Fragen und Antworten

Immer mehr Zecken - das sollten Sie wissen

Eine Zecke auf der Haut eines Menschen.

Eine Zecke auf der Haut eines Menschen.

18.06.2019 BERLIN/BONN. Während der ein oder andere Mensch mit dem ständigen Wechsel von Regen und Sonne und warmen und kühlen Temperaturen zu kämpfen hat, kommen Zecken mit ihm bestens zurecht. Die lästigen Blutsauger werden in NRW immer mehr.

Hunde- und Katzenbesitzer müssen in diesen Tagen ihre Vierbeiner vermehrt von Zecken befreien. Hundebesitzer berichten von täglich mehreren Zecken, die sie nach dem Gassigehen entfernen müssen. Deutlich mehr als in den vergangenen Sommern. In der Tat fühlen sich die Tierchen, die im Unterholz, in Büschen oder in hohem Gras lauern, in NRW immer wohler. "Wir beobachten eine stetig wachsende Zahl in den vergangenen Jahren", so Michael Blaschke vom Landesbetrieb Wald und Holz in NRW auf GA-Anfrage. Ganz offensichtlich kommen die lästigen Blutsauger mit der Witterung bestens zurecht, mutmaßt Blaschke. "Der Klimawandel könnte ein Grund für die ansteigende Zeckenzahl sein."

Auch die tropische Risenzecke - die sogenannte Hyalomma-Zecke - hat erstmals in Deutschland überwintert. Im vergangenen Jahr sind nach Angaben des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) insgesamt 19 Exemplare dieser bis zu zwei Zentimeter großen Zecke mit auffällig gestreiften Beinchen in acht Bundesländern gefunden worden.

Meist hat ein Stich der achtbeinigen Parasiten keine gesundheitlichen Folgen, gleichwohl können sie Krankheiten übertragen. Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Blutsauger:

1 Welche Zeckenarten gibt es in Deutschland?

Am häufigsten kommt der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) vor. Er kann verschiedene Krankheitserreger übertragen, vor allem Lyme-Borreliose, eine Bakterieninfektion. Bis zu 30 Prozent der Zecken sind laut Robert Koch-Institut (RKI) mit Borrelien infiziert, dem bakteriellen Erreger der Lyme-Borreliose. Die Gefahr einer Infektion besteht in allen Teilen Deutschlands. Einige Zecken tragen auch die Erreger der durch Viren verursachten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) in sich.

2 Wo kann ich von den Spinnentieren befallen werden?

Überall in der Natur - in Wäldern, Wiesen, Parks und Gärten. Zecken bevorzugen eine feuchte Umgebung. Sie können nicht springen und fallen auch nicht von Bäumen herab, sondern klettern auf Grashalme und Gebüsch. Streift man den Winzling im Vorbeigehen, klammert er sich fest. Dagegen schützt lange Kleidung. Auf hellem Stoff sind die Tiere leichter zu erkennen. Ein Insekten- und Zeckenabwehrmittel kann zusätzlich auf die Haut aufgetragen werden, bietet aber laut keinen umfassenden Schutz, so das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz

3 Wie sieht es mit der Infektionsgefahr aus?

Die Lyme-Borreliose ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Erkrankung in Deutschland. Schätzungen gehen von mehreren Zehntausend Neuerkrankungen pro Jahr aus, die Diagnose ist schwierig. Die Gefahr, sich mit FSME anzustecken, ist wesentlich geringer. 250 bis 500 Menschen erkranken Experten zufolge jedes Jahr daran. Im vergangenen Jahr waren es laut Robert-Koch-Institut knapp 500.

4 Wo sind die Risikogebiete?

Während die FSME vor allem in Süddeutschland auftritt, kann sich die Lyme-Krankheit im ganzen Land entwickeln. Experten zufolge wurden zuletzt auch in Norddeutschland, etwa im westlichen Niedersachsen oder in Berliner Großstadtgärten FSME-Erkrankungen registriert.

