Tipps vom Experten

Wenn Wespen sich als Untermieter einnisten

BONN. Ein Insektennest am oder im Haus ist noch kein Grund zur Panik, denn die meisten Arten sind ungefährlich oder naturgeschützt. Deshalb gilt: Erst informieren, dann handeln. Ein Bonner Experte gibt Tipps rund um Wespen und Hornissen.

Wespen und Hornissen gehören nicht gerade zu den beliebtesten Insekten, ihre Wehrhaftigkeit ist gefürchtet. Auch das auffällig schwarz-gelb-geringelte Äußere einer Wespe signalisiert „Achtung“ – und in diesem Fall ist die auch geboten: Ein Wespenstich schmerzt nicht nur, er kann oft auch folgenreiche Abwehrreaktionen des Körpers hervorrufen.

Ein Niederbachemer Hausbesitzer war daher auch wenig erfreut, als sich vor wenigen Wochen eine Wespenschar direkt über seiner Tür zum Garten – zwischen dem Übergang des Mauerwerks ins Dachgebälk – einquartiert hatte. Zumal auch regelmäßig Kinder in dem Garten spielen.

Was die Sache vollends zum Problem machte: Die ungebetenen Untermieter hatten sich ein Nest in die Styroporisolierung auf der Dachbetonplatte gefressen und vermehrten sich so stark, dass tagsüber der Flugbetrieb im Garten störte. Was also tun? In Eigenregie mit chemischen Mitteln wie einem Giftspray den Insekten den Garaus machen? Einen Schädlingsbekämpfer bestellen? Oder gar versuchen, die Wespen auf vergleichsweise friedlichem Wege umzusiedeln? Der General-Anzeiger fragte bei einem Experten in der Region nach.

Liste der Vorurteile ist lang

Gerade während der Sommerzeit wollen Hausbewohner Naschwerk und Gegrilltes im Garten genießen, was oft zu Konflikten mit Wespen führt. Gleichwohl warnen Fachleute: Gerade gegenüber Wespen und Hornissen ist die Liste der Vorurteile lang. „Aufklärung ist auch heute noch dringend notwendig, denn kaum eine Tiergruppe ruft so heftige Reaktionen hervor wie diese unter dem wissenschaftlichen Begriff Hautflügler zusammengefassten Insekten“, heißt es dazu auf der Internetseite des Naturschutzbund Deutschland (Nabu). „Die Tatsache, dass nur wenige Menschen mit der Lebensweise von Wespen oder Hornissen vertraut sind, hat zur Bildung von Mythen und Vorurteilen beigetragen“, betont Nabu-Expertin Melanie von Orlow.

Das kann der Bonner Nabu-Mitstreiter Klaus Maresch, der seit 35 Jahren Berufsimker ist und dabei auch viel mit Wespen und Hornissen zu tun hat, nur bestätigen: „Viele Menschen, die Rat bei mir suchen, verwechseln ein Wespen- oft mit einem Hornissennest.“ Auch eine Unterscheidung zur Biene falle manchem nicht leicht, erklärt Maresch, der nach eigener Aussage bereits oft beim Auffinden von Wespen- und Hornissennestern von Ordnungsbehörden hinzugezogen wurde.

Grundsätzlich weist man beim Nabu auch darauf hin, dass nur zwei der acht in Deutschland heimischen Wespenarten auf Süßes oder Herzhaftes stehen. Nämlich die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Gleichwohl würden eben auch andere Vertreter der Gattung wie Hornissen und Langkopfwespen, die auch unter Vordächern nisten, über einen Kamm geschert und ausgeräuchert. Für Klaus Maresch ist das ein Frevel, „denn Langkopfwespen sind harmlos“.

