Überleben im Poppelsdorfer Studentenbunker

Wie lebt es sich zu zweit auf nur sechs Quadratmetern? Dr. Hartmut Ehrentraut und Dr. Günter Preusche (beide 87), wissen es ganz genau. Denn die beiden Senioren haben als Studenten 1948 in dem Poppelsdorfer Hochbunker gewohnt.

Bonn. Wie lebt es sich zu zweit auf nur sechs Quadratmetern? Dr. Hartmut Ehrentraut und Dr. Günter Preusche (beide 87), wissen es ganz genau. Denn die beiden Senioren haben als Studenten 1948 in dem Poppelsdorfer Hochbunker gewohnt. Damals waren sie 25 Jahre alt und hatten ihre Mini-Unterkunft in dem Stollengang, der an der Trierer Straße 80 Meter tief in den Kreuzberg hinein führt. "Studentenbunker" stand damals auf einer Leuchtreklame am Eingang, eine Zeitung überschrieb einen Artikel seinerzeit mit der Schlagzeile "Studium auf Stottern".

Ehrentraut wohnte in "Zelle 130", daran kann er sich genau erinnern. Etwa 2,20 x drei Meter war sie groß, von den anderen Zimmerchen und dem schmalen Gang abgeteilt durch Mauern, deren Reste sich heute noch auf dem Fußboden abzeichnen. Fenster gab es nicht, nur eine schmale Eingangstüre. Im Raum standen drei (Etagen)-Betten, ein Tisch, kein Stuhl. Dafür war kein Platz. Kein Wunder, dass auch das freie Bett genutzt wurde. "Irgendwo mussten wir unsere ja Sachen hinlegen", sagt der ehemalige Lehrer am Friedrich-Ebert-Gymnasium.

Sein Kommilitone Preusche studierte Medizin und wohnte ein paar Meter weiter in einer anderen der insgesamt 38 "Zellen" - ganz am Ende des langen Bunkergangs im Querstollen. Als er um die Ecke biegt, weiß er sofort: "Die hier, diese blaue, das war meine Zelle." Unverkennbar.

Die Wand ist - 63 Jahre später - immer noch blau. Nägel haben sie in die Wände geschlagen, um ihre Jacken aufzuhängen, berichten die beiden Zeitzeugen. Einige hätten die "Zellen" tapeziert, andere Sterne an die Decke gemalt, "damit es freundlicher aussah". Anrecht auf Einzelzimmer hatten übrigens nur Examenskandidaten.

Die beiden Senioren, die auf Einladung der Gästeführerinnen von "Bonntouren" noch einmal den Bunker besuchten, hatten es dort unterschiedlich lange ausgehalten. Preuschke zog nach acht Wochen wieder aus, Ehrentraut blieb ein Jahr in der engen Behausung. "Dann habe ich meine Kriegsbeschädigtenrente bekommen und konnte mir eine richtige Bude leisten." Allerdings finden sich in alten Aufzeichnungen auch Hinweise darauf, dass ein Student sogar zehn Jahre lang im Bunker gewohnt haben soll.

An alles konnten sich die beiden Senioren im Bunker nicht mehr erinnern. Die moderne Lüftungsanlage gab es damals noch nicht. "Auch auf Duschen kann ich mich nicht besinnen", sagt Ehrentraut. "Ich bin dazu immer ins Viktoriabad gegangen." Im Bunker gab es nur einen Waschraum für alle. Und wo wurde gekocht und gegessen? "Dafür sind wir immer ins Leoninum gegangen", antwortet Preusche und lacht: "Wir nannten das damals zum Heiligen Löffel."

Info

Wer an einer Bunker-Führung teilnehmen möchte, kann sich per E-Mail an bonn@bonntouren.demelden.

Dafür war die Miete im Bunker moderat. "Im ersten Monat nichts, dann acht Mark", erinnert sich Ehrentraut. Und obwohl es in dem Bunkerstollen nie mehr als zehn Grad warm ist, haben die Studenten damals nicht gefroren. "Da wurde jede halbe Stunde warme Luft durch die Lüftungsrohre geblasen." Und Preusche erinnert sich: "Das war gar nicht so laut." Auch für Unterhaltung war manchmal gesorgt, auf dem Dach der Unterkunft gab es so genannte "Bunkerdeck-Tanzabende".

Weil nur wenige Besucher bisher die Gelegenheit hatten, den dreistöckigen Hochbunker zu besichtigen, wollen die Gästeführer ein Konzept dafür ausarbeiten. Genutzt wird der Bunker nicht. Eer ist leer, seit das Technische Hilfswerk dort nicht mehr übt und die Anlage freigegeben wurde. Das Gebäude, das bis zu 4,70 Meter dicke Stahlbetonwände und 1,40 Meter dicke Decken hat, gehört Ira Storck und Dorothee Kniesel, die auf dem Bunkerdach ihre Häuser gebaut haben.

"Der Bunker ist jetzt quasi unser Keller", sagt Storck. Wie dieser genutzt wird, ist noch unklar. Die beiden Frauen suchen Mieter: Musiker, Sportler, Maler oder Weinhändler könnten die Fläche in Beschlag nehmen . Der Traum, im Inneren ein Tanzlokal zu betreiben, ist laut Storck schon geplatzt, so Storck: "Das erlaubt die Stadt nicht."