Digitale Ersthelfer

So kann das Smartphone im Notfall helfen

Apples iOS 11 erlaubt auch fremden Nutzern den Anruf bei der 112. Dafür muss beim gesperrten Telefon nur fünfmal die Ein-/Ausschalttaste gedrückt werden.

Sowohl als Ersthelfer als auch als Hilfsbedürftiger ist das Smartphone ein wichtiges Werkzeug.

Bonn. Das Smartphone kann wertvolle Informationen für Ersthelfer bereithalten, wenn der Nutzer einen Notfall erleidet. Doch auch als Helfer gibt es mittlerweile praktische Funktionen, die im Zweifel Leben retten können.

Als täglicher Begleiter weiß das Smartphone über seinen Nutzer eine ganze Menge. Da diese Daten sehr sensibel sein können, ist eine Smartphonesperre über einen Pin-Code oder einen Fingerabdruck zu empfehlen.

Was jedoch, wenn man selbst nicht mehr in der Lage ist, sein Mobilgerät zu bedienen, um im Notfall nach Hilfe zu rufen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie Helfer auch vom Sperrbildschirm aus auf persönliche Informationen wie Allergien oder Blutgruppe zugreifen können, die für Sanitäter nützlich sein können.

Notfallpass unter iOS einrichten

Beim Apple iPhone gibt es schon länger die Option, den sogenannten Notfallpass auszufüllen. Dieser ist in der von Haus aus installierten App "Health" zu finden und bietet Platz für Infos wie Erkrankungen, Unverträglichkeiten, Medikation, Gewicht und Größe. Auf dem Sperrbildschirm können Ersthelfer den Notfallpass dann abrufen.

Notfallinformationen bei Android herstellerabhängig

Google bietet eine ähnliche Funktionalität seit dem 2016 erschienenen Android 7 Nougat, zumindest auf Smartphones mit einer unveränderten Oberfläche. Dort finden sich die "Notfall-Informationen" als unterster Eintrag in den Einstellungen bei "Nutzer und Konten". Wie und ob das Feature überhaupt umgesetzt wurde, unterscheidet sich allerdings von Hersteller zu Hersteller.

Wenn ein Notfallpass nicht auf dem Smartphone verfügbar ist, gibt es auch Apps von Drittanbietern, die das realisieren. "Notfall-ID" zum Beispiel wurde von einem Team aus Ärzten und Feuerwehrleuten entwickelt und kann daher genau das liefern, was Rettungssanitäter in Notfällen wissen müssen. Über eine Schaltfläche auf dem Lockscreen ist für den Zugriff auf die Daten keine Entsperrung notwendig.

Notruf im Sperrbildschirm

Schon Mobiltelefone vor dem Smartphone-Zeitalter ermöglichten einen Notruf, ohne das Gerät durch die Pin der Sim-Karte freischalten zu müssen. Beim iPhone lässt sich der Notruf zudem standardmäßig über fünfmaliges Drücken des An-/Ausschalters wählen.

Moderne Smartphones können dank GPS-Chip die Adresse ermitteln und können sie in Notfällen auf dem Sperrbildschirm anzeigen. Über die Schnittstelle Advanced Mobile Location (AML) übertragen Smartphones die Position theoretisch automatisch, der hiesige Notdienst setzt aber noch nicht zwangsweise auf die Technologie.

Live-Standortfreigabe von WhatsApp und Co. nutzen

Ob auf dem nächtlichen Nachhauseweg von der Kneipe oder im menschenleeren Park beim Joggen - mit dem Live-Tracking aktueller Messenger fühlt man sich weniger allein. Über Nachrichtenapps wie WhatsApp oder Telegram lässt sich nicht nur ein einzelner Standort mit einem Kontakt teilen, sondern auch kontinuierliches Senden ist möglich. Damit können zum Beispiel Eltern oder Partner digital ein Auge auf den Nutzer werfen und reagieren, sollte dieser sich vom abgesprochenen Weg entfernen.

Apps für den Notfall

Damit man mögliche Notfallsituationen im besten Fall vermeiden kann, ist die Installation der App Nina sinnvoll. Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes liefert Warnmeldungen für Großbrände, Wetterkatastrophen oder sonstige Gefahren direkt auf das iOS- oder Android-Smartphone. Die beiden Alternativen Katwarn und Biwapp werden hauptsächlich auf regionaler Ebene eingesetzt. Anfang 2019 wurde bekannt, dass durch ein einheitliches System die Meldungen untereinander ausgetauscht werden.

In Deutschland ist eine Erste-Hilfe-Schulung in der Regel nur einmal im Leben für den Führerschein verpflichtend. Diese Kenntnisse werden jedoch schnell vergessen, wenn man sich nicht regelmäßig mit ihnen beschäftigt. Um trotzdem in Notfällen die richtigen Schritte zu gehen, hat unter anderem das Deutsche Rote Kreuz (DRK) eine die Software "Erste Hilfe DRK" für Android (89 Cent) und iOS (1,09 Euro) veröffentlicht.

Mittels Ja-/Nein-Fragen soll der Ersthelfer unter anderem die Situation einschätzen können, bis der Notdienst eingetroffen ist. Außerdem gibt es Features wie ein Metronom zur korrekten Herzdruckmassage und einen Leitfaden, um auf die Fragen des Notrufs vorzubereiten. Experten weisen jedoch darauf hin, dass auch trotz der App das Wissen bei einem Erste-Hilfe-Kurs regelmäßig aufgefrischt werden sollte.