Rosenmontagszug in Bonn

220.000 Jecken feiern Höhepunkt der Session

BONN.  Magier und Meisterköche, Drachen und Löwen, dazu viele Themen, die die Bonner bewegen: 220.000 Narren erlebten einen Rosenmontagszug voller Überraschungen und guter Laune. Fast drei Stunden dauerte es von der Reiterstaffel der Polizei am Anfang bis zum Prinzenwagen als Finale.

"Ich bin sicher, das ist der schönste Tag in meinem Leben", sagt Prinz Rainer I. Mag sein, dass das ein wenig übertrieben ist, er hat die Tage zuvor ja auch 18 Grad und Sonnenschein versprochen. Doch mit Letzterem hat er trotzdem direkt ins Schwarze getroffen: Die Sonne scheint. Die Kinder haben vor allem Augen für die Kamelle, was ihnen nicht zu verdenken ist.

Als Bonns Meisterkomponist verkleidet, ziehen die Mitstreiter vom Beethoven Festspielhaus Förderverein auf einem weiß-goldenen Kutschwagen durch die Innenstadt. Da schließen sich die Fidele Walzbröde (Kolping Bonn) an: "Jezaubert uss em Hot - ons Festspielhaus es jot!" Der Verein Pro Beethovenhalle macht seinen Standpunkt klar: "SimsalaBonn - Uns Hall bliev stonn".

Das zauberhafte Motto bietet den Jecken eine Steilvorlage: Ob im oder am Zug, so viele tragen spitze Hüte und glitzernde Umhänge. Ach, wenn sie mit ihrem Zauberstab nur all die Bonner Probleme weghexen könnten: die all zu steile Rutschbahn nach Berlin (aufgegriffen vom Heinrich-Hertz-Berufskolleg), die zu befürchtenden Kürzungen bei Kultur (Eurotheater Central) und Sport (SSF).

Die Mäuse der Rot-Grünen Senatoren lassen die Getrudiskapelle der historischen, im Krieg zerstörten Altstadt aus dem Zylinder steigen. Die Türme der Namen-Jesu-Kirche laufen Teelichte verteilend über den Markt, während sich im Hintergrund die Spitzen der echten Kirche gen Himmel recken. "SimsalaBonn - jetzt ham mer nen Dom" lautet das Motto der Altkatholiken, die sich auf ihre Bischofskirche freuen. Mit einem riesigen Kopierer ist die Universität Bonn unterwegs und spielt auf die zahlreichen Plagiatsfälle an: Studiere jeht övver kopiere.

Die Karnevalssponsoren von den Goldenen Löwen haben Sternekoch Kolja Kleeberg für den Rosenmontagszug gewonnen, als sie zu Gast in dessen Restaurant Vau in Berlin waren. Kleeberg, in Köln geboren, in Koblenz aufgewachsen und im Bonner "Le Marron" in die Lehre gegangen, ist noch nie auf einem Prunkwagen mitgefahren. Obwohl er sich sonst für gesundes Essen in Kindergärten und Schulen einsetzt, wirft er Kamelle mit vollen Händen. "Ich esse nichts Süßes, aber Gummibärchen sind mein ein und alles", verrät er.

Auch am Zugrand geht es lebhaft zu: In der Breite Straße feiern viele Familien mit Kindern, dazu kommt Musik aus offenen Fenstern. Sobald der Zug eine Lücke aufweist, ziehen die Narren in Polonaise durch. Ab der Marienschule wird der Tross immer mehr zur Nebensache. Bei den Jugendlichen und Studenten in der Altstadt ist Partystimmung angesagt, die Wagen müssen sich durchkämpfen.

"Unser Konzept ist aufgegangen", sagen Polizei und Feuerwehr und sprechen von einem Spektakel ohne große Vorfälle. "Es gab nur ein paar kleine Streitereien", bilanziert Johannes Keßel, Wachleiter in der Innenstadt. 16 Fahrzeuge musste die Stadt abschleppen, weil sie Fluchtwege versperrten. Ansonsten spricht Zugleiter Axel Wolf von einem "Meisterstück" und freut sich am Ende: "Kein Wagen hat eine Schramme."

Der Rosenmontagszug wurde live auf www.kamelle.de übertragen. Da schauten zum Beispiel Marieluise und Terry Geere aus Kananda zu. "Die Sendung vom Marktplatz ist so klar als käme sie aus unserer eigenen Stadt, Niagara Falls", sagen sie. Wer den Zug noch einmal sehen will, klickt für die Wiederholung einfach rein.

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