Die Großen Gewächse 2018 Die Jahrgangsbesten

Bonn. Der Verband der Prädikatsweingüter stellte seine Großen Gewächse 2017 vor: Kleine Menge, aber diese an vielen Orten von guter Qualität.

. Man kann sich schon kaum mehr daran erinnern, aber vor nicht allzu langer Zeit gab es auch kalte Tage in Deutschland. Zum Beispiel letztes Jahr im April. In einigen Weinbaugebieten sank die Temperatur nachts auf bis zu minus 16 Grad Celsius. Da halfen keine Hundertschaften von Fackeln mehr, die die Winzer in den Weinbergen aufstellten. Auch die Helikopter, die im Tiefflug über die Reben schwebten, schafften es nicht, die eiskalte Luft aufzuwirbeln. Viele der jungen Triebe, die das warme Wetter zuvor herausgelockt hat, erfroren.

Zum Glück brachte der Mai gutes Wetter und die Natur konnte einiges wieder reparieren. Was Starkregen Ende Juli mancherorts allerdings auch wieder zunichtemachte. Das heißt: Die Erntemenge blieb klein, aber die Qualitäten zeigten sich vielversprechend – zumindest in den meisten Regionen.

Diese Woche war das große Coming-out: Der Verband der Prädikatsweingüter (VDP) stellte in Wiesbaden den Weinkritikern seine Großen Gewächse vor. Das sind die besten trockenen Weine aus den am höchsten klassifizierten Lagen, also quasi die deutschen Grands Crus. 426 Weine standen an, Riesling mit 263 Exemplaren darunter der Spitzenreiter. Die anderen Sorten verteilten sich in absteigender Reihenfolge über Spätburgunder, Weißburgunder, Silvaner, Lemberger, Grauburgunder, Chardonnay, Frühburgunder und Roter Traminer. Das sind die Einschätzungen der GA-Verkoster:

Mosel Schwülwarmes Wetter mit Niederschlag trieb im August die Reife an und auch die Edelfäule Botrytis – an der Mosel wurde so früh gelesen wie niemals zuvor. Das Ergebnis zeigt sich durchwachsen: die Farben oft auffallend golden, im Duft verschlossen und reduktiv. In den schlechten Beispielen sorgt dies für einen unangenehmen Stinker, in den besten für eine rauchige Note. Die Klassiker wie Loosen, Fritz Haag und Maximin Grünhaus brillieren. Nik Weis stellte mit Layet einen furiosen Premierenwein aus dieser Lage vor. Thomas Haag von Schloss Lieser und Florian Lauer von Peter Lauer haben sich als feste Größen in der Spitzenklasse etabliert. Van Volxem: stark der Gottesfuß, noch unverständlich der Scharzhofberger Perkentsknopp.

Rheingau Zwei Weine hoben sich klar und deutlich ab: der druckvolle Gräfenberg von Robert Weil (normalerweise in der Jugend noch sehr ungnädig) und die Hölle von Gunter Künstler – burgundisch elegant, klassisch.

Nahe Auf die Weingüter an der Nahe war, wie fast immer, Verlass: Dönnhoffs Dellchen setzte sich als kristallklare Schönheit an die Spitze. Diels Pittermännchen gab sich noch etwas zickig, ließ aber eine große Zukunft erahnen. Kruger-Rumpfs Burgberg beindruckte ebenso nachhaltig wie der Steinberg von Gut Hermannsberg und der Stromberg von Schäfer-Fröhlich – es blieb nicht dessen einzige starke Vorstellung.

Rheinhessen Die regionale Mischung aus frühem Austrieb, eisigem Spätfrost, Regen zur falschen Zeit und heftigem Hagel kurz vor der Lese, war für manchen rheinhessischen Winzer eine Herausforderung und sorgte am Ende für kleine Erträge. Gunderloch und Keller glänzen mit Rothenberg und Hipping am Roten Hang, während die Heerkretz von Wagner-Stempel, der Frauenstein von Battenfeld-Spanier und der Morstein von Wittmann und Keller bestens vertreten wird.

Pfalz Der vom Kalkstein geprägte Steinbuckel der Familie Knipser macht den Anfang, es folgen der Ungsteiner Herrenberg von Fuhrmann-Eymael, ein ausdrucksvoller Pechstein von Mosbacher sowie ein fein gereiftes Ungeheuer des Jahrgangs 2016 von Bürklin-Wolf. Deidesheim zeigt den Kieselberg von Reichsrat von Buhl und den Hohenmorgen von Bassermann-Jordan. Gewohnt eindrucksvoll: der Idig von Christmann. Die Südpfalz punktet mit Rieslingen aus der Schäwer von Theo Minges, dem Ilbesheimer Kalmit von Boris Kranz, dem Siebeldinger Ganzhorn und einem komplexen Kastanienbusch von Rebholz.

Positiv aufgefallen Die Familie Pawis repräsentiert mit ihrem Freyburger Riesling Edelacker die Flusstäler von Saale und Unstrut, während der Mittelrhein vom Weingut Ratzenberger und der Wolfshöhle angeführt wird. In Franken zeigen Paul Weltner mit seinem kräftigen Küchenmeister Hoheleite, die Familie Luckert mit ihrem Sulzfelder Maustal, sowie das Bürgerspital mit seiner Stein-Harfe und dem prägnanten Stein-Hagemann, was möglich ist.

Silvaner Die Silvaner aus Franken lassen sich kurz zusammenfassen: Am Lumpen 1655 von Horst Sauer geht über alle anderen hinaus. Dieser Wein ist ein Prachtexemplar mit Vorbildcharakter, intensiv, geschliffen, feinsinnig. Weißburgunder In der Pfalz hat die Rebsorte ihre Heimat gefunden – und bedankt sich mit Nachdruck und Eleganz bei Rings (Weilberg), Bergdolt (Mandelberg), Rebholz (Im Sonnenschein) und ganz besonders innig bei Dr. Wehrheim (Mandelberg).

Spätburgunder Die angestellten Spätburgunder stammen mehrheitlich aus einem mit Wetterkapriolen behafteten Jahrgang. 2016 machte es den Winzern nicht einfach. Die Ahr punktet gleich mit drei GG-Spitzen: die Gärkammer von Adeneuer und der Kräuterberg von Meyer-Näkel mit angenehmer Fülle, während der Herrenberg von Stodden fest und konzentriert ins Glas läuft. August Kessler repräsentiert mit seinem Berg Schlossberg den Rheingau. Im württembergischen Fellbach brillieren Markus Heid und die Gebrüder Aldinger mit der Top-Lage Lämmler. Die Pfälzer Winzer servieren reifere Jahrgänge: 2014 Kirschgarten von Knipser, 2015 Kammerberg von Fritz Becker sowie die tiefgründige 2015er Kalmit von Boris Kranz. In Bazeigt Franz Keller leichte, fruchtbetonte Spätburgunder, Konrad Salwey zwei elegante Exemplare aus Kirchberg und Henkenberg, Julian Huber brilliert mit der Sommerhalde, dem Schlossberg und der Top-Lage Wildenstein. Unangefochtene Spitzenreiter sind jedoch die Spätburgunder von Sebastian und Paul Fürst, der kühle, prägnante Klingenberger Schlossberg sowie der vielschichtig- komplexe Hundsrück.

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