Kängurus, ein Wal und ein Flußpferd

Diese tierisch skurrilen Begegnungen gab es schon in der Region

Bonn. In den vergangenen Tagen sorgten gleich mehrere tierische Begegnungen für Aufsehen. Nicht das erste Mal in Bonn und der Region. Ein Blick in unser Archiv.

Ein Schwan auf der Autobahn, ein Elefant in einem Wohngebiet oder auch drei Esel auf Reisen: Die vergangenen Wochen hatten gleich mehrere tierische, manchmal skurrile Meldungen zu bieten. In Bonn und der Region gab es solch tierische Begegnungen schon mehrfach, wie ein Blick in unser Archiv verrät. Und nicht immer sind die Tiere, über die in den vergangenen Jahren hier berichtet wurde, gleich mit Bonn und der Region in Verbindung zu setzten - Kängurus und der Kottenforst beispielsweise. Dabei gab es hier eine wahre Population, die allerdings jäh beendet wurde. Oder ein Wal und der Rhein? Das wiederum ist die wohl bekannteste Bonner Tiergeschichte.

Am 13. Juni 1966 machte die Meldung in Bonn schnell die Runde: Im Rhein schwimmt gerade ein Wal vorbei - genauer gesagt ein vier Meter langer Weißwal, auch Beluga genannt. Schon rund einen Monat zuvor wurde er in Duisburg das erste Mal gesichtet, mehrere tausend Kilometer entfernt von den arktischen Gewässern, seinem natürlichen Lebensraum. Schnell wird er als "Moby Dick" getauft, schwimmt wochenlang zwischen Ijsselmeer und Wesel, taucht am 11. Juni in Köln und eben zwei Tage später in Bonn wieder auf. Eine kurzzeitige Jagd mit Betäubungsgewehren wird auf öffentlichen Druck hin schnell wieder abgeblasen und so wird Moby Dick am 16. Juni 1966 zum letzten Mal bei Hoek van Holland gesehen.

Apropos Rhein, hier hat es im Januar 2018 auch ein Wildschwein hin verschlagen. Dieses war zuvor in Limperich durch die Straßen gelaufen, riss dabei einen Radfahrer um, verletzte ihn leicht und versuchte im Anschluss vergeblich, ein Schiff, das am Ufer lag, zu entern. Also schwamm das Schwein - jetzt begleitet von einem Boot der Wasserschutzpolizei - stromabwärts, ging zurück an Land und  verschwand im Dickicht.  Nachweislich ein guter Schwimmer, dieses Wildschwein.

Das kann man von einer Kuh in Windeck nicht zwingend behaupten - auch wenn sie es versucht hat. Nachdem sie im Mai 2016 mit fünf weiteren Kühen von einer Weide ausgebüxt war, landete das namenlose Rind im Pool von Landwirt Heinz Willi Schüler. Da die Kuh sich mühsam über Wasser hielt und nicht selbstständig wieder aus dem Becken kam, musste die Feuerwehr den Pool leerpumpen und mit Stricken und der Drehleiter die mittlerweile betäubte Kuh befreien. Gesundheitliche Folgen gab es für das Tier keine.

Elsbeth auf Erkundungstour

Die gab es auch nicht für einen Elefanten in Neuwied, der aus dem Zirkus ausbrach und eine Erkundungstour durch Neuwied startete. Er fand genauso den Weg zurück in den Zirkus wie das Flußpferd Elsbeth. Dieses hielt die Menschen in den 1990er-Jahren gleich in mehreren Städten auf Trab, da es immer wieder davonlief. So auch 1993 bei einem Fototermin vor dem Poppelsdorfer Schloss. Sie setzte ihre fünf Zentner derart schnell in Bewegung, dass ihre drei Aufpasser keine Chance hatten. "Ich wusste nicht, dass Flußpferde so schnell sind", zitiert der General-Anzeiger am 26. Oktober 1993 einen Zirkussprecher. Elsbeth lief die Meckenheimer Allee entlang, kollidierte dabei noch mit einer Radfahrerin und beendete ihren Ausflug in einem Hinterhof. Dort konnte sie mit Hilfe von Möhren - immerhin ihre Lieblingsspeise - wieder in den mobilen Käfig geführt werden. Nicht der erste Ausflug: Im Sommer 1990 machte Elsbeth einen einwöchigen Badeurlaub in der Regnitz bei Fürth.