Kühlen Kopf bewahren

Statt blindem Aktionismus rät er grundsätzlich, erst einmal einen kühlen Kopf zu bewahren: „Ein frei hängendes Nest am Dach ist gewöhnlich ein Nest der Mittleren Wespe, mit der man gut zusammenleben kann.“ Die Insekten seien nicht aggressiv, wenn das Nest nicht erschüttert werde. Sind Fenster in der Nähe, sollte „ein Fliegendraht ausreichen“.

Anders verhalte es sich allerdings, wenn die Deutsche oder Gemeine Wespe ein Nest am oder im Haus gebaut habe: „Deren Populationen kann in manchen Jahren durchaus mehrere Tausend Tiere umfassen“, erklärt er. Besonders wenn ein Haus noch über Rollladenkästen älterer Bauart verfüge, könne es passieren, dass sich die Wespen durch diese Kästen nagen, um dort ihr Nest zu bauen. Auch ist es schon vorgekommen, das Maresch zu einem Hausbesitzer gerufen wurde, bei dem sich ein Wespennest in einer Dachschräge über einer Rigipsplatte fand. Solche großen Nester produzieren „eine ganze Menge an Ausscheidungen, so dass es zu starken Geruchsbelästigungen kommen kann“, erklärt Maresch: „Es erscheint ein dunkler Fleck an der Decke oder am Rollladenkasten, es tropfen Kot und Urin heraus.“ Dass wiederum locke Fliegen- und Käferlarven an.

Guter Rat ist dann teuer: „Aus einem Rollladenkasten lassen sich Wespennester nicht umsiedeln“, betont Maresch: „Sie sind so fragil, dass sie zerbrechen. Hier kommt also nur eine Abtötung infrage.“ Da hier Gifte verwendet werden müssen, sollte das ein Experte übernehmen.

Vermieter müssen Nester gegebenenfalls beseitigen

Entgegen mancher Überzeugung schreitet laut Maresch die Feuerwehr nur dann ein, „wenn etwa öffentliche Plätze betroffen sind und Gefahr im Verzug ist“. Die Grillparty im Garten mit dem Erdwespennest falle nicht unter diese Kategorie. „Wenn in Bonn an Gehwegen mit Grünflächen ein Wespennest auftaucht, kann man das Ordnungsamt kontaktieren“, ergänzt Klaus Maresch.

Der Eigentümerverband Haus & Grund weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass Mieter von ihren Vermietern die Beseitigung von Wespennestern auf dem Balkon verlangen können. Eine Beeinträchtigung des Balkons müsse dafür allerdings gegeben sein.

Von Eigeninitiative beim Vorgehen gegen Wespen hält Maresch wenig: „Das versetzt die Nester oft nur in Alarmbereitschaft. Eine Wespenkolonie kann man nicht zu einem Umzug veranlassen, wohl aber dazu, schon bei geringsten und vermeintlichen Störungen aggressiv zu reagieren.“

Rücksicht geboten

Im Umgang mit Hornissen ist nach Auskunft des Bonner Experten besondere Rücksicht geboten: „Die Insekten stehen unter Naturschutz, und ihre Nester dürfen nur mit Sondergenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde umgesiedelt werden.“ Da die Waben recht stabil seien, falle es einem Fachmann nicht schwer, diese aufzunehmen und an einem anderen Ort wieder aufzustellen: „Die Arbeiterinnen werden vorher ins Nest gesetzt und die Kolonie kann so weiterleben“, führt er aus. Für Hornissen gelte ohnehin, „dass sie sehr friedlich sind“.

Was Maresch dem Niederbachemer Hausbesitzer zur Behebung seiner Wespenplage rät? „Ein Fachmann sollte erst einmal genau bestimmen, um welche Insekten es sich handelt.“ Erst dann könne man handeln – oder im Falle, dass es sich um friedlichen Wespen handelt, bis zum Herbst abwarten: „Dann sterben die Völker ohnehin.“

Infos: Wer Rat im Umgang mit Wespen sucht, den berät Klaus Maresch gern ehrenamtlich. Weitere Infos unter http://honighaeuschen.de oder beim Nabu unter www.nabu.de.