Überraschungen im Dunkeln

Die Kleidung der Puppe ist vorbildlich: Durch Reflektoren ist sie bei Dunkelheit schon von Weitem zu sehen.

12.11.2011 BONN. Die Nächte sind lang geworden, gerade in der frühen Dämmerung unterschätzen gerade ältere Verkehrsteilnehmer Risiken und ihre eingeschränktere Leistungsfähigkeit.

Die Initiative "Sicher unterwegs - Ein Leben lang", eine Kooperation der Bonner Polizei, des Bonner Amtes für Soziales und Wohnen, der Volkshochschule, Stadtwerke Bonn, Verkehrswacht und des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg, informierte im Polizeipräsidium in Ramersdorf darüber, wie man auch in der dunklen Jahreszeit gut und sicher durch den Verkehr kommt.

"Gerade ältere Menschen werden bei der aktuellen Witterung unsicher. Wir versuchen, ihnen Sicherheit zu vermitteln und konkrete Tipps zu geben, wie sie sich wieder sicherer fühlen können", sagte der Verkehrssicherheitsbeauftragte der Bonner Polizei, Erich Klaus. Um die Problematik zu verdeutlichen, blieb nicht alles Theorie: Im großen Veranstaltungssaal wurde ein Laufparcours eingerichtet.

Mit einem Helm, der die mögliche eingeschränkte Sehfähigkeit von Verkehrsteilnehmern über 70 Jahren simuliert, galt es, mit einer Taschenlampe durch den düsteren Raum zu laufen. Eine Kinderpuppe mit Warnweste war dabei gerade eben noch zu erkennen, eine weitere Figur in dunkler Winterkleidung kaum noch zu erkennen. "Wir zeigen hier auch, wie überlebenswichtig im Dunkeln gut sichtbare Kleidung ist", sagte Klaus.

Fußgängern und Radfahrern empfiehlt Cornelia Brodeßer von der Verkehrswacht, sich nicht nur möglichst hell zu kleiden, sondern unbedingt auch auf Reflektoren oder sogar Blinklichter zurückzugreifen. "Die Lichter sind gut an Kinderwagen und Rollatoren anzubringen. Es reicht auch ein Fahrradrücklicht. Besonders an Kleidung von Kindern sollten geprüfte Blinkreflektoren hängen. Ein dunkel gekleideter Fußgänger wird bei etwa 25 Metern Entfernung wahrgenommen, mit kontrastreicher Kleidung schon ab 40 Metern, mit zusätzlichem Reflexmaterial ab 130 Metern."

Brodeßer lud Besucher zu einem Reaktionstest ein. "Der Versuch ist einfach. Beim Aufleuchten einer grünen Lampe muss vom Gaspedel auf die Bremse gewechselt werden", sagte sie. "Gerade zu dieser Jahreszeit überschätzen viele Leute ihre Reaktionsfähigkeit und unterschätzen die schwierigen Fahrbedingungen. Hinzu kommen Müdigkeit und auch Medikamente", warnte sie. Viele frei verkäuflichen Mittel schränkten das Fahrvermögen ein.

"Die Fahrer wollen schnell gesund werden, medikamentieren sich selber und beachten nicht die Nebenwirkungen. Völlig harmlose Mittel werden bei einer Überdosierung gefährlich", sagte Brodeßer.

 

Ratschläge bei Dunkelheit

Älteren Fahrern wird unbedingt empfohlen, ihre Sehkraft regelmäßig von einem Arzt oder Optiker prüfen zu lassen. Insbesondere bei verstärkter Blendempfindlichkeit empfiehlt die Polizei vorsorglich, einen Arzt aufzusuchen.

Beim Kauf von Brillen solle auf ungetönte entspiegelte Gläser geachtet werden. Man solle sich beim Optiker speziell fürs Sehen bei Dunkelheit beraten lassen.

"Genauso rate ich, schon möglichst früh zwischendurch den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen", so Polizist Erich Klaus. Die Angst vor einer Zeit ohne Auto sinke mit der ÖPNV-Routine.

  (Frank Auffenberg)