Fünf Maßnahmen nach Sturmtief "Burglind"

Was Hausbesitzer bei Wasserschäden tun können

Hochwasser in Bad Godesberg.

Hochwasser in Bad Godesberg.

05.01.2018 Bonn. Das Wasser steht im Keller. Doch was nun? Der wichtigste Rat: keine Panik. Denn wer vorschnell handelt, schadet unter Umständen dem Gebäude und verliert Versicherungsansprüche.

Nachdem das Sturmtief "Burglind" über Bonn und die Region hinweggefegt ist und erhebliche Sturmschäden verursacht hat, richten sich die Augen jetzt auf die Pegelstände der Flüsse. Seit der Silvesternacht ist der Rheinpegel innerhalb weniger Tage um rund zwei Meter gestiegen. Am Freitagmorgen um 9.30 Uhr lag der Wert mit 6,99 Metern kurz unter der Sieben-Meter-Marke. Vielen Hausbesitzern drohen Wasserschäden.

Bei Flussüberschwemmungen, in der Regel eine Folge von Starkregen, zahlt eine Elementarschadensversicherung. Doch die Mehrheit der deutschen Hausbesitzer hat keine Elementarversicherung abgeschlossen. Wie man richtig reagiert, wenn der Keller unter Wasser steht und was es in puncto Versicherung zu beachten gilt:

1 Absichern

Der erste Griff gilt nicht dem Putzeimer. Zunächst müssen Hausbesitzer überprüfen, ob der Strom abgestellt ist. Sonst kann ein Kurzschluss im Keller zur tödlichen Gefahr werden. Daher gilt der Rat: Liegt der Stromkasten dort, wo das Wasser ist, besser die Feuerwehr oder den Energieversorger anrufen. Das empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) auch, wenn im Keller Heizöl oder andere gefährliche Substanzen freigesetzt worden sein könnten.

2 Auf sinkenden Pegel warten

Der Schritt fällt schwer: Man darf nicht in jedem Fall sofort das Wasser abpumpen – bei hohen Pegelständen sogar erst, wenn der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist. Sonst kann das die Bodenwanne des Hauses beschädigen, warnt das BBK. Das Bundesumweltministerium ergänzt in seiner Hochwasserfibel als Richtwert: Mit dem Abpumpen kann man beginnen, wenn der Außenwasserstand niedriger ist als der Wasserstand im Haus.

Außerdem sollte man die Versicherung umgehend verständigen und das Aufräumen mit dieser besprechen, erklärt die Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Wer übereilt handelt, verliert unter Umständen Versicherungsansprüche.

In Mehlem ist es zu Überschwemmungen gekommen.

In Mehlem ist es zu Überschwemmungen gekommen.

3 Abpumpen und Schlamm entfernen

Nun sollte es trotzdem schnell gehen: Gefahrenquellen müssen beseitigt und so abgesichert werden, dass kein weiterer Schaden entsteht. Das Wasser muss baldmöglichst weg, damit sich Holz, Dämmungen und Trockenbau-Elemente nicht vollsaugen, erklärt Werner Weigl, Vizepräsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Trocknet Schlamm, wird er zu einer schweren, festen Masse. Wenn Wasser abfließt, kann man Schlammreste mit sauberem Wasser wegspritzen.

Dabei gilt: Flüssigkeitsdichte Gummihandschuhe und unter Umständen zusätzlich darüber schützende Bauhandschuhe sind sinnvoll. Denn der Schlamm kann Fäkalien, Heizöl und andere Giftstoffe enthalten. Hautkontakt muss vermieden werden, wie der Verband Deutscher Sicherheitsingenieure erklärt. Wichtig: nasse Geräte, Steckdosen oder Schalter nicht nutzen.

Wenn Wassermassen den Keller fluten, entstehen am Haus oft schwere Schäden. Eine Elementarschadenversicherung übernimmt die Kosten.

Wenn Wassermassen den Keller fluten, entstehen am Haus oft schwere Schäden. Eine Elementarschadenversicherung übernimmt die Kosten.

 

4 Schadensliste erstellen und der Versicherung melden

Ist das Wasser aus dem Keller heraus, sollten Hausbesitzer zuerst eine Schadensliste erstellen und Fotos zur Dokumentation machen, rät die Verbraucherzentrale. Unter Umständen kann es sogar sein, dass ein Gutachter die Räume ansehen muss, bevor man richtig aktiv werden darf. Hier ist besonders wichtig: Nichts wegwerfen ohne Absprache. Ist das Gebäude beschädigt, sollten die Nachbarn außerdem als Zeugen ein Protokoll anfertigen.

Der Liste werden idealerweise Einkaufsbelege der Gegenstände beigelegt. Sind die Belege nicht mehr vorhanden, sollten Betroffene das Protokoll aus dem Gedächtnis ergänzen und Anschaffungszeitpunkt sowie ungefähren Neupreis angeben. Von den Papieren sollten sie vor dem Absenden an die Versicherung eine Kopie für die eigenen Unterlagen machen.