5 Sticht die Zecke sofort zu?

Nein. Sie krabbelt zunächst längere Zeit auf dem Körper umher, um eine geeignete Stelle zu finden. Deshalb sollte man gleich nach dem Aufenthalt in einem möglichen Zeckengebiet vor allem Haaransatz, Ohren, Hals, Achseln, Armbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich und Kniekehlen absuchen.

6 Und wenn sich schon eine Zecke festgebissen hat?

Die Zecke sollte möglichst schnell mit einer Pinzette, einer Zeckenkarte oder einer speziellen Zeckenzange herausgezogen werden, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Experten raten, die Tiere dabei am Stechapparat zu fassen und möglichst nicht zu quetschen. Die Tiere können mehrere Tage lang Blut saugen. Zu einer Borreliose-Infektion kommt es innerhalb der ersten zwölf Stunden nach dem Stich nur selten. Die Borrelien sind im Darm der Zecke, und es dauert eine Weile, bis sie nach draußen gelangen. FSME-Viren werden dagegen schon innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich übertragen.

Infografik: Achtung, Zecken! | Statista 

7 Wie sind die Symptome?

Treten nach einem Zeckenbiss Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen oder Abgeschlagenheit auf, kann das auf Borreliose hindeuten. Ein charakteristisches Merkmal ist zudem eine sogenannte Wanderröte: eine sich ringförmig ausbreitende Hautrötung. Später können Nervenlähmungen, Hirnhautentzündungen oder entzündliche Schwellungen der Knie- und Sprunggelenke auftreten. Das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz rät: "Die Lyme-Borreliose sollte so früh wie möglich mit Antibiotika behandelt werden, eine Impfung gibt es nicht."

Auch eine FSME-Infektion äußert sich zunächst mit grippeähnlichen Symptomen und kann zu einer Entzündung der Hirnhaut, des Hirns oder des Rückenmarks führen. Das Robert Koch-Institut gibt regelmäßig eine Karte mit so genannten FSME-Risikogebieten heraus. Danach ist das Risiko, durch einen Zeckenstich an FSME zu erkranken, in Baden-Württemberg, Bayern sowie in Teilen Thüringens, Hessens und Sachsens höher. In Rheinland-Pfalz ist der Landkreis Birkenfeld seit einigen Jahren Risikogebiet, im Saarland der Saar-Pfalz-Kreis. In NRW sind keine Risikogebiete bekannt.

8 Kann man sich vorbeugend impfen lassen?

Gegen die Lyme-Borreliose gibt es keine Impfung, sie ist aber gut mit Antibiotika zu behandeln. Gegen FSME kann man sich dagegen impfen lassen. Der Schutz ist vor allem für Menschen in Risikogebieten wichtig, denn FSME lässt sich nicht wirksam behandeln. Bundesweit sind etwa 20 Prozent der Bevölkerung gegen FSME geimpft, in Österreich sind es laut Experten 80 Prozent.

9 Wie schütze ich mein Tier vor Zecken?

Wer eine Zecke auf der Haut seines Tieres entdeckt, sollte sie schnellstmöglich entfernen. Der Tierärzteverband rät, Hunde nach jedem Spaziergang nach Zecken abzusuchen. Auch Katzen, die draußen unterwegs sind, sollten - auch wenn sie nicht an Borreliose erkranken - mindestens einmal täglich kontrolliert werden. Besonders gerne würden sich Zecken an gefäßreichen, dünnhäutigen Partien an Kopf, Hals, Schultern und Achseln festsetzen.

Um Tiere vor Zecken zu schützen, werden sogenannte Spot-on-Präparate, Sprays oder antiparasitäre Halsbänder empfohlen. Der Tierärzteverband weist darauf hin, dass nicht alle Zeckenmittel für jede Tierart in jedem Lebensalter gefahrlos geeignet sind. Im Zweifel sollten Tierbesitzer lieber den Arzt fragen. (dpa/general-anzeiger-bonn.de)