Gute Vorbereitung ist Trumpf

Erst zur Bank, dann zum Notar

Baufinanzierung: Ein Eigenkapital von mindestens 20 Prozent sei mehr als empfehlenswert, raten Bonner Immobilienexperten.

Baufinanzierung: Ein Eigenkapital von mindestens 20 Prozent sei mehr als empfehlenswert, raten Bonner Immobilienexperten.

Bonn. Immobilieninteressenten sollten rechtzeitig vor einem Kauf die Finanzierung sichern, um bei dem knappen Angebot zum Zuge zu kommen.

Gerade in Ballungsgebieten wie der Region Köln/Bonn sind Verkaufsimmobilien ein unverändert knappes Gut. So gehört es oft zum Alltag vieler Makler, dass sich zahlreiche Interessenten auf ein Angebot melden.

Damit man als potenzieller Interessent überhaupt eine reale Chance auf den Zuschlag hat, rät der Immobilienverband Deutschland IVD West mit Sitz in Köln, gut vorbereitet in den Kauf des eines Eigenheims beziehungsweise einer Wohnung zu gehen.

Dazu gehört aus Sicht von Burkhard Blandfort, dem Vorsitzenden des IVD West, vor allem die Abklärung der Finanzierungsfrage: "Es kommt immer wieder vor, dass Interessenten nicht richtig abschätzen, was sie sich leisten können."

Wer einen Hauskauf erwägt, sollte seine finanzielle Situation klären und einen "Kassensturz" machen, um zu erfahren, wie viel Eigenkapital zur Verfügung steht. "20 Prozent des Kaufpreises sollten es schon sein", betont Vorsitzender Blandfort: "Zu beachten sind auch Kaufnebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notarkosten und Maklerprovision." Dies würden in NRW immerhin fast zwölf Prozent betragen, Maklerkosten inklusive.

Zweitens rät Blandfort zur Kalkulation, wie hoch eine monatliche Belastung für die Finanzierung der Immobilie sein darf. Empfehlenswert sind hier weniger als 30 Prozent des Netto-Haushaltseinkommens. "Seien Sie bei diesem Erwägungen absolut ehrlich zu sich selbst", mahnt er.

"Ein Eigenkapital von mindestens 20 Prozent ist mehr als empfehlenswert", bestätigt Roland Kampmeyer, Geschäftsführer eines Kölner Maklerbüros, das seit geraumer Zeit auch Flagge in Bonn zeigt. "Es darf auch gern mehr sein", führt er aus.

Die "Faustformel" 20 Prozent werde von vielen seiner Kunden seit Jahren sogar deutlich überschritten: "30, 40 Prozent Eigenkapital bei einer selber genutzten Immobilie sind durchaus üblich." Zudem empfiehlt Roland Kampmeyer, aufgrund der immer noch günstigen Zinsen möglichst hoch zu tilgen, etwa mit drei Prozent: "Viele Kunden schaffen es dadurch, bereits nach 15 Jahren ihre Immobilie bezahlt zu haben."

Auch für Kampmeyer ist demnach eine gute Vorbereitung Trumpf, allerdings würde er für ein objektives Angebot der finanziellen Möglichkeiten nicht allein die Hausbank kontaktieren.

Er rät, "in jedem Fall zusätzlich das Angebot eines unabhängigen Baufinanzierers einzuholen". Die Hausbank halte sich häufig mit einem attraktiven Finanzierungsangebot zurück, glaubt er: "Der unabhängige Baufinanzierer sucht passend zur Bonität und Lebenssituation und den Anforderungen des Kunden die richtige Bank zur Baufinanzierung heraus".

Den finanziellen Rahmen vorher abzustecken, ist für Roland Kampmeyer ganz wichtig: "Aufgrund der Geschwindigkeit im Markt können wir beispielsweise auch nur eine Reservierung und damit den Kaufprozess starten, wenn klar ist, wie die Immobilie bezahlt wird."

Wer sich dann erst um die Finanzierung kümmern müsse, verliere oft wertvolle Zeit.

Im Vergleich zu Köln stehen laut Kampmeyer in Bonn allerdings "mehr Angebote zur Verfügung, die Vermarktungszeiten, die wir beobachten sind etwas länger". Im Kreis Rhein-Sieg und Rhein-Erft sei die Lage etwas entspannter einzuordnen, wobei er allerdings von Verallgemeinerungen abrät. Deutlich problematischer sieht er das Angebot "an Neubauwohnungen in den Städten".

"Leider beobachten wir am Markt immer noch viele Interessenten, die sich nicht vorbereiten", sagt auch der Bad Godesberger Makler Jan-Peter Sattler-Riegel: "Man muss hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass gerade am angespannten Bonner Immobilienmarkt nur eine schnelle Entscheidung zum Erfolg führt." Diese kann aber nur getroffen werden, wenn ein möglicher Finanzierungsrahmen vorher mit einer Bank abgestimmt worden ist.

"Viele Interessenten sind der Meinung, dass ihnen eine Bank nur einen Kreditrahmen für ein konkretes Objekt benennt", weiß Sattler-Riegel aus Erfahrung: "Dies ist aber nicht der Fall. Banken sind in der Lage, mit einem Kunden schon im Vorfeld zu ermitteln, welche Kredithöhe er sich grundsätzlich leisten kann."

Im konkreten Kauffall werde dieser Rahmen dann an das konkrete Objekt angepasst. Dabei warnt er: "Allerdings kann ein Kreditvertrag vonseiten der Bank immer noch abgelehnt werden, wenn das Objekt deutlich überteuert ist." Auch erlebt Sattler-Riegel immer wieder, "dass Käufer vergessen, die Nebenerwerbskosten zum Kaufpreis hinzuzurechnen."

Rolf Ludwig Becker, Geschäftsführer von Becker Immobilien Bonn Rhein-Sieg, legt Kaufinteressenten ebenfalls ans Herz, sich frühzeitig mit der Finanzierung des künftigen Eigenheims zu beschäftigen. "Diese Vorarbeit, die mit der Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Einreichung von Unterlagen verbunden ist, benötigt einfach Zeit", unterstreicht er.

In einem angespannten Immobilienmarkt sei gerade dieser zeitliche Vorsprung wichtig, "um nach Prüfung des Objektes, schnell handlungsfähig zu sein".

Wegen der Niedrigzinsphase und geringer Anlagerendite würden zudem häufig ältere Kunden in Anlageimmobilien wie Wohnungen investieren und diese Käufe teils zu 100 Prozent aus Eigenkapital bestreiten. Damit wächst aus Sicht Beckers der Druck auf jene Kaufinteressenten, die nur über eine geringe Eigenkapitalquote verfügen: "In dieser Situation muss man umso vorbereiteter in einen Kauf gehen."

Dass Verbraucher unvorbereitet in einen Immobilienkauf gehen, kann Helmut Schlotawa, Geschäftsführer von Kraft Immobilien GmbH, nicht bestätigen: "Die meisten Interessenten informieren sich vorab im Internet, kennen die Voraussetzungen für eine Finanzierung und haben bereits die Rahmenbedingungen mit Ihrer Hausbank oder einem Baufinanzierer abgesprochen."

Zudem würde sein Büro jene Kunden, die eine Immobilie suchen, gezielt darauf ansprechen, "bereits vor einer Besichtigung alle Finanzierungsfragen geklärt zu haben".