Starkregen kann dazu führen, dass Wasser in den Keller läuft. Mieter müssen in solchen Fällen den Vermieter informieren.

Starkregen kann dazu führen, dass Wasser in den Keller läuft. Mieter müssen in solchen Fällen den Vermieter informieren.

Die Hausratversicherung kommt zum Beispiel dafür auf, wenn das Wasser ins Haus eingedrungen ist und die Möbel beschädigt hat. Die Wohngebäudeversicherung übernimmt Schäden am Gebäude wie durchnässte Mauern. Allerdings müssen die Verträge laut Verbraucherzentrale eine Elementarschadensklausel beinhalten. Diese muss beim Vertragsabschluss gesondert vereinbart werden.

Die Hausrat- oder Gebäudeversicherung kommt nicht immer für Schäden durch Grund-, Hochwasser oder Witterungsniederschläge auf, erklärt der Bund der Versicherten (BdV) in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Der Schaden werde nur ersetzt, wenn der Versicherungsschutz auch sogenannte Elementarschäden umfasst. „Versicherte müssen im Schadensfall aber mit einer Selbstbeteiligung rechnen“, sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfahlen.

Bei Starkregen steht so mancher Keller schnell unter Wasser. Doch die Mehrheit der Deutschen Hausbesitzer hat keine Elementarversicherung gegen Naturkatastrophen abgeschlossen.

Bei Starkregen steht so mancher Keller schnell unter Wasser. Doch die Mehrheit der Deutschen Hausbesitzer hat keine Elementarversicherung gegen Naturkatastrophen abgeschlossen.

Wer den Schutz mit einer Hausratversicherung kombiniert, bekommt den Wiederbeschaffungspreis erstattet, wenn der Hausrat vollständig zerstört wurde, informiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Der Versicherer übernimmt dann auch Kosten, die für die Reparatur des beschädigten Inventars anfallen. Kombinieren Eigentümer den Elementarschutz mit einer Wohngebäudeversicherung, übernimmt der Versicherer laut GDV die Ausgaben für die Reparatur, Sanierung und Trockenlegung des Gebäudes.

Übrigens: Wie viel Versicherte für den Schutz zahlen müssen, hängt auch von der Wohngegend ab – in welcher Risikostufe das Haus liegt.

5 Aufräumen und Folgeschäden vermeiden

Komplett aufräumen darf man erst, wenn der Versicherer dem zustimmt. Das bedeutet: Zerstörte Gegenstände sollten erst nach Rücksprache entsorgt werden. Trotz der Meldepflicht müssen Versicherte dafür sorgen, dass die Schäden nicht noch schlimmer werden. Das bedeutet: Alles, was in der feuchten Umgebung neu oder weiteren Schaden nehmen kann, muss aus den Räumen heraus und trocknen können. Das gilt etwa für Elektrogeräte und Möbel.

Wenn das Wasser nur kurz im Keller gestanden hat, reicht es oft schon aus, über mehrere Tage kräftig durchzulüften. Insbesondere moderne Betonkeller trocknen gut aus. Schwieriger ist es, wenn Gipskartonwände verbaut wurden: Diese saugen sich vergleichsweise schnell voll und müssen entweder mit einem Luftentfeuchter getrocknet oder sogar ersetzt werden.

Lage abschätzen

Einschätzung der Lage: Wenn das Wasser nur kurz im Keller gestanden hat, reicht Abpumpen und Lüften meist aus, um die Feuchtigkeit zu besiegen. Foto: Peter Kneffel

Entsteht beim Lüften nicht genügend Durchzug, bleibt nur der Gang in den Baumarkt: Diese vermieten Trocknungsgeräte, mit denen sich der Keller innerhalb weniger Tage trockenlegen lässt. „Diese sollten frei im Raum stehen, damit sie die Luft gut umwälzen können“, empfiehlt Bauexperte Werner Weigl. „Außerdem sollte man sie regelmäßig kontrollieren. Ist der Wassertank voll, schalten sie sich in der Regel selbstständig ab.“ Ein Hygrometer zeigt, wie der Trocknungsprozess voranschreitet. „Liegt die Luftfeuchtigkeit unter 65, besser 60 Prozent, ist der Keller im Prinzip wieder trocken.“

Wer zu lange abwartet, riskiert in der Folge Schimmelschäden. Elektrogeräte dürfen allerdings erst wieder an das Stromnetz, wenn sicher ist, dass sie nicht durch Feuchtigkeit Schaden genommen haben. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) rät sogar dazu, sie vom Fachmann überprüfen zu lassen. Ob Profis beim Trocknen und anschließenden Renovieren helfen müssen, hängt von der Stärke der Überschwemmung und den Baumaterialien des Hauses ab. (dpa)