Beispiel: Iran. Teheran verlange 3,5 Millionen Euro für seine Ex-Botschaft; dieser Preis sei aber "völlig überzogen". Im vergangenen Jahr habe sich bei ihm ein Kaufinteressent gemeldet, der ein "sehr gutes Angebot" abgegeben hätte.

Doch mit dem Argument, Teheran müsse entscheiden, habe die Botschaft in Berlin erst gar keine Verhandlungen aufgenommen, sagt Münch, der hinzu fügt: "Zudem haben wir immer neue Ansprechpartner; da kann nichts draus werden."

Ihm, vor allem aber der Stadt Bonn und dem Auswärtigen Amt in Berlin sind die Hände gebunden: sie können nichts unternehmen, weil die Gebäude exterritoriales Gebiet sind.

Ähnlich wie im "Fall Iran" sieht es bei Nepal aus. Auch die Residenz des Himalaja-Staates Im Hag in Bad Godesberg verfällt von Monat zu Monat mehr - "und keiner fühlt sich zuständig", sagt der Makler, der die Akte erst einmal in die unterste Schublade verbannt hat.

Keine konkreten Verkaufsverhandlungen würden auch mit Indonesien, Nigeria und dem Irak geführt; deren ehemalige diplomatischen Vertretungen in Bonn sind, derzeit jedenfalls, dem Verfall preis gegeben.

In Bezug auf die Zukunft der ehemaligen Chinesischen Botschaft, die in der Verwaltungsvorlage noch unter der Rubrik "Vermarktung derzeit nicht möglich" geführt wird, zeichnet sich hingegen eine Lösung an. Nach GA-Informationen gibt es ernst zu nehmende Pläne, in dem Gebäudekomplex an der Kurfürstenallee in Bad Godesberg ein deutsch-chinesisches Bildungszentrum einzurichten.