Flußpferd Elsbeth nutzte 1993 einen Fototermin am Poppelsdorfer Schloß zur Flucht.

 

Einen solchen Ausflug machten im Mai dieses Jahres auch die drei Esel Molli, Joschi und Fleur. Mitten in der Nacht machten sich die drei auf und irrten durch Bad Godesberg. Die Polizei fing die Tiere ein und brachte sie zunächst einmal zur Wache.  Polizeisprecher Robert Scholten sagte dazu: "Da war Saloonatmosphäre." Die Tiere wurden am Treppengeländer angeleint, bis die Besitzerin aufkreuzte. Die Polizei ermittelte einen der Esel als Anführer der Bande und nannte ihn Klaus-Dieter. Ein Beamter rief diesen Namen, woraufhin dieser Esel den Kopf hob und so von der Polizei seinen neuen Namen erhielt: "Er hat gehört, dann wird er auch so heißen."Auch für dieses Trio war es nicht der erst Ausflug: Schon zwei Jahre zuvor tauchten sie plötzlich im Bad Godesberger Kurpark auf. Damals wurden Molli, Joschi und Fleur von der Feuerwehr aufgegriffen.

Die Polizei fing die Ausreißer ein und brachte sie zur Wache.

Die drei Esel Molli, Joschi und Fleur zogen durch Bad Godesberg.

 

Kängurus im Kottenforst

Eingefangen werden mussten auch im April 2015 zwei Kängurus in Brühl in Folge des Sturmtiefs "Niklas". Der Wind beschädigte ihr Gehege so stark, dass sie aus diesem ausbrechen konnten. Die Polizei stellte eines der Tiere auf einem Acker, das zweite ließ sich allerdings dort nur kurz blicken und nahm Reißaus. Mitten in der Nacht gab es dann die Entwarnung: Das Känguru hüpfte alleine wieder zurück ins Gehege.

Auch wenn Kängurus auf den ersten Blick nicht so wirklich ins Rheinland gehören, gibt es doch eine lange Tradition hier im Rhein-Sieg-Kreis. Der Heimerzheimer Philipp Freiherr von Boeselager brachte 1887 zwei männliche und drei weibliche Kängurus mit von einer Reise. Aus ihrem Gehege an der Burg Heimerzheim büxten die Tiere allerdings aus und lebten fortan im Kottenforst weiter. Dort vermehrten sie sich überraschend stark, überstanden auch die kalten Winter und so stieg die Population innerhalb weniger Jahre auf rund 40 Tiere. Durch ihr Fressverhalten verjagten sie nicht nur die heimischen Tiere, sondern verärgerten auch die Bauern, da sie ihre Feldfrüchte aßen. Die Folge: Die Tiere wurden vertrieben, gejagt und gewildert. Im ersten Weltkrieg sollen die Tiere auch in Zeiten von Nahrungsmittelknappheit mehrere Heimerzheimer Familien vor dem Hunger gerettet haben.

Doch nicht für jedes Tier endet die Geschichte so tragisch. Als bestes Beispiel dient hier Fuchs Jerry, den Jäger Franz-Josef Becker aus Geislar als verletzten Welpen aufgenommen und von Hand aufgezogen hat. Er ist deshalb sehr zahm und anhänglich und zog, als er flügge geworden war, auch schon einmal durch die Gärten der Nachbarn. Das darf er jetzt zwar nicht mehr, aber in einem ausreichend großen Gelände bei Franz-Josef Becker weiter leben.

Fuchs Jerry lässt sich von Franz-Josef Becker kraulen.

Fuchs Jerry lässt sich von Franz-Josef Becker kraulen.