Verwahrloste Pflegestellen in Hennef

Vereine tragen die Verantwortung

Bis alle Untersuchungen und Behandlungen abgeschlossen sind, bleiben die Hennefer Hunde in Quarantäne FOTO: TIERHEIM TROISDORF

Bis alle Untersuchungen und Behandlungen abgeschlossen sind, bleiben die Hennefer Hunde in Quarantäne FOTO: TIERHEIM TROISDORF

08.02.2016 Hennef. Für den jüngsten Fall von unkontrollierter Tierhaltung in Hennef scheinen die Tierschutzvereine verantwortlich zu sein. Insgesamt 22 Hunde und eine Katze wurden im Januar gerettet.

Immer wieder werden Fälle von sogenanntem Animal-Hoarding bekannt, wo Menschen eigentlich aus Liebe zu den Tieren das rechte Maß verlieren, sich mit immer mehr Tieren umgeben und schließlich die Kontrolle verlieren. Eine artgerechte Versorgung ist meist dann nicht mehr möglich.

Werden solche Fälle bekannt, ist die Empörung groß: So wie im Januar, als in Bad Godesberg 27 Katzen in einer kleinen Wohnung gefunden wurden, oder wie in dieser Woche, als 22 Hunde und eine Katze aus zwei Wohnungen einer Henneferin geholt werden mussten, die gerade umzog (der GA berichtete). In beiden Fällen lebten die Tiere auf engstem Raum, verwahrlost und im eigenen Kot.

Das Pikante am Hennefer Fall ist jedoch, dass die 22 Hunde und eine Katze vermutlich von unterschiedlichen Tierschutzvereinen stammen, die sie der Henneferin bis zur Vermittlung in Pflege gegeben und dort offensichtlich nicht mehr kontrolliert haben. Tierschutzorganisationen verfügen meist über mehrere Pflegestellen, wo die Tiere bis zur Vermittlung leben.

Welche und wie viele Tierschutzvereine dafür verantwortlich sind, untersucht derzeit das Kreisveterinäramt. Rita Lorenz, Pressesprecherin des Kreises, erklärte: „Die Besitzverhältnisse der einzelnen Tiere sind noch völlig unklar und müssen erst ermittelt werden.“ Sobald die gefunden seien, werden auch die rechtlichen Schritte geprüft, da hier ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt.

Sieben Hunde sind aufgrund von Alter und Krankheit behindert und wurden auf einen Gnadenhof untergebracht: Die 15 anderen Hunde und die Katze befinden sich noch auf der Quarantänestation des Tierheimes. „Sie haben alle Ohrmilben und zum Teil schlimme Zahnentzündungen“, sagt Katharina Kühle, stellvertretende Tierheimleiterin. Die Behinderungen der Tiere seien jedoch nicht von der Haltung in Hennef verursacht, sondern von Krankheiten und Unfällen.

Kühle war schockiert von den Zuständen in der Wohnung: „Das war reine Aufbewahrung, es gab kein Gassigehen und offensichtlich keine tierärztliche Versorgung.“ Dabei gebe es klare Richtlinien vom Deutschen Tierschutzbund, wie viel Raum welcher Tierart zur Verfügung gestellt werden müssen. Auch wisse sie von den hiesigen Tierschutzvereinen, dass diese hohe Auflagen an ihre Pflegestellen haben und sie kontrollieren.

Kühl: „Auch wir haben Pflegestellen, die wir selbstverständlich kontrollieren.“ Sie vermutet, dass vor allem kleine und halbprivate Vereine dafür verantwortlich sind, die zwar in guter Absicht Tiere auch aus dem Ausland retten, sie dann aber nicht vermittelt bekommen und überfordert sind. Kühle: „Das ist falscher Tierschutz. Aber wir werden immer wieder mit solchen Fällen konfrontiert.“

Empört sind vor allem auch die Tierschutzvereine aus der Region, die auch über mit Hilfe des General-Anzeigers ihre Tiere vermitteln. Elke Kreuder von Bonner Verein Verein „Noah Menschen für Tiere“ sagt: „Alle verantwortlichen Vereine besuchen und kontrollieren ihre Pflegestellen regelmäßig. Bei uns dürfen auch pro Pflegestelle maximal fünf Hunde aufgenommen werden.“ In der Regel seien es aber weniger. Finanzielle Motive könne es dafür nicht geben, da die Vereine nur die Kosten für das Tier gegen Rechnung ersetzen.

Auch für den Tierschutz Siebengebirge ist der Fall nicht nachvollziehbar. Silke Riehmann: „Unsere Pflegestellen sind uns persönlich bekannt und werden auch vorher besucht und geprüft.“ Bevor ein Tier dort aufgenommen werde, kontrolliere der Verein die genaue Unterbringung. Pflegestellen würden zudem in die Richtlinien des Vereins eingewiesen und die Tiere regelmäßig besucht. Außerdem seien alle Pflegestellen dem Veterinäramt des Kreises gemeldet.

„Das Veterinäramt ist aber nicht für die Kontrolle der Pflegestellen verantwortlich. Das ist Aufgabe des jeweiligen Tierschutzvereins“, betont Kreissprecherin Lorenz. Das Veterinäramt sei nur für „erlaubnispflichtige“ Vereine und Organisationen wie Tierheime zuständig, wo offiziell Tiere in großer Zahl unterbracht werden. Nicht jedoch für Pflegestellen. Das Veterinäramt werde nur dann tätig, wenn ein Verdacht auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gemeldet wird.

So ist es auch im Hennefer Fall gewesen: Eine Tierschützerin wurde bei der Überprüfung der Pflegestelle für eine Katze auf die Missstände aufmerksam und hatte daraufhin das zuständige Veterinäramt informiert. Bei Verdacht auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz sollte das umgehend getan werden.

Info: Veterinäramt Bonn, Telefon (0228) 772757, per Mail: veterinaeramt@bonn.de; Veterinäramt Rhein-Sieg-Kreis: (02241) 132335, per Mail: veterinaeramt@rhein-sieg-kreis.de (Doris Pfaff)